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Olympia, ein Land und die Volksmusik

Olympia, ein Land und die Volksmusik

Viele kleine Zahnräder machen fünf große Ringe

Text: Miriam Arteaga, Fotos: Archive der Wastl-Fanderl-Schule und der »zwiefach«

Rom, 26. April 1966: Hans-​Jochen Vogel spricht sechs Minuten lang frei auf Englisch, Willi Daume drei Minuten lang frei auf Französisch vor dem International Olympic Committee. Damit sind Detroit, Montreal und Madrid endgültig ausgestochen und der Weg frei für die Olympischen Spiele in München. Gerade mal zwei Jahrzehnte waren vergangen, als München in Trümmern gelegen hatte und nach wie vor waren die Spuren des Krieges in der Bayerischen Landeshauptstadt zu sehen. 30 Jahre war es her, dass die Olympischen Spiele in Berlin stattgefunden hatten – und eines war klar: München musste der Welt ein anderes Deutschland zeigen. München kam nun die Aufgabe zu, »heitere Spiele« zu veranstalten.

Dass man im Ausland bis heute im Zusammenhang mit Deutschland an Lederhosen und Dirndl denkt, ist durchaus auch auf die Spiele 1972 zurückzuführen. Man hatte sich darauf geeinigt, den Fokus auf die bayerische Kultur zu setzen – quasi als pars pro toto für Westdeutschland. Bayern wirkte ohnehin kräftig an der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik mit.
So auch Toni Goth: Er hatte mit seinem Sextett und befreundeten Musik- und Gesangsgruppen bereits mehrfach Deutschland nach außen hin repräsentiert. Später nannten sie sich einfach Münchner Kreis für Volksmusik, Lied und Tanz. Die Auftritte bei diversen Folklore-​Festivals in Frankreich, Italien oder anderswo in Europa (bis hin nach Asien) waren stets mit Bonn abgesprochen worden. Alles in Goths Korrespondenz auf rosarotem Rex-​Rotary Durchschlagpapier nachzulesen.

Außenpolitik ist Sache des Bundes – doch die Kulturhoheit liegt bei den Ländern

Die Bayerische CSU war 1969 durch das Wahlergebnis auf Bundesebene in Opposition geraten und sah ihren Einfluss in Bonn nun eingeschränkt. Dies gab andererseits einen größeren Handlungsspielraum, die eigenen Außenbeziehungen zu intensivieren. Der bayerischen Staatlichkeit konnte so Ausdruck verliehen werden – zu bieten hatte man genug: München als Kunst- und Kulturstadt neben vielen anderen ehrwürdigen Städten und Kultur- und Bildungseinrichtungen, florierende Wirtschaft im ganzen Bundesland und eine gute Portion Selbstbewusstsein, wie es sich Bayern bis heute bewahrt hat. Mit dem Selbstverständnis eines Kulturstaats ging Bayern offensiv beim Ausbau seiner Außenbeziehungen vor, insbesondere mit österreichischen Bundesländern, aber auch in Richtung der jugoslawischen Teilrepubliken und später auch Richtung Ostblock. So auch wieder Toni Goth – mit seinem Sextett und dem Sinnhofer Quartett entstand die Reihe Mozarts Verwandte in Stadt und Land – eine abwechslungsreiche Mischung aus Kunstmusik und Volksmusik. Auf der Rückseite der Langspielplatte ist zu lesen: »Um den unüberhörbaren Beweis der Zusammengehörigkeit anzutreten, haben sich Prof. Franz Beyer und Toni Goth 1968 zusammengetan und in gemeinsamen Konzerten den Geist der großen Verwandtschaft beschworen. […] Über 200 Jahre sind ins Land gegangen, seitdem Mozart, seine Zeitgenossen und seine bäuerlichen Verwandten leibhaftig aufgespielt haben. Das Sinnhofer Quartett und das Toni-​Goth-​Sextett erinnern daran, daß ungeachtet der Jahre die Verwandtschaft nach wie vor besteht.«

Verschlungene Kreise – Vergangenheit und Zukunft

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