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»Üba d’ Alma ...«

»Üba d’ Alma ...«

Anmerkungen über Liederhandschriften im Allgemeinen und zwei Beispiele aus dem 20. Jahrhundert mit Bezug zum Singen in der Familie

Text: Ernst Schusser

Eine ganz besondere Erscheinung des immateriellen Kulturerbes unserer Heimat sind die handschriftlichen Liedaufzeichnungen der Sängerinnen und Sänger. Dafür wurden und werden Zettel genutzt – aber auch gebundene Hefte oder Bücher. Manchmal wurden die Zettel auch nachträglich laienhaft oder professionell gebunden und zurechtgeschnitten. Manche dieser Liedhandschriften sind von geringem Umfang mit 12 oder 16 Seiten, andere wiederum haben 100 und mehr Seiten, manche sind sauber geschrieben, andere wiederum mit ungeübter oder schwerer Arbeiterhand ausgeführt. Manche haben den Liedtexten Melodien oder Hinweise auf bestimmte geläufige Melodien beigefügt, andere notieren nur die Texte ohne Melodie. Manche Handschriften sind kunstvoll verziert und haben als Geschenk gedient, andere dienen als Erinnerungshilfen, enthalten nur Teile von Liedern oder sind gar fragmentarisch erhalten. In manchen Handschriften sind die Lieder und teils auch die Seiten sorgfältig durchnummeriert, in anderen findet sich ein buntes Sammelgut als Gedächtnisstütze, besonders wenn hier kurze Schnaderhüpfl oder Gstanzln zum immer wieder variierten Gebrauch aufgeschrieben wurden.

Somit sind die Liedhandschriften ein besonders persönlichkeitsgebundenes Überlieferungsgut, das oft sorgfältig aufbewahrt und teils mit großer Wertschätzung über Generationen weitergegeben wurde, teils auch mit immer neuen Eintragungen von anderen Händen. In manchen gebundenen Handschriften sind auch gedruckte Liedblätter lose eingelegt, in anderen sind einige oder ganz viele Lieddrucke eingeklebt, oft mehr oder weniger sorgfältig aus Tages- und Wochenzeitungen ausgeschnitten.

 

Auf der Suche nach der Überlieferung

Schon seit den späten 1970er Jahre habe ich eine besondere Beziehung zu den Liedhandschriften in den unterschiedlichsten Formen. In dieser Zeit haben wir junge Studenten Prof. Dr. Otto Holzapfel vom Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg  kennengelernt, der uns, genauso wie Wolfgang A. Mayer vom Institut für Volkskunde bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München grundlegende Einblicke in das Wesen der Liedhandschriften im deutschsprachigen Raum und besonders in Bayern gegeben hat. Zu dieser Zeit bin ich in die verschiedenen Institute gegangen, habe die dort gesammelten und meist brachliegenden originalen oder in Kopie vorliegenden Liedhandschriften durchgearbeitet und für mich kopiert. Bis ins späte 18. Jahrhundert zurück reichten die Handschriften im MCA (Museum Carolinum Augusteum) in Salzburg und im Zentralarchiv des Österreichischen Volksliedwerkes in Wien oder in der Handschriftenabteilung und bei den Nachlässen in der Bayerischen Staatsbibliothek in München (u. a. Schmeller, Hartmann und Abele). Prof. Karl Horak und seine Frau Grete gaben mir Einblicke in ihre Aufarbeitung der Liedhandschriften, u. a. im Tiroler Volksliedarchiv.

Mit all diesen Erfahrungen ausgerüstet habe ich tausende Kopien von Seiten aus Liedhandschriften für mein Oberbayerisches Volksmusikarchiv angefertigt. Von Anfang an haben wir die zumeist für heutige Nutzer schwer lesbaren handschriftlichen Textaufschreibungen in Maschinenschrift übertragen. Dabei wirkten sowohl Familienmitglieder und ältere ehrenamtliche Mitarbeiter mit, die z. B. die deutsche Schrift noch in der Schule gelernt hatten – oder junge Leute arbeiteten sich in die unterschiedlichen Handschriften und historischen Schreibweisen ein. Viele Handschriften und ihre Übertragungen haben wir in das 1984/1985 neugegründete Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern übernommen. Als wertvolle Dokumente einer vergangenen Singtradition nutzten wir sie bei der Suche nach der Entstehung von Liedern und ihren Varianten, bei der Urheberrechtsdokumentation und für die Volksliedpflege.

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