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Notenschreiben ist eine Kunst

Notenschreiben ist eine Kunst

Ein Besuch beim Musikverlag Karl Edelmann

Text und Fotos: Eva Geiger-​Haslbeck

»Notenschreiben mit der Hand ist mittlerweile eine Kunst – das kann ja heute keiner mehr.« Karl Edelmann lacht. Wir sitzen in der Weilheimer Schaltzentrale seines Musikverlags und blättern durch seine ersten Notenausgaben, das Frühwerk sozusagen, aus vor-​Computer-​Zeiten. Katharina Edelmann hat die Werke aus dem Archiv hervorgezaubert: akribisch gezeichnete Notenlinien in feinster Handschrift. Schön schaut das aus, ein bisschen altmodisch, und tatsächlich nach Handwerkskunst.

»Wenn ich heute über ein Arrangement nachdenke oder etwas Neues skizziere, schreibe ich alles zuerst mit der Hand auf. Das ist, als wenn man eine Geschichte aufschreibt – man ist kreativer. Mit der Hand schreiben ist viel persönlicher, und ich sehe sofort, ob das Arrangement so funktioniert, weil ich den Klang vor mir habe, wenn ich es schreibe. Auf dem PC kann ich es mir zwar anhören – aber für mich ist das nicht das gleiche.«
Musik schreiben, das ist für Karl Edelmann seit mittlerweile 27 Jahren das tägliche Brot. Als Musikant ist er, so sagt er, in das Verlagsgeschäft hineingewachsen. »Ich habe schon als Jugendlicher immer Noten geschrieben. In den 1970er, 80er Jahren, wo ich als Bursch Klarinette gespielt habe, hat es ja relativ wenig Notenmaterial gegeben. Man hat aber schon die eine oder andere Musik aus dem Radio gekannt – und wenn mir davon etwas gefallen hat, habe ich das Stück auf Kassette aufgenommen und probiert, es runterzuschreiben. Das hat mir schon immer gefallen.« Ja, aber ein Notenschreiberling fällt ja auch nicht einfach vom Himmel! Oder? »Ich hatte das große Glück, einen sehr guten, alten Musiklehrer zu haben, einen echten Allrounder. Der hat alles unterrichtet, was es an Saiteninstrumenten gab – und ich habe, da war ich so sieben, acht Jahre alt, bei ihm ein Jahr lang Hackbrett gelernt, weil ich für Klarinette noch zu klein war und wir ein Hackbrett zu Hause hatten. In der Gruppe gab es ungefähr zehn Leute: drei Gitarren, drei Zithern, vier Hackbrettl. Deshalb war unser Lehrer die erste halbe Stunde nur mit Stimmen beschäftigt, und während der Zeit haben wir Noten schreiben müssen. Viertelnoten, halbe Noten, G-​Dur-​Tonleitern, und so weiter. Mir hat das immer gefallen – Noten malen. Das Hackbrett spielen hab ich nicht gescheit gelernt, aber das Noten schreiben!«


Während des Musikstudiums am Münchner Richard-​Strauss-​Konservatorium in den 1980er Jahren kam dann noch einiges an nützlichem Wissen hinzu – Harmonielehre, Satztechnik, alles an Handwerkszeug, was ein guter Arrangeur braucht. Gleichzeitig war Edelmann zu dieser Zeit auch schon mit seiner eigenen Gruppe unterwegs, der Pointer Klarinettenmusi, die beständig auf der Suche nach neuem Material war. »Ich habe damals schon für drei Klarninetten geschrieben und spätestens nach der ersten LP-​Aufnahme kam die Frage: Gibt es davon Noten? Das Ergebnis war meine erste Notenausgabe für Klarinettenmusik, damals noch beim Preissler Verlag. Und meine erste Berührung mit dem Verlagswesen.« Der Grundstein war also gelegt. »Ich wollte gerne weitermachen, aber das Interesse an Volksmusikheften war bei den bestehenden Verlagen nicht besonders groß. Anders war es bei den Musikern: Ich habe schon während des Studiums die Altbairische Blasmusik gegründet, bald waren wir quasi jeden Tag im Bayerischen Rundfunk zu hören. Innerhalb von zwei Jahren haben wir dort rund 60, 70 Titel aufgenommen, das haben die Leute draußen gehört und sich gedacht: Da gibt es neue Stücke im volksmusikalischen Bereich, die wollen wir haben! Ich habe also meine Handschriften kopiert und verschickt. Stücke von mir oder auch arrangierte Stücke. Irgendwann hat ein Spezl von mir gesagt: Das kannst Du doch auch verlegen! Er hat mir geholfen und ungefähr zehn Stücke auf dem Computer geschrieben – ich selber habe damals ja noch keinen Computer gehabt. Das hat gut funktoniert, also habe ich mir 1993 selbst einen Rechner und ein Musikprogramm zum Noten schreiben gekauft und ab da autodidaktisch gelernt. Ich glaube, ich habe ein Jahr gebraucht, bis ich etwas Vernünfiges ’zammgebracht habe.«


Die Mundpropaganda lief wie geschmiert: Unter Volksmusikanten sprach sich schnell herum, dass es jetzt einen Verlag gibt, in dem sauber arrangierte Notenhefte für verschiedenste Besetzungen zu haben sind. Die Adressen von Neukunden wurden gesammelt, einmal im Jahr eine kleine Broschüre mit Neuerscheinungen versendet. Heute sind es über 11.000 Stammkunden, die regelmäßig beim Musikverlag bestellen, ein Händlernetzwerk hat sich ebenfalls über die Jahre etabliert, seit Anfang der 2000er Jahre gibt es einen Onlineshop. »Wir haben damals ganz schön investiert in diese neuen Vertriebswege, das war für uns schon ein großer Schritt. Der Verlag war ja ursprünglich nur ein Nebenprojekt, auf einmal ist das dann in Arbeit ausgeartet [lacht]. Ich war ständig am Telefon, weil die Leute bestellt haben, und ich hatte damals kein Büro, sondern habe alles von Daheim aus gemacht. Dazu kam, dass wir in der Zeit auch CDs produziert haben, Blasmusik, Stubenmusik, weihnachtliche Sachen. Dazu gab es dann wiederum die Notenausgaben. So ist das Geschäft immer weiter ins Rollen gekommen, und ab 2005 sind die Anfragen so schlagartig n die Höhe gegangen, dass wir gesagt haben: Jetzt müssen wir das wirklich professionell machen.« Der Verlag bekam ein eigenes Büro, ab 2006 die ersten Mitarbeiter. Katharina Edelmann kümmert sich um das Marketing und die Gestaltung der Ausgaben. So bleibt auch noch Platz für anderes: »Der Verlag ist ein Standbein, das andere Standbein ist das Musik spielen. Das teilt sich bei mir 50/50, und ich schau auch darauf, dass das so bleibt und ich nicht immer nur im Büro sitze.«


Genug zu tun gibt es also in jedem Fall, zumal der Bedarf, so Edelmann, weiterhin steigt: »Ich produziere jedes Jahr ungefähr fünf bis zehn neue Notenausgaben. Mir ist es schon auch wichtig, den Markt nicht zu überschwemmen, nur weil man sieht, dass es vielleicht gerade einen gewissen Trend gibt. Aber auf Wünsche und Interessenlagen geht man natürlich ein. Gerade ist Tanzlmusi sehr gefragt, oder auch Klarinettenmusi, da schaut man dann, dass man ein bisserl was nachlegt. Das Material ist aber immer erprobt – ich gebe nie ein Notenheft heraus, das ich nicht vorher selbst gespielt habe. Das wird immer vorab getestet und muss sich mit meinen Musikanten bewähren.«
Die Arrangements stammen immer noch zum allergrößten Teil aus Karl Edelmanns Feder, mittlerweile gibt es aber auch den einen oder anderen Fremdautor. »Der erste Fremdautor war der Moser Peter, das war 1998. Der hat uns sehr geholfen beim Aufbau unseres Verlages. Wir haben damals weihnachtliche Weisen für Blechbläser von ihm verlegt, das ist bis heute eine der meistverkauften Ausgaben, die wir im Bläserbereich haben. Wenn jemand so bekanntes Dir als Verleger sein Vertrauen schenkt, dann ist das wirklich sehr viel wert – er hat gesehen, dass wir sauber arbeiten und sich deswegen entschieden, mit uns zusammenzuarbeiten.« Auch heute noch werden Fremdautoren in das Verlagssortiment aufgenommen. Davon profitieren beide Seiten: Die Autoren vom großen Händler- und Kundenstamm. Und der Verlag vom frischen Repertoire. Wichtig ist: Die Qualität muss stimmen. Deswegen werden neue Hefte auch streng geprüft, bevor sie ins Repertoire aufgenommen werden.


Die Qualiät – ein gutes Stichwort. Mittlerweile gibt es ja deutlich mehr Anbieter für Volksmusikoten als noch vor wenigen Jahren. Trotzdem sollte man umsichtig sein, wenn man Noten kauft. »Die Qualität des Arrangements ist einfach wichtig. Fürs Spielen zum Tanz oder im Wirtshaus reicht es vielleicht, ein bisschen mit den Stimmen herumzuprobieren – aber wenn ein Stück auf CD aufgenommen oder im Rundfunk gespielt wird, dann muss das Arrangement schon sitzen. Viele haben heute ein Notenschreibprogramm auf dem PC und basteln sich etwas zusammen, ohne sich vorher mit Harmonielehre beschäftigt zu haben. Aber selbst in der Volksmusik, wo ja eigentlich alles erlaubt ist, ist nicht alles erlaubt.« Dass Qualität sich auszahlt, bekommt Edelmann regelmäßig bestätigt: »Wir kriegen sehr viele Rückmeldungen von Musikanten, die sehr glücklich mit unseren Heften sind. Man kann die Noten hinlegen und spielen, und es klingt. Gerade für Quartetts oder Weisenbläser – da kann man mit einem verhunzten Arrangement wirklich Pech haben. Zu uns haben die Leute mittlerweile so viel Vertrauen, dass sie oft blind einkaufen. Das ist was wert.«
Auch das Vetriebsnetzwerk wächst weiter. Zum vorhandenen Kundenstamm kommen feste Grossisten, der Onlineshop hat den Markt auch weit über die Grenzen des Alpenraumes geöffnet. Katharina Edelmann erzählt: »In den letzten Jahren hat der Bedarf sich eigentlich verschoben. Wir verschicken weit über Bayern und Österreich hinaus, viel nach Norddeutschand und auch in die angrenzenden EU-​Staaten. Das, was wir damit natürlich auch großflächig abdecken, ist der Laienbereich: Leute, die gern musizieren, aber oft keine festen Gruppen haben, sondern für sich selbst oder spontan mit anderen spielen. Aber auch Musikvereine und Musikschulen kaufen bei uns ein.«


Ist denn immer für jeden etwas dabei in einem neuen Heft? Die Geschmäcker sind doch oft recht verschieden. Karl Edelmann: »Wenn Du heute ein Heft mit zehn Titeln hast, wird es nie so sein, dass alle zehn gleich gern gespielt werden. Es ist einfach ein Angebot. Gewisse Stückl werden lieber gespielt als andere – welche das genau sind, weiß man vorher nie. Solange die Kunden zufrieden sind, scheint unsere Auswahl aber zu stimmen [lacht]. Wir haben ja auch viel im Programm, was nicht zu den ganz gängigen Stücken gehört. Musikanten, die zum Beispiel eine Messe oder ein Mariensingen gestalten müssen, werden bei uns fündig. Wer themenbezogen etwas sucht, bekommt von mir eine Empfehlung. Es ist ein großes Glück, dass wir die Nachfrage meistens so passgenau bedienen können. So bleiben uns die Kunden gewogen.« Wie schaut es eigentlich mit der Digitalisierung aus – die macht ja wahrscheinlich auch vor dem klassischen Notenheft nicht Halt. Wird beim Musikverlag Karl Edelmann in Zukunft auch vom Tablet aus musiziert? »Wir haben das Thema wirklich lange und intensiv diskutiert und uns dann dagegen entschieden, eine spezielle Lösung dafür anzubieten. So richtig durchgesetzt hat sich das Tablet als Ersatz für das Notenheft bislang einfach nicht – auch wenn es in mancherlei Hinsicht sicher praktisch ist. Man kann enorm viel speichern und findet die Stücke sehr schnell. Aber das Format ist oft problematisch, bislang weichen die meisten doch wieder auf Notenblätter aus. Was wir machen: Wir verschicken mittlerweile zusätzliche Stimmen oder einzelne Stücke als pdf. Das ist ein gewisser Service, den unsere Kunden sehr schätzen.«


27 Jahre Musikverlag Edelmann – das ist ein ganz schön lange Zeit. Braucht es dazu einen langen Atem? »Es macht mir immer noch Spaß, Neues zu schaffen. So lange mir etwas einfällt, so lange ich kreativ bin, mache ich weiter. Wenn ich irgendwann nichts mehr schreibe, schläft auch der Verlag ein. Aber die Hefte – die wird es hoffentlich immer geben.«
Das hoffen wir auch – und wünschen viel Glück für die nächsten 27 Jahre. Mindestens!

Mehr Informationen – und natürlich das ganze Repertoire – gibt es unter www.musikverlag-​edelmann.de. Das neueste Heft, ­Bairische Tanzlmusi Nr. 9, erscheint pünktlich zum Frühjahr!

Karl Edelmann und seine Altbairische Blasmusik

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