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Einfach machen! Schlimmstenfalls wirds eine Erfahrung‍...

Ein Besuch bei Franziska Kolb, Harfen- und Geigenbauerin

Text: Eva Geiger-​Haslbeck Fotos: Caro Ross

 

Liebe Franziska, erzähl uns doch a bisserl was zu deiner musikalischen Biografie. Wie bist du zur Musik – besonders zur Volksmusik – gekommen?

Franziska Kolb: Prinzipiell sind meine Geschwister und ich ja sehr musikalisch erzogen worden, jeder von uns hat erst mal klassisch ein Instrument erlernt. Bruder und Schwester Klavier, bei mir wars die Geige. Die strenge russische Schule und die klassische Ausbildung waren natürlich sehr hilfreich für die ersten Geigenmusi-Versuche, ich hab dann aber bei den ersten Musikantentreffen schnell gemerkt, dass man mit einem Melodieinstrument wie Geige sehr eingeschränkt ist. Und weil eine Harfe doch recht teuer ist, hab ich mich dann zunächst mal mit der Gitarre zufriedengegeben. Das hat fürs Erste auch gut funktioniert.

Und wie und wann bist du auf »deine« Instrumente – Geige und Harfe – eingerastet?

Die Geige ist durch die Erziehung und Schule ein unmittelbarer Teil von mir geworden, sie hat mich in gewisser Weise auch zu dem gemacht, was ich heute bin. Die Harfe war von Kindesbeinen an immer ein Traum, der aber weder für meine Eltern noch für mich finanziell umsetzbar war. Das hat der Faszination aber keinen Abbruch getan, und letztendlich war der Wille doch so stark, dass die erste Leihharfe, die erste gebrauchte Harfe, die erste Eigenfertigung nicht lange auf sich haben warten lassen …

Kannst du dich noch daran erinnern, wie und warum du beschlossen hast, den Beruf der Instrumentenbauerin zu ergreifen?

Bei mir wars ehrlich gesagt ein absoluter Glücksfall. Ursprünglich wollte ich Schreinerin oder Restaurateurin werden. Meine Eltern und Lehrer hätten mich gern am Mozarteum gesehen – Konzertfachstudium wäre aber nix für mich gewesen, und meine Mama hat mich dann auf die Idee gebracht, mich in Mittenwald an der Berufsfachschule für Instrumentenbau zu bewerben. Von 120 Bewerbern wurden 40 zur Aufnahmeprüfung eingeladen, 12 wurden genommen und von den 12 haben sieben die Ausbildung abgeschlossen. Erst im Nachhinein hab ich das Glück begriffen, da dabei gewesen zu sein – und bin einfach nur unendlich dankbar.

Du hast also in Mittenwald gelernt. War der Instrumentenbau eigentlich auf Anhieb das Richtige für dich?
Natürlich gibts in der Ausbildung den ein oder anderen Moment, in dem man sich völlig fehl am Platz fühlt. Es gibt Tage, an denen nix funktionieren will und man sich die Frage stellt, ob es der richtige Weg ist. Aber ich bin froh, dass ich es durchgezogen hab, ich würd nie wieder was anderes machen wollen.

Seit wann bist du als Instrumentenbauerin selbstständig?

Selbstständig bin ich jetzt seit knapp einem Jahr, und für die kurze Zeit kann ich mich wirklich nicht beschweren: Die Werkstatt ist gut besucht, es stehen viele Reparaturen und Services an, und auf die anstehenden Neubau-Aufträge freu ich mich besonders!

Erzähl uns doch bitte genau, wie die Harfen aussehen, die du baust. Was ist die Besonderheit?

Ich bau sogenannte Doppelhalsharfen. Die Technik hab ich von meinem Lehrmeister Otto Zangerle in Ebbs übernehmen dürfen, nachdem er jahrzehntelang sein Patent verbessert und verfeinert hat. Bei »normalen« Harfen läuft die ganze Saitenbespannung und Mechanik links vom Hals, was oftmals dazu führt, dass der Hals »kippt«, sich alles verzieht und im schlimmsten Fall die Mechanik nicht mehr greift – und die gesamte Stabilität auf der Kippe steht. Bei der Doppelhalsharfe ist die Last gleichmäßig verteilt, indem die Saiten durch den Hals laufen. Das bringt nicht nur den Vorteil, dass sie stabiler ist: Die Saitenspannung ist auch um einiges höher, der Klang im Diskant brillanter, die Bässe klarer. Die Mechanik liegt außerdem versteckt, ist also nicht anfällig für Transportschäden. Im Sommer 2020 soll erstmals eine Konzertharfe von mir mit demselben System fertig werden.

Hast du dir bei den Geigen auch schon was Ausgfuxtes ausgedacht?

So was Ausgfuxtes wie bei der Harfe leider nicht, weil das Konzept Geige schon sehr, sehr reif ist, jedoch hab ich eine besondere Stegform und verarbeite statt dem geschützten Ebenholz oder Palisander lieber heimische Hölzer wie Rosenholz, Buchs oder Zwetschge, das sind dann besondere Hingucker. Auch Extravagantes hat bei mir immer Platz, egal obs ein besonderer Kundenwunsch ist wie zum Beispiel ein geschnitzter Löwenkopf, historische ff-Löcher oder ausgefallene Lackfarben. Für mich gilt das Konzept: Erlaubt ist, was gefällt – und solangs funktioniert, ist alles erlaubt.

Du sitzt ja nicht nur in der Werkstatt, sondern bist auch viel unterwegs. Was bietest du als »rasende Instrumentenbauerin« für Services an?

Ich würde sagen, zwei Drittel der Zeit bin ich in der Werkstatt, den Rest der Zeit bin ich beim »Heimservice«, da komm ich zu Kunden nach Hause und reguliere die Harfen, egal ob Volksharfe oder Konzertharfe. So haben die Kunden ihr Instrument innerhalb von wenigen Stunden wieder und keine Wartezeit. Ist natürlich für einen Musiker das Schlimmste, wenn man das Instrument zwei oder gar vier Wochen nicht daheim hat, deshalb wird die Art von Service immer sehr dankend angenommen.

Was bringt dir am meisten Freude bei deinem Beruf?

Zum einen: der Moment, wenn Kunden ein Reparaturinstrument zurückbekommen oder sogar ihr Neubauinstrument abholen. Das Strahlen in den Augen und die Freude sind unbezahlbar. Fast so, als würde man sein Kind wieder in die Arme schließen können. Zum anderen: die unglaubliche Ruhe, die der Beruf mit sich bringt. Jeder Schritt kann und muss mit Bedacht geschehen. »Stress« gibts in dem Sinn bei mir nur sehr selten.

Und was würdest du jungen Menschen raten, die das Handwerk des Instrumentenmachers lernen wollen?

Unbedingt machen! Ich bin so froh über diese Entscheidung und die Möglichkeit. Sollte man nachher doch feststellen, dass es einem nicht liegt, geht die Welt auch nicht unter, aber dann bereut man wenigstens nix, weil man die Chance dennoch genutzt hat. Mein Lieblingszitat dazu: »Einfach machen. Schlimmstenfalls wirds eine Erfahrung.«

Zum Abschluss: Musikalisch bist du ja auch noch aktiv. Was sind deine aktuellen Projekte?

Im Moment sind wir mit unserer Zeitlang-Musi und dem Zeitlang-Gsang viel unterwegs. Mit dem Herma-Haselsteiner-Preis, den wir 2018 in Innsbruck gewonnen haben, wollen wir in nächster Zeit eine CD-Produktion mit vielen eigenen Stücken und Liedern in Angriff nehmen – ihr dürft gespannt sein!

www.kolb-instrumente.com