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Die Tarantella – der Tarantel-​Tanz

Die Tarantella – der Tarantel-​Tanz

Ein Ausflug in die italienische Volksmusik

Text: Armin Weinfurter Illustration: Rupert Hörbst

Die Tarantella verbreitete sich als Volkstanz im 19. Jahrhundert europaweit als Markenzeichen für Süditalien und Sizilien schlechthin. Viele dieser Markenzeichen fanden auch jenseits der Musik ihren Eingang in die Alltagskultur. Kaum ein lauer Abend, an dem nicht in Betracht gezogen wird, Pizza und Pasta zu essen, kaum ein heißer Sommertag an dem die Kinder nicht nach ihrem heiß geliebten gelato verlangen. Die Sehnsucht nach dem unbeschwerten dolce vita, dessen wahre Bedeutung man vermutlich nur ergründen kann, wenn man selbst einige Jahre in Italien gelebt hat, ist nicht nur in Zeiten eingeschränkter Reisemöglichkeiten präsent. Aber auch in der Mehrzahl von Musikbegriffen, sogenannter Vortragsbezeichnungen, für Geschwindigkeit, Lautstärke, Ausdruck und Spieltechnik zeigt sich der prägende Einfluss des Italiens des 17. Jahrhunderts. Eine wörtliche Übersetzung von »tarantella« bedeutet so viel wie »kleine Tarantel« und ist in ihrem Wortstamm ursprünglich auf die süditalienische Stadt Tarent zurückzuführen. Die Theorie, dass allein Tanz und Musik der Tarantella in der Lage waren, das Gift der Tarantel aus dem menschlichen Körper zu vertreiben, war fest im Glauben des 17. Jahrhunderts verwurzelt.

Tanzmusik als Heilmittel

Zahlreiche Geschichten und Mythen ranken sich um den ausgelassenen Spinnentanz. Wurde das Opfer einmal gebissen, bedeutete dies einigen Quellen zufolge oft eine lebenslange Verbindung zur Spinne. Einmal gebissen, konnte angeblich nur das Singen und Tanzen der Tarantella Linderung und Heilung verschaffen. Aus diesem Grund wurden im 17. Jahrhundert »therapeutische Musikanten« öffentlich besoldet. Sie sollten Charakter und Verhaltensweisen von Spinnen erforschen, welche dann in der jeweiligen Musizierweise der heilkräftigen Tarantella ihren Niederschlag finden sollten. Selbstverständlich konnte die Tarantella nur dann ihre heilende Wirkung entfalten, wenn sie dem Charakter der Spinne entsprechend gespielt und getanzt wurde.

Aus dem Kalabrien des späten 16. Jahrhunderts stammt das Stück Cicerenella (sprich Tschitscherenella) und gilt als »klassisches« Beispiel für eine schnelle und ausgelassene sizilianische Tarantella. Das Tanzlied beschreibt im Original die zahlreichen Erlebnisse und Abendteuer eines Mädchens, Kosename Cicerenella (wörtlich übersetzt von ital. Piccolo cece, kleine Kichererbse). Dem ursprünglichen Text zu Folge kann man sich Cicerenella als eine Art Party-​Girl des 16. Jahrhunderts vorstellen. Sie isst, trinkt, tanzt und feiert auf vielfältigste Art und Weise.

Umsetzung

Bei der Vorstellung, wie so ein Wildfang wohl auszusehen hat, sind bei der Einstudierung keine Grenzen gesetzt. Dies kann von kreativen Zeichnungen, einer bestimmten Haltung beim Singen, bis hin zu Verkleidungen, oder kurzen schauspielerischen Einlagen zu der jeweiligen Strophe erfolgen. So können beispielsweise die einzelnen Silben im Refrain in stolzer und selbstbewusster Körperhaltung laut gesungen, bzw. die Vokale laut gerufen werden. Sollte die Aussprache des italienischen Refrains Schwierigkeiten bereiten, ist eine probate Übung zwischen dem zunächst schwierigen Namen und dem Rest des Refrains hin- und herzuwechseln. Beispielsweise sprechen die Kinder laut und langsam den Namen Tschitscherenella – der Lehrer ergänzt den Rest des Refrains. Werden die Kinder in der Aussprache sicherer, können die Rollen getauscht werden, sodass alle Sänger die richtige Aussprache trotzdem hören. Schließlich können alle den kompletten Refrain sprechen und letztlich singen. In dieser Art Spiel kann auch gut die Einstudierung der ersten Strophe, im Wechsel mit dem ja nun bekannten Refrain, erfolgen.

Die Strophe kann ohne Verlust des Charakters zunächst auch ohne Weiteres gesprochen werden. Die exakten Tonhöhen zu treffen, ist beim gemeinsamen Musizieren und Tanzen auch hier nur Nebensache, solange feuriges Temperament und Energie stimmen.
Beim Einstudieren mehrerer Strophen erleichtert dann die entsprechende Tanzbewegung, bzw. der entsprechende Tonfall beim Sprechen und Singen das Auswendig-​Lernen ungemein (vgl. Tabelle). Zudem sorgt die zunehmende Zahl der Bewegungen im nach und nach höheren Tempo für die richtige Laune und Atmosphäre.
Mit besonders kreativen oder höheren Jahrgangsstufen können die Strophen, bzw. die Geschichte der Cicerenella, beliebig erweitert und fortgeführt werden.

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