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Ein „Gipfeltreffen“ der besonderen Art

Ein „Gipfeltreffen“ der besonderen Art

Dieter Schaborak und Florian Michlbauer im Sommergespräch – über Lehre, Griffschrift und ihr Lieblingsinstrument

Interview: Andrea Iven, Eva Geiger; Text: Eva Geiger; Fotos: Philipp Bromberger

Einen wunderschönen Sommertag haben wir uns ausgesucht, um Dieter Schaborak in seinem Haus im niederbayerischen Waldkirchen zu besuchen, wo er seit einigen Jahren mit seiner Frau Cornelia lebt und arbeitet. Schaborak ist einer der bekanntesten und umtriebigsten Griffschriftautoren und Lehrer: kaum einer hat sich über die Jahrzehnte so intensiv mit der Steirischen Harmonika und ihren Möglichkeiten auseinandergesetzt, tief verwurzelt in der alpenländischen Tradition. Aus einer vermeintlich ganz anderen Richtung kommt Florian Michlbauer, Kopf der populären Michlbauer-Methode, die schnelle Erfolge auf der Diatonischen verspricht und im gesamten deutschsprachigen Raum von vielen Harmonikaschülern genutzt wird, mit Lehrern oder für das Selbststudium. Vor kurzem hat er seinen 60. Geburtstag gefeiert – Zeit zum Resumieren. Schaborak und Michlbauer stehen auf den ersten Blick für eine vollkommen unterschiedliche Herangehensweise, die sich am deutlichsten in der Frage manifestiert: spiele ich mit vier oder fünf Fingern? Wir haben uns für beide Ansätze interessiert – und darüber gesprochen. Über die Philosophie, die für jeden einzelnen hinter dem Thema Harmonikalehre steht. Über ihren individuellen Werdegang. Natürlich, die Unterschiede wurden deutlich. Aber, und das war überraschend: auch einige Gemeinsamkeiten. Viel Spaß beim Lesen unseres Sommergesprächs!

 

Schaborak (S): Und, Flori? Seit wann hast Du Ferien?

 

Michlbauer (M): Ich hab das ganze Jahr Ferien (lacht), das macht bei mir keinen Unterschied. Wenns mich freut, freuts mich, und wenns mich nicht freut, freuts mich nicht. Es gibt keine Ferienzeit und keine Arbeitszeit. Das war auch früher in der Landwirtschaft so. Wenns geregnet hat, haben wir nix getan.

 

S: Zu welcher Zeit schreibst Du dann Noten?


M: Unterschiedlich! Das kann in der Früh von sechs bis neun sein, das kann eine Stunde am Abend sein. Es kann aber auch sein, dass ich am Ostersonntag oder am Heiligen Abend Noten schreibe – einfach immer dann, wenn es mich gerade packt. 

 

S: Ich genieße ja diesbezüglich gerade den Ruhestand. Fast vierzig Jahre lang habe ich neben meiner Lehrertätigkeit jede Nacht, oft bis 3 Uhr früh, geschrieben. Jetzt kann ich mich hinsetzen, wenn ich Lust habe (lacht).

 

HW: Fangen wir doch mal von vorne an. Ihr habt ja beide eine ähnliche „Berufung“ - aber unterschiedliche Ansätze. Wie hat denn alles begonnen, mit der Musik?

 

M: Die Musik hat eigentlich immer eine sehr große Rolle gespielt. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, in einem Fremdenverkehrsort, wo Mitte, Ende der 1960er Jahre die ersten Sommerfrischler gekommen sind. Urlaub am Attersee! Mit acht Jahren habe ich zu Weihnachten ein Akkordeon bekommen. Bei meinem ersten Lehrer war ich nicht glücklich, alles hat sich gesträubt gegen das Lernen, gegen das Üben. Ich habe also aufgehört mit dem Unterricht und war auf mich allein gestellt. Ab da habe ich alles, was ich im Radio gehört habe, nachgespielt, jedes Lied, die ganzen Schlager. Gleichzeitig habe ich in Weyregg bei den Schuplattlern den Spielmann gegeben. In der Familie haben wir miteinander gesungen. Ich habe keine Stimme gehabt als Zehnjähriger, sondern habe den Dreigesang begleitet. Wir haben bei Heimatabenden Musik für die Feriengäste gemacht. Zu der Zeit hat keiner von uns gewusst, was traditionell war und was nicht, das war auch nicht die Frage. Die Familie Michlbauer hat gesungen, was die Leute hören wollten. Von „Innsbruck, du wunderschöne Alpenstadt“ bis zu irgendwelchen Schlagern. Ich hab einen Hut mit langer Feder gehabt und Gstanzl gesungen, als Bub mit 12 Jahren bist du da natürlich der King (lacht).

 

HW: Frühe Bühnenerfahrung, also...wie kam dann der Bogen zur Volksmusik? Zum Notenschreiben?

 

M: Ich hab bald eine kleine Bläserpartie gehabt, eine leicht vergrößerte Oberkrainerbesetzung. Andere Tanzlmusik ist bei uns zu der Zeit ja kaum gespielt worden. Damals habe ich damit begonnen, für diese Partie Noten zu schreiben. Dadurch habe ich schnell viel Routine bekommen.  Ich hab zum Schreiben nie ein Instrument gebraucht, das ging alles frei, anfangs leichte Sachen, später ganze Chorsätze.

 

Dann hat die Familie Michlbauer Rundfunkaufnahmen gemacht. Damals ist uns zum ersten Mal bewusst geworden, dass man nicht einfach alles singt, sondern dass es Unterschiede gibt in den Musiksparten. Wir waren eben in der Volksmusik, da gehörten die deutschen Schlager für die Feriengäste nicht dazu. Mein Vater hat angefangen, traditionelle Lieder zu schreiben. Ich habe meine Tanzlmusi aufgegeben, weil mir das Traditionelle immer wichtiger wurde. Dann habe ich eine Stubnmusi gehabt, eine Klarinettenmusik. Mir war das Geldverdienen damals egal, ich wollte einfach nicht mehr in Bierzelten spielen und habe mit 30 Jahren angefangen, mich auf die Chormusik zu konzentrieren.

Eine Steirische hab ich mir gekauft wegen des Familienensembles, mit 12 Jahren.

Die habe ich nur zum Begleiten verwendet, jahrelang. Das passte einfach besser zum traditionellen Gesang.

 

HW: Dieter, Du hast einen anderen Weg eingeschlagen - weniger Bühne, mehr Theorie? Wie kam es bei Dir zur Musik als Lebensthema?

 

S: Schon auch ein bisschen über Umwege. Mein Vater hat mich, nachdem ich mit acht Jahren zu Weihnachten ein Akkordeon bekommen hatte, zu einem Lehrer geschickt, der niemals selbst ein Instrument dabei hatte. Nach jahrelangem Unterricht wusste ich also nicht, ob der Lehrer überhaupt spielen konnte. Er hat in Gruppen unterrichtet, ich habe damals aber immerhin als einziger eine Viertelstunde Einzelunterricht gehabt, weil mein Vater das bezahlt hatte. Und ich war ein Schüler, der immer vier Seiten mehr gelernt hat, als er aufhatte. So sind wir in der Viertelstunde nichtmal zu dem gekommen, was ich alles geübt hatte (lacht). Zu Hause hat sich dann eigentlich niemand darum gekümmert, was oder wie ich spiele. Wenn Besuch da war, musste ich mit dem Akkordeon anrücken. Ich habe vor Aufregung gezittert – die ganze Zeit hatte sich niemand dafür interessiert, und plötzlich sollte ich vorspielen?

Die Umstellung, das zu verkraften, kam eigentlich erst mit dem Konservatorium. Ich bin praktisch direkt nach der Realschule dorthin gegangen, mit 16 Jahren. Mit 19 war ich fertig ausgebildeter Musiklehrer, das Musikstudium hat mich aber zunächst dazu gebracht, dass ich sage: ich brauch etwas anderes. Ich habe privat unterrichtet und dann mit meiner ersten Frau, die ich am Konservatorium kennen gelernt hatte, eine einjährige Amerikareise gemacht. 50.000 Kilometer im eigenen VW-Bus, bis Guatemala. Ohne Instrumente. Danach waren wir so von Eindrücken übersättigt, dass wir wussten: wir müssen nach Hause. Wir brauchten Heimat. Als wir zurückgekommen sind, wollte ich immernoch nicht in die Musikschule, sondern habe zuerst Fototechniker gelernt. Erst als das nach drei Jahren vorbei war, war ich bereit, in die Musikschule zu gehen. Ab der Zeit, das war 1979, habe ich bis 2009 unterrichtet. Zunächst Klavier und Akkordeon, später Diatonische.

 

HW: Ihr habt beide viel autodidaktisch gelernt, richtig?

 

S: Ja. Die ersten zwei Lehrer vordem Konservatorium konnte man in der Pfeife rauchen.

 

M: Ich lerne bis heute nur autodidaktisch. Ich habe Glück gehabt und zur richtigen Zeit die richtigen Leute getroffen, die mich weiter gebracht haben. Ich war als „Nichtstudierter“ zehn Jahre lang an der Landesmusikschule als Lehrer. Ich wurde aber auch gebraucht – es gab keinen Lehrer für die Steirische, und die Nachfrage war groß.

 

HW: Wie kam es denn konkret zur Liebe für die Steirische?

 

M: Nun ja, ich hab die Harmonika immer in der Liedbegleitung verwendet und ab und an auch ein paar Stücke, einfache, aus dem Bauch heraus gestrickt. Ohne großes Konzept, nur aus dem, was in der Dreitönigkeit drin ist. Das ist nach und nach immer mehr geworden, und bei den Auftritten sind Leute zu mir gekommen, die gefragt haben, ob ich sie unterrichten kann. Ich habe mir gedacht: Wieso kommt jemand auf die Idee, dass ich ihm was beibringen kann, ich bin doch kein Lehrer? Ich habe in der Landwirtschaft gearbeitet, mit meiner Tanzlmusik gespielt, mit der Familienmusik und als Alleinunterhalter für die Feriengäste. Ich habe alles spielen können auf dem Akkordeon, aber bei der Steirischen haben mich diese Nachfragen so gewundert, dass ich sie erstmal zwei, drei Jahre lang abgeblockt habe.

Irgendwann habe ich mir dann überlegt: unterrichten, so ein bisschen, als Nebenberuf, das wäre was. Auch, um mich abzugrenzen von der Landwirtschaft, in der mein Vater mich sehr vereinnahmt hat. Um etwas Eigenes zu haben, habe ich irgendwann die ersten Schüler für die Steirische angenommen. Plötzlich waren es acht Schüler, die bei mir in der Bauernstube saßen, die sogenannten „Kachelofenschüler“. Die haben dann ein Glasl Most und eine Jausn gekriegt, eine Dreiviertelstunde Unterricht und eine Viertelstunde ratschen. Und ich hab mich damit so wohl gefühlt – auf einmal etwas Eigenes, die Zeit selbst bestimmen dürfen, das war herrlich. Und dafür hab ich sogar Geld gekriegt! (lacht)

 

S: Bei mir war es eher ein großer Knall. Beim Junggesellenabschied eines guten Freundes habe ich zum ersten Mal eine Steirische gehört – bis zu dem Zeitpunkt hatte ich dieses Instrument niemals wissentlich wahrgenommen. Ich habe mich beim ersten Stück umgedreht und war fasziniert. Am nächsten Tag hab ich mich bei meinem Freund entschuldigt, weil ich den ganzen Abend nicht mehr geistig anwesend war. Das war der 29. Oktober 1983. Ich habe den Harmonikaspieler gefragt, von wem die Stücke sind. Seine Antwort: fast alle vom Peter Posch und der Gerstreit Musi. Ein halbes Jahr später habe ich dann bei Peter Posch angerufen, weil ich bei ihm Unterricht nehmen wollte. Ich hatte eine Frau am Apparat, die mir sagte: das geht nicht, der lebt nicht mehr. Er ist vor einem halben Jahr gegen einen Baum gefahren. Am 29. Oktober 1983. Mir läuft es bis heute eiskalt den Rücken runter, wenn ich daran denke. Aber an dem Tag, so hat es sich für mich angefühlt, wurde mir irgendetwas übertragen. Das Thema Steirische Harmonika.

 

Ich bin gleich am nächsten Tag zum Musikalienhändler nach Miesbach gefahren und habe mir eine Harmonika gekauft. Das war damals eine neue Novak in ADCG, die hatte ich ein Jahr lang, bis ich auf der Handswerksmesse im darauffolgenden Jahr dann den Schorsch Öllerer getroffen habe. Dessen Instrumente habe ich dann 17 Jahre lang gespielt.

Diese Begeisterung für die Steirische kam also wirklich von einer Sekunde auf die andere. Ich habe immer gesagt: mir gefällt Klavierspielen unheimlich gut, auch Akkordeonspielen, aber mir fehlt was. Mir fehlt was! Dann hör ich dieses Ding – und päng! Seitdem habe ich keinen Tag ausgelassen und mich mit der Steirischen beschäftigt.

 

HW: Was macht die Steirische für Euch besonders?

 

S: Wenn man bedenkt, dass die Steirische die selben Stimmzungen hat wie das Akkordeon auf der Diskantseite, fasziniert mich zuerst der der komplett andere Klang,der durch den besonderen Aufbau von Gehäuse und Dreichörigkeit entsteht. Hier befindet sich jeder dreistimmige Ton einer Diskantreihe auf einem Stimmstock, beim Akkordeon ist das verteilt auf drei Stimmstöcke. Und die Bassseite ist natürlich der Hammer. Wenn man zum Beispiel in der Kirche spielt, fragt sich jeder: ja, wo ist denn dieser Orgelbass, der kann doch nicht aus diesem kleinen Instrument rauskommen. Man kann einen ganzen Dom mit einem einzigen Instrument ausfüllen. Ich hab bei einem Adventssingen in Aschau in der Pfarrkirche gespielt, da war ich der einzige Solist. Beim anschließenden Essen im Pfarrhaus habe ich hinter mir zwei Damen reden hören. Die eine hat gesagt: sag mal, die Orgel ist doch gar nicht in Betrieb gewesen – wo kam denn der Klang her? Ich habe gesagt: das war ich! Sie wollten es nicht glauben, also habe ich drei Töne angespielt. Die beiden kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus: tatsächlich, das warst Du!

 

M: Bei mir ist es ähnlich. Mich fasziniert auch das Akkordeon immernoch. Ich habe eines, das sehr weich klingt, das ich auch viel für die Chormusik und die Volksmusik nutze. Drum habe ich auch nie Sehnsucht nach einer Steirischen Harmonika, die weich klingt. Für mich braucht die steirische Harmonika schon etwas aufreißendes, etwas prickelndes. Der Trend gerade bei den Volksmusikspielern geht ja in die Richtung eines weichen Klangs. Aber meine Vorbilder sind zum Beispiel der Häusler Hias, die Gerstreit Musi, die machen das, was ich bis heute besonders mag: das resche. Das weiche, das mache ich mit dem Akkordeon.

 

S: Das Akkordeon hat auch seine Berechtigung. Deshalb braucht für mich die Steirische übrigens auch niemals eine Tonkammer. Damit wäre der Bass viel zu übermächtig gegenüber der Diskantseite. Wenn ich ein weiches Instrument haben mag, dann mach ich das über das Holzverdeck und ein ganz flaches Tremolo.

 

M: Wenn wir vom Klang reden: ich verstehe schon, dass heute viele das weiche gern haben, gerade wenn man staade Sachen spielt. Ich versteh auch einen Spieler, der eine Midianlage hat, auch wenn ich selbst dagegen bin. Weil eben schon faszinierend ist, was da alles rauskommt. Wenn ich aber nur für mich spreche, haben wir glaube ich die die gleiche Empfindung, was das Instrument anbelangt.

 

HW: Ein Schwenk zum Thema Griffschrift. Dieter, Du siehst Dich selbst auch als eine Art Archivar, richtig?

 

S: Ich habe eigentlich den ganzen Katalog an Volksmusikstücken in Griffschrift aufgeschrieben. Ein ganzes Jahrhundert (lacht). Und immer, wenn wieder jemand eine neue Volksmusik-CD veröffentlicht, dauert es nicht lange, bis sie mir jemand zuschickt und sagt: Dieter, horch, wie schön das Stückl ist, kannst du das nicht aufschreiben? Ich habe das immer nur für Unterrichtszwecke an Schüler herausgegeben, die Lizenzgebühr konnte ich mir nicht leisten. Ja, ich bin ein Archivar und habe auch schon bestimmt, dass das Bayerische Volksmusikarchiv meinen kompletten Nachlass bekommt. Ausser einem guten Gefühl habe ich aber nichts davon.

 

HW: Da braucht man ein gerüttelt Maß an Idealismus.

 

S: Tja. Albert Schweitzer, Mutter Theresa...            

 

HW:...Dieter Schaborak.

 

S: (lacht) Genau!

 

HW: Der Idealismus spielt sicher auch bei dir eine große Rolle, Flori - oder?

 

M: Ich bin sicherlich auch ein großer Idealist. Wobei ich neben der Harmonika viel mehr Zeit für Chorgesang aufwende. Ich brauch das, ich brauch die Abwechslung. Auch auf der Steirischen arbeite ich gerade wieder mehr mit Ensemblestücken. Wenn wir nicht Idealisten wären, könnten wir das gar nicht machen. Bei mir hat sich das beruflich ergeben, ich habe das so nicht geplant. Früher dachte ich immer, es geht in Richtung Rundfunk und Moderation, wie beim Franz Posch. Mit 18 Hatte ich den Plan, eine Jausenstation zu machen wie der Leitn Toni, da kommt dann ein Autobus, ich mach Barbetrieb und spiel meine Lieblingsmusik (lacht). Das, was ich heute mache, ist mir absolut zugeflogen, wie auch meine ersten Schüler. Ich möchte auch gar nicht sagen, dass ich in den ersten fünf, zehn Jahren Lehrer war. Ich war ein Stückezeiger.

 

HW: Das hat sich dann ja ziemlich verselbstständigt…

 

M: Ich glaube, der Dieter war da anders, er war geprägt durchs Konservatorium. Ich war nicht geprägt. Ich hab nur Tanzmusik gemacht, schon sind ein paar Schüler dagesessen und haben gesagt: ich muss nächste Woche „Lustig ist das Zigeunerleben“ vorspielen, und dann brauch ich noch den Schneewalzer, und „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ brauch ich auch noch, das hab ich ihnen dann eben gezeigt. Dazu steh ich auch, so hab ich eben angefangen. Ohne erstmal zu zeigen, wie man mit dem Balg arbeitet, wie man zieht. Mir war es so wurscht, ob jemand das Stückl mit zwei Fingern spielt. Ich habe gezeigt, wie das Stück ungefähr funktioniert und es dann auf Kassette aufgenommen, nach einer Woche haben sie es gekonnt und waren happy.

Begonnen mit der Lehre hat das erst, als mir die Schüler über den Kopf gewachsen sind, weil es immer mehr wurden und ich verstanden habe, dass das mehr sein muss als Stücke zeigen. Wir sind Erzieher, da geht es nicht nur ums sauber spielen, sondern auch darum, was gespielt wird. Und ich habe sehr zu kämpfen, weil ich heute aufgrund meiner Hefte in eine bestimmte Schublade gesteckt werde. Ich muss ehrlich sagen, ich krieg oft einen roten Kopf, wenn ich so schaue, was heut bei uns produziert wird. Drum haben wir jetzt die Harmonikawelt und die Musikschule getrennt. In meiner Musikschule wird ausschließlich das, was gut für den Unterricht ist, unterrichtet.

Wir haben jede Woche Seminar, da sind sechs Leute da. Es ist ganz wichtig für die Steirische Harmonika, die Leute mit der richtigen Literatur lernen zu lassen, und das ist nunmal die traditionelle Volksmusik. Die beginnt nicht bei Herbert Pixner, auch wenn ich es großartig finde, was er macht. Die fängt auch nicht bei Schlagern an, weil der Schüler sich das einbildet. Sondern mit unseren leichten, traditionellen Volksweisen. Ein guter Spieler, der spielt das.

 

Da hab ich mich sehr geändert, weil ich früher alles gemacht habe. Das will ich nicht mehr – das, was jetzt bei uns im Hause gemacht wird, ist authentisch. Es gibt so viel Literatur bei uns, die nicht geeignet ist für den Unterricht. Das wissen viele Leute aber nicht. Eigentlich gehört auf diese Hefte ein Schild drauf: nicht geeignet! (lacht)

 

S: Das ist jetzt, was das Unterrichten angeht, komplett anders bei mir.

 

M: Ganz anders! Darum hast auch Du in Volksmusikkreisen ein ganz anderes Ansehen als ich.

 

S: Nach meinen ersten zwei schlechten Lehrern hab ich gesagt, ich möchte, dass das Unterrichten meine Berufung ist. Ich unterrichte, seit ich 16 Jahre alt bin, jetzt bin ich 64. Wenn heute ein achtjähriger zur ersten Stunde kommt, schlage ich die Harmonikaschule auf und spiele mit ihm die ersten Takte – und freue mich drauf, wie ich mit ihm anfangen kann. Bis heute ist das so, bei jedem Schüler. Die Leute sagen zu mir: kannst Du in dem Alter immernoch immer die gleiche Harmonikaschule aufschlagen und immer mit dem gleichen Ton anfangen? Kann ich. Weißt, warum? Selbst, wenn ich zehntausend Schüler gehabt hätte: es gibt keinen, der das erste Stück so spielt wie der andere. Jeder sitzt anders, jeder hält das Instrument anders, jedem musst Du etwas anderes sagen. Zu mir kommen Leute, die an Musikhochschulen studiert haben und anschliessend bei mir das Unterrichten lernen wollen. Dann kann es nur Berufung sein.

 

HW: Was macht einen guten Lehrer aus für Euch?

 

S: Auf jeden Fall sollte er das Gegenteil von einem reinen Konzertspieler sein. Ein Konzertspieler achtet auf sein eigenes Ego, das er innerhalb seines Spielfeldes hat. Er muss spielen können, ohne  dass er über irgendwelche Fehler nachdenken muss. Ein Lehrer muss kein Virtuose sein, er muss es dem anderen zeigen können, damit der gut wird. Und ich habe mich immer gefreut, wenn die Schüler besser geworden sind als ich selbst. Über jeden habe ich mich gefreut.

 

Ich selber kann zum Beispiel den Florentiner Marsch nicht spielen, aber ich hab fünf Schüler, die ihn im Original spielen können. Darauf bin ich stolz, und ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich ihnen zuhöre. Ich habe ihnen die Stücke aufgeschrieben, den Fingersatz aufgeschrieben und Stück für Stück den Weg aufgezeigt.

 

M: Ich sag genauso wie er: ich muss als Lehrer nicht alles spielen können, ich muss unterrichten können.

 

S: Wenn Du dir vorstellst, wie viele Stücke wir unterrichten – wer soll denn die alle können?

 

M: Du hast natürlich auch die Oberklasse an Spielern, die Du unterrichtest. Bei mir kaufen die Leute die ganzen Kommerzheftl, kommen zum ersten Mal mit einem Riesenstapel zum Seminar und ich frage sie: hast Du auch geeignete Literatur dabei? Dann habe ich die Aufgabe, beim Seminar klar zu machen, was geeignet ist, worauf es ankommt, dass man sauber spielt. Dass man erst eine Basis braucht. Beim Dieter kommen die Leute schon mit einem gewissen Niveau an, oder sie wissen, dass der Schaborak der ist, der „da oben“ spielt. Das ist bei mir nicht so. Ich muss von vorn anfangen. Und ich bin der, der sagt: jeder, der will, der kann. Wenn ich wo hingehe, sitzen manchmal unter 60 Leuten 30 Anfänger, die teilweise noch nie Musik gemacht haben. Für diese Leute interessiere ich mich, ich freue mich, dass es mir gelingt, sie auf eine Ebene zu bringen. Trotzdem ist das natürlich eine andere Ebene als beim Dieter. Ich habe in meinen vielen Jahren schon zwei, drei gute rausgebracht, aber beim Dieter sind es sicher Dutzende.


S: Ich habe einen anderen Ansatz. Die Steirische ist ja etwas, was mit der Volksmusik und mit der Klassik in Verbindung steht. Wenn jemand Gaudimusik machen möchte, muss er zu einem anderen Lehrer gehen, da ist er bei mir falsch. Das klassische Studium prägt da natürlich schon, man bist in diesen Jahren im Studium gedrillt worden bis zum sonstwas. Die armen Schüler, die ich in der Konservatoriumszeit gehabt habe, die hab ich gezwiebelt. Ich war der Meinung, man muss seinem Schüler immer eine Unterrichtsstunde voraus sein. Heute habe ich dazu mehr Abstand.

Bildlich gesehen ist es doch so: als Lehrer stehst Du mit dem Fernglas auf dem Berg, schaust runter und sagst dem Schüler, was alles zu tun ist – diesen Blick hast Du am Anfang nicht. Das kann keiner. Ich hab 48 Jahre Unterrichtserfahrung, die kann mir keiner nehmen. Die Leute sagen: wie siehst du dass, dass ich auf meinen kleinen Finger achten muss, Du kannst doch nicht alles sehen? Und ich sage: ich schon! (lacht). Das macht die Erfahrung.

 

HW: Diese Erfahrung hast Du ja auch in Deine Griffschriften einfließen lassen.

 

S: Was ich am Anfang vermisst habe, ist ein durchgehendes Lehrwerk. Bei jedem klassischen Instrument gibt es hunderte von Werken, die explizit und ganz genau einen Weg aufzeigen, wie man ein guter Spieler wird. Bei der Steirischen hats das nicht gegeben.

Aufbauend auf das von meiner Frau Cornelia und mir erstellte Schulwerk habe ich deshalb ein fünfbändiges Hochschullehrwerk für die Steirische geschrieben, das sich nur mit Techniken beschäftigt: enge zweistimmige Lage, weite zweistimmige Lage, Chromatik, enge dreistimmige Lage, weite dreistimmige Lage. Wenn einer die Hefte durch hat, dann kann er Harmonika spielen.

 

 

HW: Meint Ihr, dass die Vielfalt an modernen Literatur fördert, dass die Leute weniger „sauber“ lernen?

 

M: Ja, selbstverständlich.  Die Leute kaufen sich gleich am Anfang ein Pixner-Buch, weil sie die Melodien schön finden, hängen sich ein Instrument um und glauben, dass das sofort geht.

 

S: Man muss schon sagen, dass durch die Michlbauer-Griffschriften viele Leute zunächst einmal angefangen haben, Harmonika zu spielen. Wenn sie dann in den Laden zu den Griffschriften gehen, dann sehen sie, ui, da steht ja links und rechts davon auch noch was. Der Blick weitet sich. Davon profitieren andere Griffschriftautoren auch.

 

M: Der große Unterschied zwischen uns zwei ist, dass ich ja in das Unterrichten erst reinwachsen musste. Ich hab bei der ersten Stunde nie gewusst, was ein Schüler kann. Und ich saß da und musste ihm ein Lied beibringen. Mein Erfolg war, dass der Schüler zufrieden rausgeht. Der Umgang mit Erwachsenen, sogar mit Leuten über 80, hat mir gezeigt, dass ich doch wohl Menschen begeistern kann. Das Konzept hat funktioniert. Ich habe jetzt fünf neue Bände von meiner Schule, in denen kommen auch die speziellen Fingersätze, die Bindungen, das zweistimmige Spiel dran, das war mir ein großes Anliegen bei der neuen Auflage. Da habe ich zum ersten Mal ein sehr gutes Gefühl, das kann sich jeder Musiker anschauen, auch vom Aufbau her. Die ersten drei Bände gehen sehr langsam vorwärts. Da geht es um die Grundlagen. Und wenn man die kann, ist man selbst auch begeistert.

Von meinen 60 Musiklehrern im Florineum hab ich 20, die keine Unterhaltungsmusik unterrichten. Das machen wir seit drei Jahren, das ist Musikerziehung, bei der die Leute konfrontiert werden mit der Musik, für die das Instrument geschaffen ist. Ich fang ja beim Klavierspielen auch nicht mit Schlagern und volkstümlichen Sachen an. Da geht der Weg an der Klassik nicht vorbei, genauso geht bei der Steirischen der weg nicht an der Volksmusik vorbei.

 

 

HW: Ein weiterer, ganz maßgeblicher Unterschied zwischen Euch beiden ist das Herangehen an die Griffschrift…

 

M: Ich habe schon unterrichtet, bevor ich die Griffschrift kannte. Die erste Griffschrift, der ich begegnet bin, war die von Max Rosenzopf. Und anfangs habe ich bei der Rosenzopf-Schule nichts durchschaut. Ich habe fünf Linien gesehen und dann begonnen, irgendwie zu schreiben, auf Fünflinienpapier. Was herausgekommen ist, hängt mit dem Fingersatz zusammen: fünf Linien, fünf Finger. Anders konnte ich es einfach nicht aufschreiben. Und ich war dann wirklich der einzige, der umlernen musste. Vor meiner Griffschrift habe ich 16 Jahre lang vierfingergespielt, auf der Bühne, überall. Im Unterricht habe ich aber Fünffinger gezeigt. Ich habe dann innerhalb von einem halben Jahr umgelernt, auch um zu zeigen, dass das geht. Damals war das ja richtig verpönt.

 

Max Rosenzopf hat gesagt, der Daumen gehört fest an die Diskantseite, auch, um das Instrument zu stabilisieren. Es gibt unendlich viele gute Spieler, die so gelernt haben. Nur ich konnte damit nichts anfangen: fünf Linien, vier Finger.

Ich sage, es ist komplett egal, mit wie vielen Fingern man spielt. Wenns was bringt, dass man den großen Zeh noch dazu nimmt, ist mir das auch recht. Wichtig ist, wie man spielt. Die Vierfingerspieler sind einfach gute Leute, weil sie auch aus einem guten Lager kommen, keine Debatte. Nur hab ich gesagt, leichter zu lernen, leichter zu durchschauen, ist für mich das Fünffingerssystem. Damit habe ich das Thema Steirische auch für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In Slowenien war ich gerade bei der Staatsmeisterschaft in der Jury, da spielen alle mit fünf Fingern, weil eben gängigerweise so unterrichtet wird. Bei uns war es durch die Rosenzopf-Schule  einfach anders etabliert.

 

S: Meine Ansicht ist da bisschen anders. Wie Du aber schon gesagt hast: man muss den großen Überblick sehen. Wenn heute einer schwere Stücke spielt, wird er den Daumen ab und zu brauchen. Schon allein, weil die sogenannten Halbtontasten nur mit dem Daumen erreichbar sind. Wenn man zwei Melodielinien spielt, da wär man manchmal um einen sechsten Finger froh.

Ich komme aus der Klassik,  für mich kommen die fünf Linien aus der Violinnotation, und die bilden das Gerüst. Ich lege einen Knopf entweder auf oder zwischen die Linie, das System steht klar fest, das haben die Schweizer schon um 1900 festgelegt, damals noch nicht mit einem Doppelkreuz, wie es der Rosenzopf gemacht hat, sondern mit einem einfachen Kreuz.

Zur Stabilität: ich unterrichte mit zwei Riemen und mit einem Riemen. Der Spieler muss das Instrument so halten können, dass er auch ohne Daumen mit einem Riemen spielen kann. Da lege ich großen Wert darauf. Das allererste ist, dass ich den Leuten sage, wie man richtig sitzt. Ich kann heute noch acht Stunden durchspielen, also muss ich irgendwas technisch richtig machen. Mit der richtigen Technik verbraucht man weniger Kraft, das Gesamtkonzept ist wichtig.

 

Ich fange mit dem Daumen an der Seite an, weil das für mich nichts anderes ist als eine Orientierungshilfe. Beim Akkordeon kann ich mich an glatten weißen und erhabenen schwarzen Tasten orientieren, ich weiß immer, wo ich bin. Bei der Steirischen Harmonika sehe ich ein Spielfeld und weiß überhaupt nicht, wo ich bin. „Klebe“ ich aber den Daumen an der Seite an, an dem richtigen Punkt für meine Handgröße, dann weiß ich: da, in dem Abstand, ist der Gleichton. Von da aus kann ich mich orientieren. Das, was der Flori gesagt hat, ist für mich ab dem Zeitpunkt gültig, wo ich bereits spielen kann: dann kann ich auch mit dem Daumen hin und hergehen. Meine Fingersätze zielen aber darauf ab, dass ich mit vier Fingern genauso schnell und genauso gebunden spielen kann wie einer, der mit fünf Fingern spielt.

 

HW: Beim Thema Fingersatz werdet Ihr euch wohl nicht einig!


S: Das, was Flori gemacht hat, mit den fünf Fingern und fünf Linien, da ist vorher noch keiner drauf gekommen. Was ich schwierig finde ist, den Daumen auf der ersten und den kleinen Finger auf der fünften Linie als Grundlage zu haben.

 

M: Wenn der Daumen auf dem Grundton ist, ist der dritte Finger immer auf dem Gleichton. Jetzt hat sich aber ohne Versetzungen daraus die zweistimmige Tonleiter ergeben. Das ist so: eine zweistimmige Tonleiter ist für einen Musiker untypisch – aber bei der Steirischen spielt sie eine wesentliche Rolle. Ich kann damit mit wenigen Griffen tausende Lieder spielen. Aus dem heraus hat sich das fortgesetzt. Ich hab zu dem Zeitpunkt, als ich die Fingersätze entwickelt habe, noch nicht gewusst, wie es weitergeht. Meine Fingersätze waren von vorne weg sehr umstritten, weil ich sie festsetze. Das Legatospielen geht damit am Anfang nicht, das kommt erst im vierten und fünften Buch, nicht bei den Grundlagen. Das ist nämlich schwer. Ein Fingersatz ist gut, wenn er gebunden gespielt werden kann, dazu braucht es aber gewisse Vorkenntnisse. Unser System ist in erster Linie sehr leicht zu spielen für Anfänger.

 

S: Ab da, wo die Stücke schwerer werden, sehe ich ein Problem: der Schüler muss durch die verschiedenen Lagen und sich orientieren. Das Problem gibt es beim Vierfingersystem nicht.

 

HW: Mit der Michlbauerschule kann man also relativ schnell grundlegend spielen. Aber ab einem  bestimmten Niveau kommt man an seine Grenzen?

 

M: Nein. Aber der Weg ist länger und man braucht einen guten Lehrer. Unsere Schule ist keine Einheitsschule. Den Weg zum Meister macht der Lehrer, der auch weiß, welches Lehrwerk gerade das richtige ist. Das ist eine Gabe, die ich bewundere: dass man junge Leute so binden kann, dass sie drei, vier Stunden am Tag üben. Das ist auch eine Lehrerqualität.

 

S: Bei den 46tastigen Instrumenten habe ich stark verfolgt, dass die Leute zu anderen Instrumenten  abgewandert sind, weil die Möglichkeiten ausgeschöpft waren. Seit es die 50Taster gibt, können sich mehr gute Spieler auch dafür begeistern, bei der Harmonika zu bleiben. Ich schreibe auch viel Literatur für die große Harmonika, um die Möglichkeiten aufzuzeigen. Das ist ein Lernprozess, der nie aufhört.

 

M: Das ist ja grundsätzlich so, mit dem Lernen. Ich hab viel Scheiss gemacht in meinem Leben, aber diese Entwicklung hab ich gebraucht. Ich habe eine Zeit lang über jeden geschimpft, der über mich geschimpft hat. Heute gönne ich jedem seinen Erfolg, sage aber auch oft Dinge, die unbequem sind. Meine Haltung zur Schlagerindustrie zum Beispiel muss ich loswerden, weil ich Musikerzieher bin. Und wenn die Leute mir heute beim Seminar erklären, dass sie „Atemlos“ von Helene Fischer spielen wollen, dann muss ich mich rühren. Dann muss ich meine Meinung sagen.

 

HW: Was wäre Euer Wunsch für die Diatonische – für die Zukunft des Instruments?

M: Ich würde mir wünschen, dass es eine einheitliche steirische Harmonika gibt.

S: Ich auch! Ich arbeite auch daran. Bei mir gibt es nur ein System, mit dem man alles spielen kann.

M: Ich habe eigentlich nichts anderes getan, als ein ganz normales steirisches System mit zwei Halbtönen auszurüsten. Mit dem kann man alle meine Lehrbücher lernen. Das kann eine ganz alte dreireihige Harmonika sein. Dann hab ich das Mollsystem von Novak, das der immer schon gebaut hat, auf Zug übernommen. Die zwei Halbtöne hab ich mir abgeschaut von den Weltmeisterschaften. Das ist nicht mein Michlbauersystem, auch wenn es so heißt. Das habe nicht ich erfunden, ich habe mir nur damals gedacht: wenn die das spielen können, muss man alles darauf spielen können.

Mir wäre es ganz wurscht, wie eine einheitliche Harmonika aussieht. Ich bin auch für einen Glauben auf der Welt. Ich bin Katholik, wenn es aber zum Weltfrieden beitragen würde, dass ich Moslem werde, würde ich nachgeben. Eine Einigung würde das ganze viel einfacher machen.

Alles, was extrem ist, ist schlecht. Auch in der Musik.

 

Dieter Schaborak ist staatlich anerkannter Musiklehrer. Er betätigt sich als Musikpädagoge, Komponist und vor allem auch als Griffschriftnotist für die Steirische Harmonika.
Er ist der geistige Vater der "Großen Harmonika" mit 50 Diskant- und 21 Basstasten, deren Tastaturbelegung er bereits 1991 als das inzwischen allseits bekannte System Schaborak - tonal und akkordisch - fertiggestellt hatte. 1998 bekam er als erster von der Fa. Georg Öllerer den Prototyp seines Modells gebaut, das in dieser großen Ausführung seit Jahren ebenfalls von anderen namhaften Herstellern angeboten wird. Ausschlaggebend für den Erfolg der großen Harmonika war vor allem das Bereitstellen des Notenmaterials in Form klassischer Bearbeitungen, die nun original spielbar sind sowie vieler neuer Stücke, wie sie auf der Doppel-CD "Vo ganz tiaf drinna" zu hören sind.
Er ist sowohl in der klassischen als auch in der bayerischen Volksmusik zuhause, viele seiner Stücke sind auch von der böhmischen Seele geprägt, denn seine familiären Wurzeln liegen in Probitz (Südmähren). Zu diesen Stücken sind auch die Griffschrift-Ausgaben erhältlich - zu finden unter der Webseite: www.ziachnoten.de

 

Florian "Michlbauer" Danter wurde 1956 in Weyregg am Attersee geboren. Das Singen und Musizieren hatte in der Familie Michlbauer immer schon Tradition. Seine musikalischen Eltern auf dem Michlbauerhof erkennen sehr bald sein außergewöhnlich gutes Gehör und Improvisationstalent. Zu seinem 8. Geburtstag schenken sie ihm ein Akkordeon. 1992 gelingt ihm der Durchbruch auf der Steirischen Harmonika. Er veröffentlicht sein erstes Lernvideo mit Lehrbuch. In den Jahren darauf wird die Technik ausgebaut und weiterentwickelt, 1996 eröffnet die Musikschule “Florineum”.

Heute ist seine Lernmethode im gesamten deutschsprachigen Europa verbreitet. Seit 1992 sind an die 2.000 Titel auf CD aufgenommen und über 100 verschiedene Noten- und Spielhefte produziert worden.

Aus "Harmonikawelt #19 / September 2016