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Geschwisterstimmen

Geschwisterstimmen

Wenn’s (meist) wunderbar harmonisch klingt

Besonders harmonisch und homogen klingen Lieder, wenn sie von Mitgliedern derselben Familie gesungen werden. Die Brüder Rehm oder die Geschwister Röpfl sind nur zwei von vielen bekannten Beispielen. »zwiefach« hat die Gelegenheit gesucht, mehr über zwei ganz unterschiedliche Gruppierungen zu erfahren ...

Text: Carmen E. Kühnl Fotos: privat, Geschwister Reitberger

Münchner Couplet-​Sängerinnen

Cläre Dettendorfer aus München-Moosach blickt zurück auf gut 30 Jahre gemeinsamer Erfahrung als Couplet-​Duo mit ihrer älteren Schwester Annemarie Schlegel. Wie Cläre berichtet, haben die beiden schon in früher Jugend z. B. den Fensterputzer Kare gelernt und gerade solch humorvolle Lieder zeitlebens besonders geliebt. Noten hatten sie dafür keine. Wichtigste Quelle war das Radio.

Bei Kriegsende war Cläre, die mittlere von drei Schwestern, neun Jahre alt. Obwohl kaum Geld da war, durften alle drei Mädchen Zither lernen, was sie wohl dem Großvater und der Tante verdankten, die ebenfalls dieses Instrument spielten. Annemarie hat sich außerdem selbst das Gitarrespielen beigebracht.
Cläre erinnert sich: »Bei uns zu Hause wurde viel gesungen – Volkslieder wie Am Brunnen vor dem Tore, Schlager, später aber auch Chattanooga Choo Choo und andere Titel von Glenn Miller. Seit frühester Kindheit hatte ich sofort die zweite Stimme im Ohr und diese natürlich auch in der Schule gesungen.
In den 1980er Jahren haben meine Schwester und ich unter anderem im Chor der Münchner Schule für Bairische Musik gesungen. Aus diesem Kreis entstand auch die Brunnleit’n Stubnmusi. Nach dem Chor ist man immer noch beinander geblieben, hat Musik und Brotzeit gemacht und in lockerer Runde weitergesungen – auch Lieder wie den Fensterstock Hias oder den Hintertupfer Beni.
Der damalige Schulleiter, Franz Mayrhofer, drückte uns eines Tages Noten in die Hand mit den Worten: ›Für Euch hätt’ ich was – ein Couplet‹. Der Begriff war mir bis dahin unbekannt, das Lied von den Verblühten Schönheiten auch. Bis zur nächsten Singstund mussten wir es einstudieren. Franz hat uns dann erklärt, dass wir viel zu schön und zu brav singen. Ein paar Tipps, wie wir mit diesem Lied umgehen sollten, hatte er auch parat: ›Ihr müsst das richtig spielen! Bei einem Couplet muss man gestikulieren! Setzt einen Hut auf! Zieht was G’spinnertes an!‹«
Ähnliche Tipps erhielt das Duo auch von Wolfgang A. Mayer. Er lud sie zum großen Couplet-​Singen ein, das vom Kulturreferat der Landeshauptstadt alle zwei Jahre im Münchner Hofbräukeller veranstaltet wurde. »Dort haben wir die Verblühten Schönheiten gesungen und Die Lederhos’n – ein Lieblingslied seit unserer Jugend. Hier erst haben wir erfahren, dass es sich dabei um ein Couplet handelt. Auch Jürgen Kirner und die Couplet AG waren damals in ihren Anfängen. Wir sind einige Male zusammen aufgetreten. Annamirl Spies hat uns immer beneidet, dass wir zweistimmig gesungen haben. Aber ich denke, das ist gar nicht so wichtig. Viele Couplets klingen sehr kraftvoll, grad weil sie einstimmig gesungen werden.«

Viele Auftritte und Auszeichnungen

In den folgenden Jahren waren Annemarie und Cläre zu Gast auf vielen Bühnen, allen voran beim Stadtgründungsfest und bei vielen Veranstaltungen in der Stadt. Es mögen weit über 200 gewesen sein. Nach dem Brand im Hofbräukeller wurde das Couplet-​Singen in den Augustinerkeller verlagert. Auch dort waren sie gern mit dabei. Besonders rund um die 200-​Jahr-​Feier des Englischen Gartens war Hochbetrieb für die beiden Schwestern. Viele traditionsreiche Vergnügungen wie Redouten oder der Kocherlball am Chinesischen Turm wurden damals reanimiert und erfreuen sich bis heute großer Beliebtheit.

In der Regierung von Oberbayern oder im Fraunhofer, im Theater Nederling, in der Alm der internationalen Gartenschau oder bei privaten Anlässen – die beiden Schwestern sangen und spielten mit Grazie und Selbstironie ihre Szenen aus dem echten Leben. Weihnachtslieder oder Religiöses hatten sie nicht im Repertoire. Die Stadt München hat sie dreimal geehrt, 2005 erhielten sie den Kulturpreis der Hanns-​Seidel-​Stiftung. Wichtig war dem Couplet-​Duo, dass das Publikum Spaß an ihrem Auftritt hatte und immer wieder mitsingen konnte. »Es freut einen auf der Bühne schon sehr, wenn die Leut’ im Publikum strahlen und bei den Pointen mitgehen«, so die Moosacherin.

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