Maultasch & Tiroler Kas …

… ein deftiges Tiroler Gstanzlsängergericht

Man stelle Peter Margreiter und Günther Laimböck auf eine Bühne und lasse sie für mehrere Stunden köcheln. Langsam die Spitzzüngigkeit und die zwei geölten Stimmen durch ständiges Rühren beimengen. Nach und nach entsteht eine Maultasch. Behutsam wird der Tiroler Kas Schicht für Schicht in die Maultasch gelegt. Zu deftiger Tiroler Kas ruft bei manchem Unbehagen hervor, daher empfiehlt es sich, den Käse abwechselnd mit Steirischer Harmonika und Flügelhorn abzuschmecken. Abschließend das Sitzfleisch gleichmäßig verteilen und einige Stunden ziehen lassen. Fertig! Vorsicht: die Zutaten können zu einer Deformierung der Lippen beitragen.

Text: Franziska Bierbaum Fotos: Stefan Voitl, Ralph Kapavik, Thomas Erichsen

Gstanzlsingen im Heiligen Land: Die Tiroler sind von je her ein frommes Volk und dennoch bekannt für Heiterkeit und Frohsinn. Der typische Älpler betet gerne und singt dazu. Mit Maultasch & Tiroler Kas verhält sich das ähnlich. Nur mit dem Nachbeten tun sie sich schwer. Franziska Bierbaum hat die beiden getroffen sich ein bisschen mit ihnen unterhalten.

  • Franziska Bierbaum:»Maultasch & Tiroler Kas so wern mia zwoa genannt, mia singen falsch und redn gscheid und hobn wenig Verstand«, heißt es immer in eurem Begrüßungsgstanzl. Zunächst einmal zum ersten Teil dieser Strophe: Wer von euch beiden ist Maultasch und wer ist Tiroler Kas?

Maultasch & Tiroler Kas: Uiii … du bist jetzt die erste, die uns das fragt! Grundsätzlich ist es so, dass er der Peter ist und ich Günther heiße.

  • Wie ist dann Euer Name zu verstehen?

Da müssen wir jetzt ein wenig ausholen. Peter wurde 2014 von einem oberösterreichischen Veranstalter gefragt, ob er eine Tiroler Gstanzlsängergruppe weiß, die bei einem großen Gstanzlsängertreffen auftreten könnte. Peter hat eine Gruppe gekannt, aber die hat es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Lange Rede kurzer Sinn, wir haben uns für diesen Anlass gegründet. Nun brauchten wir für diesen Auftritt einen Namen. Wir wollten eine Bezeichnung, die gewisse Stereotypen bedient. So kamen wir auf die Idee eine Person der Tiroler Geschichte in den Namen einzubauen. Da kam uns Margarete Maultasch gerade recht. Sie war im 14. Jahrhundert Landesfürstin von Tirol. Das muss man sich einmal vorstellen, eine Frau regiert im Mittelalter das Land Tirol, das wäre ja heute undenkbar …

Das war natürlich früher sehr verdächtig, daher ranken sich um diese Landesfürstin bzw. um ihren Namen zahlreiche Legenden, unter anderem, dass der Begriff Maultasch ein Ausdruck für ein »tratschendes Weib« sei. Für uns perfekt: einerseits tratschen bzw. plaudern wir als Gstanzlsänger aus dem Nähkästchen und wir können mit diesem Namen halbwegs die fehlende Frauenquote in der Gruppe kompensieren. Tirol sollte auch noch im Namen vorkommen, und da wir sehr viel Käse verbreiten, kam kurzerhand Tiroler Kas dazu. Einzig das und im Namen können wir uns heute nicht mehr erklären.

  • Ah, ok, Euren Namen haben wir somit fast klären können. Kommen wir zum zweiten Teil dieser Strophe: »wir singen falsch …«. Peter du bist Lehrer für Steirische Harmonika und Akkordeon bzw. Fachgruppenleiter für Volksmusik im Tiroler Musikschulwerk und Obmann des Tiroler Volksmusikvereins, Günther du unterrichtest an der Pädagogischen Hochschule Tirol angehende Lehrerinnen und Lehrer, habt Ihr nicht einen gewissen musikalischen Anspruch?

In erster Linie steht beim Gstanzlsingen der Text im Vordergrund. Manchmal ist es so, dass sich vor einem Auftritt die Ereignisse überschlagen und wir uns dann noch auf die Schnelle etwas einfallen lassen müssen. Das Musikalische läuft parallel dazu und hat den Anspruch wirtshaustauglich zu sein. Frei nach dem alten Tiroler Sprichwort: »Alles was a Mann schianer isch wia a Aff’ isch a Luxus«. So in etwa könnte man unseren Gesang umschreiben. Das wichtigste ist, dass der Saal brüllt – dann haben wir alles richtig gemacht.

  • »Brüllen« ist das Stichwort: Welche Säle habt ihr schon zum »Brüllen« gebracht, was waren eure Highlights?

Da gibt es sehr viele Highlights, wir waren bei einigen großen Gstanzlsängertreffen in Oberösterreich, Salzburg und Niederösterreich zum Teil sogar schon mehrmals zu Gast. Ein Erlebnis war sicherlich auch unser Auftritt im Festspielhaus in Erl und wir waren auch schon mehrmals in Sendungen von Servus TV dabei. Unsere Herzenssache sind aber unsere bisherigen Kabarettprogramme, ich denke es waren bereits vier verschiedene Programme, die wir zum Teil in ausverkauften Sälen spielen durften.

  • Kabarettprogramme? Wie kann man sich die vorstellen?

In unseren Programmen nehmen wir gerne unsere Umwelt auf die Schaufel, sprechen alle erdenklichen Tabu-​Themen an, widmen uns auf besonders intellektuelle Weise den großen Menschheitsfragen, verreißen unsere und Eure PolitikerInnen und garnieren das Ganze mit Gstanzln und anderen Liedern. Da gibt es auch zwischen uns zwei im Vorfeld immer große Diskussionen, welche Themen wir da ansprechen, wir treffen uns dann meistens in der Mitte. Das letzte Kabarettprogramm fand 2021 in der Leutasch im Juli statt, da gab es unter anderem eine Nummer, in welcher wir die obersten EntscheidungsträgerInnen des Landes zum Thema machten. Wir sind uns sicher, dass der Bundeskanzler wegen uns wenige Wochen später den Hut nehmen musste …

  • Seid Ihr mit Euren Programmen schon mal in ein Fettnäpfchen getreten? Wie kommen Eure Aufführungen bei den Leuten an?

Ich glaube, das ist ein Berufsrisiko, das kommt immer wieder vor. Einmal hatten wir einen sehr erfolgreichen Auftritt in Kundl bei einer Volksmusikveranstaltung, das Publikum ging wirklich gut mit. Im Anschluss kam aber ein Mann zu uns und sagte: »Dass ihr då nit her passts, dös wissts eh selber ah!«

  • Wie habt Ihr darauf reagiert?

Wir haben sehr geschmunzelt und haben uns recht saggrisch für das ehrliche Feedback bedankt. Bekommt man ja nicht alle Tage! Aus der Sicht jenes Herren war das natürlich legitim: Er hat sich wahrscheinlich etwas anderes vorgestellt und wurde dann enttäuscht. Man kann durchaus festhalten, dass sich Maultasch & Tiroler Kas eher weniger für besinnliche Volksmusikabende, Adventsingen, Roratemessen bzw. Mariensingen eignet. Aber zu unserer Verteidigung wollen wir festhalten: In unserem letzten Kabarettprogramm kamen auch unsere beiden Päpste vor!

  • Zum Abschluss dieses Interviews noch die Frage, wie geht es mit Euch weiter, was bringt die Zukunft?

In Zeiten wie diesen ist das wirklich schwer zu sagen. Wir sind beide in unseren Brotberufen sehr eingespannt, oft ergeben sich Auftritte sehr spontan. Im Februar 2022 etwa steht ein Kabarettauftritt in Mieming an, ansonsten lassen wir uns überraschen, was die Zukunft bringt. Eines ist gottseidank aber fix: Stoff für weitere Gstanzlstro­phen und Kabarettprogramme wird derzeit seitens der Gesellschaft und Politik massenhaft geliefert. Somit sind wir uns sicher: Es darf auch in Zukunft über uns und andere gelacht werden!

  • Danke für das humorvolle Gespräch!

 maultaschundtirolerkas@gmail.com, +43 676 9754781

Passende Artikel