Jetzt zum Newsletter anmelden!

Sichern Sie sich einen Gutscheincode über 5 Euro, den Sie bei Ihrem nächsten Einkauf im fortes medien Musikmagazin-Shop, ab 20 Euro Warenwert, einlösen können.

Abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter und verpassen Sie keine Aktionen und Neuigkeiten mehr.

Bitte geben Sie eine gültige eMail-Adresse ein.

Wenn alte Noten erzählen könnten...

Wenn alte Noten erzählen könnten…

Sucht man nach alten überlieferten Noten im Bereich der Volksmusik, so wird man meist erst in der Zeit nach 1800 fündig. Zuvor wurde wohl das allermeiste mündlich und ohne Aufzeichnungen weitergegeben, denn viele einfache Tanzmusikanten konnten ­wahrscheinlich überhaupt nicht Noten lesen – das war »besseren« Musikern vorbehalten. Was auf den bäuerlichen Tanzböden gespielt wurde, spielte für die gut ausgebildeten Berufsmusiker zunächst wohl kaum eine Rolle.

Text: Dominik Harrer

Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert änderte sich die Situation, gut nachvollziehbar an einem Beispiel aus Eichstätt:

Dort gab es am fürstbischöflichen Hof eine eigene Hofkapelle, ein Orchester, das 1792 immerhin aus 25 Berufsmusikern bestand. Im Zuge der Säkularisation in Bayern wurde die Eichstätter Hofkapelle im November 1802 aufgelöst – die Musiker waren damit arbeitslos. Einige von ihnen kamen zunächst in der Salzburger Hofkapelle bei Michael Haydn unter, andere blieben in Eichstätt und verdingten sich in der Dommusik, als Musiklehrer und sicher auch als Gelegenheitsmusiker. Nun spielten sie auch zum Tanz bei verschiedenen Gelegenheiten für Eichstätter Bürger auf.
Weil sie es gewohnt waren, nach Noten zu spielen, schrieben sie ihre Melodien auf. Je nach Anlass wurden die Stücke für verschiedene Besetzungen eingerichtet: Einmal nur als Streichtrio mit zwei Geigen und Bass, ein andermal als durchaus repräsentative Besetzung mit Flöte, Klarinette, 2 Hörnern, 2 Geigen, Bass und Trommel. Die Tänze sind handschriftlich und oft ohne Angabe eines Komponisten überliefert. Stellvertretend sei der ehemalige Hofmusiker Joseph Michael Zink (1758 –​1829) genannt: Um 1820 wurden von ihm 88 Tänze für Flöte, 2 Klarinetten, 2 Hörner, Violine Solo, 2 Violinen und Bass eingerichtet.
Dass diese Noten überhaupt der Nachwelt erhalten blieben, verdanken wir dem Eichstätter Geistlichen und Musikgelehrten Raymund Schlecht (1811 –​1891). Er hatte in seiner Jugend Musikunterricht beim ehemaligen Hofmusiker Franz de Paula Sutor erhalten und in späteren Jahren eine umfangreiche Musikbibliothek aufgebaut, in die auch der Nachlass seines Schulkameraden Johann Georg Steger einfloss (Steger war mit dem o. g. Hofmusiker J. M. Zink bekannt gewesen).
Neben vielen historischen Drucken waren ihm die Notenhandschriften besonders wichtig, egal ob sie klassische Musik zum Inhalt hatten oder eben Tanzmusik. Der Nachlass Schlecht ist Eigentum des Eichstätter Domkapitels und wird heute in der Handschriftenabteilung der Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt aufbewahrt (Signatur Esl)....

weiter geht`s in zwiefach 02-2020

oder in der digitalen Ausgabe

Über den Autor
Dominik Harrer ist Kreisheimatpfleger des Landkreises Eichstätt. Mit dem Festival mittendrin holt er mittlerweile alle zwei Jahre die singende, klingende und tanzende Volksmusikszene in seine Heimatstatt. Und er ist natürlich selbst höchst aktiv als Musikant.