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Max Rosenzopf, sein musikalisches Leben – und seine Idee der Griffschrift

Eine Sprache für die Harmonika: Max Rosenzopf, sein musikalisches Leben – und seine Idee der Griffschrift

Vor dem Haus von Max Rosenzopf in der Steiermark steht ein ganzes Arsenal an alten Wohnwagen und Campingbussen – alles Fahrzeuge, mit denen Rosenzopf jahrzehntelang durch die Gegend gereist ist, von Seminar zu Seminar. Das hat er mittlerweile aufgeben müssen; das Leben unterwegs ist doch recht anstrengend, vor allem, wenn man – wie Rosenzopf – schon vor ein paar Jahren seinen 80. Geburtstag feiern konnte. Es gibt eine Menge zu erzählen. Aus einem reichen musikalischen Leben, das nicht immer einfach war. 

Text, Interview und Fotos: Eva Geiger-Haslbeck

Lieber Herr Rosenzopf, Sie kommen aus Geistthal in der Weststeiermark – da bin ich gerade durchgefahren. Wunderschön ist es dort. Und auch die Volksmusik hat eine lange Tradition in Geistthal. Wie sind Sie zur Musik gekommen?

MR: Wie soll ich sagen – mein Vater hätte eigentlich gern selbst musiziert, hat aber nicht einmal wirklich in die Schule gehen können. Als sein Vater starb, musste er sich um den Hof kümmern, und mit der Musik wurde es nichts. Das, was ihm selbst verwehrt geblieben war, wollte er dann mir möglich machen. Er war also daran »schuld«, dass ich zu musizieren begonnen habe.

Die Musikalität selbst habe ich wahrscheinlich von meiner Großmutter. Als Kind bin ich bei ihr auf dem Kachelofen gesessen mit dem Grammofon und habe Platten aufgelegt. Bei meiner Großmutter wurde jeden Sonntag getanzt; meinhat der Dorfjugend in ihrer Stube das Tanzen gelehrt. Nur in der offenen Zeit, also niemals in der Fastenzeit. In der Fastenzeit hat sie das Gewicht vom Tonarm verschwinden lassen, so konnte man die Nadel nicht mehr beschweren und spielen. Da war sie sehr streng (lacht).

Meine Großmutter hat keinen Tanz in Geistthal ausgelassen. Es gab nicht so viele Veranstaltungen, aber sie war überall. Was ich nie vergessen werde: Am Sonntag in der Früh hat sie vom Tanz am Vorabend erzählt. »Das Tanzen war so herrlich, so lustig, man ist geschwebt.« Richtig geschwärmt hat sie. Beim nächsten Mal kam sie heim und hatte einen Grant in der Früh. »Man hat die Füße nicht vom Tanzboden weggebracht«, hat sie dann gesagt. Das war im gleichen Gasthaus gewesen, der gleiche Tanzboden, nur andere Musik. Da ist mir viel später erst wirklich bewusst geworden: Wenn der Rhythmus in der Volksmusik nicht stimmt, ist’s auch nicht lustig zu tanzen. Ich habe schon Volksmusikgruppen gehört, wo der Harmonikaspieler wirklich verheerend gespielt hat, die Leute aber trotzdem getanzt haben. Wissen Sie, was ich da gesehen habe? Die Tänzer haben die Melodie gesungen und auf die Musik gar nicht gehört. So ist das Tanzen wieder gut gegangen.

Dann hat Sie eigentlich der Tanz für die Volksmusik »infiziert«. Und die erste Harmonika? Woher kam die?

MR: Mein Vater kam früher aus dem Krieg heim, weil er Invalide war – er hat an der linken Hand fast alle Finger verloren, schon als Kind. Geistthal war der Ort, durch den die Russen durchgezogen sind, und er hat ein bisschen die slawische Sprache verstanden. So hat er bei den Russen eine Harmonika eingehandelt. Mit der hat damals niemand etwas anfangen können, denn es hat sich, wie ich später herausgefunden habe, um ein russisches Banjo gehandelt. Die Russen waren ja sehr fortschrittlich beim Entwickeln der chromatischen Harmonika, die hat es schon vor 1880 gegeben, wo in Wien erst das Akkordeon und die Schrammelharmonika entstanden sind. Irgendjemand hat jedenfalls so ein Instrument mitgehabt, das mein Vater dann getauscht hat. Und natürlich hat er dann geschaut, dass er das Instrument weiterhandelt – wie es gegangen ist, weiß ich nicht mehr – und dann hat er mir eine ganz kleine, dreireihige Strasser mitgebracht. Acht Jahre war ich damals alt. Nun war die Frage: Wo kann man lernen? Es hat bei uns einen Bauern gegeben, der hat mir mit Ach und Krach den Schneewalzer beigebracht, nach Gehör. Aber ich glaube, nur den ersten Teil.

Ein Anfang war jedenfalls gemacht ...

Den kompletten 7-seitigen Artikel lesen Sie in der zwiefach 02-2020.

 

Die andauernde Blütezeit der Steirischen Harmonika ist mit  seinem Namen verbunden:
MAX ROSENZOPF,  JAHRGANG 1937 – 2020

Max Rosenzopf lernte schon in seiner Hauptschulzeit Steirische Harmonika, Akkordeon, Knopfgriffakkordeon und diatonische Handharmonika. Mit 17 Jahren war er als Volksmusiklehrer in Ligist tätig. Er unterrichtete, lebte eine Zeit lang in Bärnbach und ließ sich zuletzt in Köflach nieder, wo er in der Musikschule Volksmusikinstrumente unterrichtete. Nach seinem Fagottstudium an der Landesmusikschule, später an der Musikhochschule in Graz, wurde er aktives Mitglied bei verschiedenen Blasorchestern im Voitsberger Bezirk und im Steirischen Kammerorchester. Max Rosenzopf war fasziniert von den beiden Instrumenten Harmonika und Hackbrett, aber auch von der kraftvollen Überlieferung in seiner Heimat. Es lag wohl nahe, dass er mit Fleiß und Ausdauer allen Hinweisen, allen klingenden Gerüchten nach Feldforschermanier nachging. Seine Sammlung ist ein unschätzbares Zeugnis der bis heute funktionierenden Überlieferung. Vieles hat er herübergerettet, in seinen bewährten Musikgruppen erklingen lassen, als Botschafter Österreichs bei vielen Auslandsfahrten präsentiert, auf Schallplatten und bei Rundfunkaufnahmen dokumentiert. Max Rosenzopf hat seine Steirische Harmonika in vielen Lehrgängen landauf und landab den Leuten als ihr Volksmusikinstrument wieder zurückgebracht. Seine Sammlung – die vom steirischen Volksliedwerk als äußerst wertvoll eingeschätzt wird – und sein Wissen hat er aber nicht für sich behalten. Rosenzopf gründete nach Erscheinen seiner „Spielanleitung für die Steirische Harmonika“ im Jahre 1976 einen Eigenverlag und veröffentlichte weit über 20 Hefte für verschiedenste Volksmusikinstrumente und -ensembles.