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»c, nicht d, Herr Professor«

»c, nicht d, Herr Professor«

Die Sängerin und Volksliedsammlerin Agnes Stock (1843–1927)

Text: Eva Maria Hois

Eine der wenigen namentlich bekannten Frauen, die sich im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in der Steiermark als Volksliedsammlerin betätigten, war Agnes Stock (1843 –1927). Sie wurde in Lassing-​Sonnseite (Bezirk Liezen) in bescheidenen Verhältnissen geboren.

Biografische Angaben folgen im Wesentlichen einer Rede des ehemaligen Lassinger Bürgermeisters Bernhard Zeiser aus Anlass der Enthüllung einer Gedenktafel für Agnes Stock am 14.  August 1983 (Steirisches Volksliedarchiv (STVLA), Biografienmappe Agnes Stock); siehe auch Johanna Trummer: Stock, Agnes, in Helmut Brenner u. a. (Hg.): LiedSammlerVolk. Volksliedsammler und -sammlerinnen in der Steiermark, Graz 2016, S. 253 ff.

und lebte später in Donnersbachwald, Oppenberg und Altlassing. Die Stockerin war eine Tagelöhnerin, mit dem Holzknecht Willibald Stock (geb. 1847) verheiratet und Mutter einer Tochter und zweier Söhne. Sie war aber auch seit Kindheit eine begeisterte Sängerin und Liedvermittlerin und zeichnete schließlich auch Volkslieder auf: »Habe viel abgeschrieben und andern gelernt.«

STVLA HS 76, o. Nr.

In späteren Jahren – die über 70-​Jährige litt an einer »Augenschwäche«, bei der es sich um ein Glaukom (Grüner Star) gehandelt haben dürfte, da sie angab, »um das Licht herum ist ein großer Regenbogen«

STVLA HS 162, o. Nr., Brief vom 15. 3. 1916.

–, half ihr Sohn Peter (1872 –1967) bei den Liedaufzeichnungen. Die Noten schrieb Agnes Stock weiterhin selbst, Peter dürfte musikalisch nicht so gebildet gewesen sein wie seine Mutter.

Die (Kirchen)Sängerin

Ab der frühen Kindheit lernte Agnes Stock Lieder und Jodler – den ersten, wie sie angab, mit viereinhalb Jahren

STVLA HS 74/14.

–, und zwar vor allem von ihrer Mutter Maria Stock (geb. 1825) und einer Frau Buchegger,

Josef Pommer: 444 Jodler und Juchezer aus der Steiermark und dem steirisch-​österreichischen Grenzgebiete, Wien 1902, S. 197.

einige auch von ihrem Vater Josef Forstner (geb. 1818).

STVLA HS 393/26.

Weitere Jodler sowie weltliche und geistliche Gesänge und vermutlich auch das Notenlesen und -schreiben brachte ihr der 1799 in Lassing geborene Lehrer und Organist Josef Mayer bei.

Mayer war als Lehrer in Vorberg (heute eine Katastralgemeinde von Aigen im Ennstal) und Donnersbachwald tätig. Aus seinem Liederbuch schrieb Stock u. a. Im Himmel gleich sich alles aus, das Lied zur Zeit des Krieges und Wia höcher der Thurm, wia heller das Gläut (STVLA HS 393 / 23, 29 und 31) ab.

Wie schon die Eltern ihrer Mutter war Stock bereits in jungen Jahren »Kirchensängerin«

Kirchensänger waren in der Art kleiner Kirchenchöre bis weit in das 19., mancherorts sogar 20. Jahrhundert hinein für die dörfliche Kirchenmusik zuständig und tradierten zahlreiche geistliche Lieder. Sie setzten sich oft aus Familienmitgliedern oder Nachbarn zusammen; siehe Eva Maria Hois und Walter Deutsch: Sammlung Lois Steiner – Lieder des Weihnachtsfestkreises (= Corpus Musicae Popularis Austriacae 4/1), Wien 1995, S. 20 –30.

in Oppenberg, außerdem wurde sie gerne als Vor- bzw. Ansängerin zu Totenwachen geladen.

Bei Totenwachen sang sie unter anderem den von ihr sogenannten Gang der Natur, ein Jahreszeitenlied.

Dies berichtete sie in einem Brief an Josef Pommer (1845 –1918) vom 23. November 1912, als sie ihm die etwa 130 Seiten umfassende handschriftliche geistliche Liedersammlung des Oppenberger Lehrers Josef Salzwimmer aus dem Jahr 1798 übersandte:

»Mir war d[a]s Buch ein werthes Andenken, weil meine Großälter Mütterlicher Seits J. M. Langanger aus diesen Buch gesungen haben am Kor in Oppenberg, jedoch ohne Orgl. Und auch ich habe noch viele Lieder des Inhaltes in Oppenberg am Kor und in d[en] Nachtwachten gesungen.«

STVLA HS 76, o. Nr.


Als Kirchensängerin hatte sie einen besonderen Bezug zum geistlichen Volkslied, weswegen sich unter ihren Aufzeichnungen viele derartige Belege finden. Stock hatte aber ebenso weltliche Lieder und Jodler im Repertoire, die sie auch an andere weitergab und mit ihnen – unter ihrer Anleitung – sang.... Weiterlesen ...