Traudi und die Schützenlisl

Traudi und die Schützenlisl

Seit 2010 findet die Oide Wiesn, die nostalgische kleine Schwester des weltberühmten Münchner Oktoberfestes auf der Theresienwiese statt. Der anhaltende Erfolg dieses entschleunigten Volksfestes hat dafür gesorgt, dass inzwischen in drei Zelten die Gäste kulinarisch und musikalisch verköstigt werden. Wirt Lorenz Stiftl ist heuer erstmals mit dem Zelt Schützenlisl vertreten. Für das musikalische Programm zeichnet Traudi Siferlinger verantwortlich. Roland Pongratz hat sich für die »zwiefach« mit ihr über die Planungen unterhalten.

Interview: Roland Pongratz  Fotos: Ralf Wilschewski, Berli Berlinski, Haus der Bayerischen Geschichte, Herbert Bungartz

Roland Pongratz: Liebe Traudi, viele Volksmusikfreunde kennen Dich als Musikantin von der Bühne, als Moderatorin der BR-Sendung Wirtshausmusikanten und unsere »zwiefach«-Leser natürlich von Deinen CD-Vorstellungen »Ohrenschmaus«. In diesem Jahr übernimmst du auf der Oidn Wiesn die musikalische Leitung in einem Festzelt. Wie ist es dazu gekommen?

Traudi: Vor etwa einem Jahr hat Lorenz Stiftl mich angerufen und gefragt, ob ich ihm für seine Bewerbung als Wirt auf der Oidn Wiesn ein musikalisches Programm zusammenstellen könnte. Im Rennen seien noch ein paar andere Wirte, ebenfalls mit einem musikalischen Konzept für ihre Zelte.

Meine Antwort war zuerst Nein, aber der Lorenz hat nicht locker gelassen und dann hab ich mir gedacht: Warum nicht? »Traudi, trau di«. Ein Programm auf die Füße zu stellen macht mir immer Freude, und dann schaun wir mal, was rauskommt.

Hast Du einen besonderen Bezug zum Oktoberfest und zur Oidn Wiesn im Speziellen?

Traudi: Tatsächlich lässt mich die Oidn Wiesn seit 2010 nicht los. Ich durfte gleich von Anfang an mitten ins Geschehen der Oidn Wiesn eintauchen und zwar hab ich mit Tilman Schöberl bei der Eröffnungs-Live-Sendung des Bayerischen Fernsehens moderiert. Damals war die Oide Wiesn – die auch noch nicht so geheißen hat – als eine einmalige Veranstaltung gedacht.

Im Folgejahr bin ich im Auftrag des Münchner Kulturreferats am Nachmittag im Stil der Wirtshausmusikanten mit den Tanngrindler Musikanten und der Couplet AG im Herzkasperlzelt aufgetreten. Dass dabei im Zelt mit dem Publikum gesungen wird, war für mich selbstverständlich.

Dann hab ich den Wettbewerb Wiesnmusikanten, ein paar Jahre für die BR-Sendung Wir in Bayern organisiert und Filme über unbekannte Musikgruppen aus allen sieben Regierungsbezirken gedreht, die im Internet bewertet wurden. Die Sieger durften dann bei Wir in Bayern und im Herzkasperlzelt auftreten. Das hat mir große Freude gemacht.

Du zeichnest also heuer für das musikalische Programm in der Schützenlisl verantwortlich. Wie schaut das Konzept aus oder anders, wie unterscheidet sich das Programm von denen im benachbarten Festzelt Tradition oder im Herzkasperlzelt?

Traudi: Es gibt ja von der Stadt eine klare Ausschreibung, und in der steht, dass es ein Volkssängerzelt geben soll. Daran war ich musikalisch gebunden und konnte mich nicht ganz nach meinem Gusto und Kreativität austoben, aber das ist auch gut so, weil es braucht eine Klarheit, was in welchem Zelt musikalisch vertreten ist. Ich hab mich bei meiner Bewerbung für Volks-, Wirtshaus-, und Gstanzlsänger entschieden und decke damit eine große sängerische Vielfalt ab, so wie die Stadt das wünscht. Dazu gibt es aber auch ausgezeichnete Musikgruppen, die mit ihrer schmissigen und auch gmiatlichen Musik eine gute Stimmung in das Zelt bringen, weil so was gehört für mich auch zu einem Volksängerzelt dazu – man kann ja nicht den ganzen Tag Gesang hören.

Auf welche Programmpunkte in der Schützenlisl dürfen wir uns mit Dir am meisten freuen?

Traudi: Sagen wir mal so: Wir alle, die in der Schützenlisl auftreten, wollen zu einer besonderen, gmiatlichen, schönen, harmonischen und unterhaltsamen Stimmung beitragen. Eigentlich sind wir eine große Familie, weil wir uns schon seit Jahren kennen. Und das soll sich auf das Publikum übertragen, die große Freude, die es uns macht, miteinander auf der Bühne zu stehen.

Die Programmpunkte sind so unterschiedlich wie die ausgezeichneten Sängerinnen und Sänger und Musikgruppen, die ich für mein Programm gewinnen konnte. Da ist alles dabei, von der Creme de la Creme der bayerischen Gstanzlsänger bis zu schmissigen Musikgruppen aus vielen Teilen Bayerns, die schon das Publikum bei den Wirtshausmusikanten begeistert haben. Da die eine oder den anderen herauszuheben, fällt mir schwer, weil alle sind einzigartig und saugut. Lasst’s euch überraschen!

Eines aber will ich schon noch hervorheben: Im Volkssängerzelt Schützenlisl der Festwirtsfamilie Stiftl wird es immer wieder Gelegenheit zum Mitsingen und Mitmachen geben, nach dem Motto: »Entdeck die Volkssängerin, den Volkssänger in dir!« Wir freuen uns auf euch und ein gemeinsames Miteinander.

Vielen Dank für das nette Gespräch, wir wünschen Dir und den Musikanten in der Schützenlisl eine friedliche Wiesn!

www.stiftl-oktoberfest.de

 

BUs:

01          Traudi Siferlinger, Programmmacherin in der Schützenlisl

02          Lorenz Stiftl, Festwirt der Schützenlisl

03          Die Schützenlisl – ein Portrait des feschen Biermadls Coletta Möritz von Friedrich August von Kaulbach (1850–1920) – ist längst Markenzeichen bayerischer Gastlichkeit und hängt eigentlich im Festsaal der Königlich privilegierten Hauptschützengesellschaft München 1406. Bis 11. Dezember ist sie derzeit in der Bayernausstellung Wirtshaussterben? Wirtshausleben! im Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu bewundern und von 17. September bis 3. Oktober ist ein Festzelt auf der Oidn Wiesn nach ihr benannt.

04          Neben vielen weiteren Sängern und Musikanten sind die Dellnhauser Musikanten in der Schützenlisl zu erleben.

05          Wenn Gstanzlsänger Josef Bäff Piendl die Bühne betritt, dann bleibt kein Auge trocken.

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