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Das Allgäuer Alpornbläsertreffen

Das Allgäuer Alpornbläsertreffen

Text: Evi Heigl Fotos: Paul Knoll, Siegfried Bruckmeier (Euregio Alphorngruppe)

Jeweils am letzten Sonntag im August findet im Allgäu das beliebte Alphornbläsertreffen der Euregio Alphorngruppe Via Salina statt. Die Euregio-​Dachorganisation ist benannt nach dem historischen Salzweg, der von Hall in Tirol über das Voralpenland bis hin zum Bodensee führte. In verschiedenen Orten entlang dieser Route sind an die 180 Alphornbläsergruppen beheimatet. Etwa die Hälfte davon ist im Allgäu ansässig. Der Arbeitskreis Alphornblasen im Allgäu organisiert diese jährlichen Begegnungen. Seit 60 Jahren finden die »Gipfeltreffen« der besonderen Art nun schon an jeweils wechselnden Orten statt. Die 61. Zusammenkunft der Alphornbläser kann man am 25. August in Oy im Ostallgäu erleben.

Warum ist das Alphorn im Allgäu so beliebt?

Für die Heimat- und Volksmusikpflege der Nachkriegszeit war es erstrebenswert, regionale Besonderheiten innerhalb des Kanons der Volkskultur zu finden. Es war wichtig, Alleinstellungsmerkmale im Vergleich zu den anderen bayerischen Regierungsbezirken vorweisen zu können.

Der damalige schwäbische Heimatpfleger Dr. Dr. Alfred Weitnauer nahm bei der Pflege charakteristischen Allgäuer Kulturgutes häufig Anleihen aus benachbarten Regionen. Für ihn war u. a. die Schweiz Vorbild, die das Alphorn damals schon längst zum nationalen Mythos erhoben hatte. 1958 kaufte der von Weitnauer geführte Heimatbund Allgäu in der Schweiz einige Alphörner und stellte sie interessierten Bläsern zur Verfügung. Den Anstoß dazu hatten bereits ein paar Jahre zuvor die Musikhistoriker Ernst Fritz Schmid und Hermann Regner gegeben. Regner fiel schließlich auch die Aufgabe zu, die historische Verbreitung des Alphorns im Allgäu wissenschaftlich zu belegen. In seinem Artikel Musik in den Bergen. Gedanken und Bericht über die Wiedereinführung des Alphorns im Allgäu von 1958 macht Regner sich Gedanken, wie die Wiedereinführung des Alphorns möglichst behutsam und effektvoll geschehen kann.
Um die neu eingeführte Tradition historisch und musikwissenschaftlich zu legitimieren, konnte man sich grundsätzlich auf die Tatsache berufen, dass es in den unterschiedlichen Hirtenkulturen des Alpenraumes seit etwa 1500 eine Vielzahl von trompeten- und hornförmigen Blasinstrumenten aus Holz, Rinde oder Tierhorn gab. Man benutzte sie als Signalinstrument zur Verständigung der Hirten untereinander oder zum Herbeirufen der Tiere. Auch fanden sie in bestimmten Riten des Tagesablaufs Verwendung. Einige Abbildungen und Quellen, die diese Theorie auch für das Allgäu bestätigten, wurden gefunden.
Bald betraute man den Volksschullehrer und späteren schwäbischen Volksmusikpfleger Michael Bredl mit der Umsetzung der neuen Initiative. Schon 1959 berichtet er in der jungen Sänger- und Musikantenzeitung, die Wastl Fanderl erst ein Jahr zuvor begründet hatte, von der Allgäuer Alphornpflege. Er war es auch, der erstmals zu Allgäuer Alphornbläsertreffen einlud.

Von der Sennhütte ins Skiflug-​Stadion

Die ersten Heimatpfleger hatten noch das Ansinnen, das Alphorn dem Allgäu möglichst in seiner ursprünglichen Funktion »zurückzugeben«. Michael Bredl, der damals Alphornbeauftragter wurde, gab den Bläsern als Leitlinie mit auf den Weg, dass das Alphorn als »Instrument der Hirten und des Bergvolkes … grundsätzlich nur auf den Alpen und in der Berglandschaft geblasen werden« dürfe. »Ein wildes Drauflosblasen verletzt die Eigenart des Alphorns und muß, ebenso wie ein Blasen, das zur Schau gestellt wird, als grober Missbrauch verstanden werden.« So stand es in den Verpflichtungsscheinen, die der Alphorn-​Referent Bredl 1958 im Auftrag des Heimatbundes Allgäu an die Alphornbläser ausgab.

So streng wie zu Beginn der Wiedereinführung des Alphorns sehen das die heutigen Bewahrer der neu eingeführten Tradition nicht mehr. In der Folgezeit entstanden Kompositionen für das Alphorn, das jetzt nicht mehr als Signalinstrument, sondern zum mehrstimmigen Musizieren genutzt wurde. Schnell avancierte es zum Element einer charakteristischen Allgäuer Musikkultur und erlangte großes Aufsehen.
Der Arbeitskreis Alphornblasen im Allgäu ist heute sogar bestrebt, »das Alphorn im Allgäu noch weiter als bisher in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken«, wie es auf der Homepage heißt. Schließlich betrachtet er das Alphorn als Aushängeschild des Allgäus und betont auf seiner CD Das Allgäuer Alphorn und seine Geschichte: »Für unsere Alphornbläser ist es stets eine Freude, den Urlaubsgästen mit diesen großen, bis zu vier Meter langen Instrumenten ein Ständchen oder gar ein Konzert geben zu können.« Heute reichen die Auftrittsmöglichkeiten von regionalen Festlichkeiten über Eröffnungsfeierlichkeiten zur nordischen Ski-​WM in Oberstdorf bis hin zu überregionalen und internationalen Präsentationen, wie etwa in Berlin oder in Brüssel. Dabei ist das sommerliche Großereignis Allgäuer Alphornbläsertreffen ein Muss für den Arbeitskreis. Es wird Jahr für Jahr in Zusammenarbeit mit der jeweils ausrichtenden Alphorngruppe und mit internationaler Beteiligung organisiert. Das Programm reicht von Vorträgen verschiedener Alphorngruppen bis hin zum krönenden Abschluss des beeindruckenden Gemeinschaftschors, an dem ca. 300 Alphornbläser mitwirken.

www.ak-​alphornblasen-​im-​allgaeu.de