Kaffeehausmusik!

Der Begriff Kaffeehausmusik begegnet Musikerinnen und Musikern, die in der Unterhaltungsmusik aktiv sind, sowie den Menschen, die dieser Musik gerne lauschen. Bei einer Tasse mit dem schwarzen, dampfenden Getränk, dazu die neueste Tageslektüre, und alles in besonderer, einzigartiger Atmosphäre. Doch was ist Kaffeehausmusik eigentlich? Ist das eine eigene Musikrichtung, oder Gattung und woher kommt das mit dem Kaffee und der dazugehörigen Musik? Dem gehen wir nun auf den Grund.

Text: Leonhard Meixner  Fotos: Sammlung Café Luitpold, Sammlung Bergner und Eisold, Elisa Singer, Wolfgang Gschwendtner

Das Österreichische Musiklexikon online beschreibt den Terminus Kaffeehausmusik wie folgt: »Live-Musik, die im Kaffeehaus mit Klavier oder in kleiner Besetzung unaufdringlich dargeboten wird. Nicht eigens dafür komponiert, sondern aus verschiedenen Gattungen kompiliert, gelten als Auswahlkriterien stilistische und emotionale Eignung sowie Popularität.«

Der Ursprung der Kaffeehausmusik liegt im Wien des 19. Jahrhunderts. Mitte des 18. Jahrhunderts hatten Kaffeehäuser in der österreichischen Hauptstadt noch wenig mit der noblen Atmosphäre der Wiener Kaffeehäuser zu tun, wie sie dann zur überregionalen Marke geworden sind. Die frühen Kaffeehäuser hatten noch nicht den Charme und das fein-herrschaftliche Flair, für das sie später berühmt sind. Welche Bedeutung Kaffeehäuser entwickelten, beschrieb der Wiener Schriftsteller Friedrich Torberg in Das Wiener Kaffeehaus: »Im Kaffeehaus wurden literarische Schulen und Stile geboren und verworfen, vom Kaffeehaus nahmen neue Richtungen der Malerei, der Musik, der Architektur ihren Ausgang.«

Edle Ausstattung in bemerkenswerten Räumen

Die endgültige Form des Wiener Kaffeehauses entstand in der sogenannten Ringstraßenzeit (1857–1914). Im Jahr 1857 wurden nach Anordnung von Kaiser Franz Joseph die Stadtmauern beseitigt und die Ringstraße errichtet. Ein Prachtboulevard rund um die Wiener Innenstadt, gesäumt von repräsentativen Gebäuden und Parks. In diese Zeit fiel der Aufstieg des Großbürgertums: Die Welt, des Sehens und Gesehen-Werdens entstand. Dies verdeutlicht sich auch in der Architektur der Wiener Kaffeehäuser; in attraktiver Ecklage gelegen war (Re-)Präsentation möglich. Edle Marmortische, Polstermöbel, Samtvorhänge, Kronleuchter und Kaffeehausleuchten zeugen genauso wie die extreme Raumhöhe und Gewölbe von dem großbürgerlichen Zeitgeschmack. Die Kunst- und Kulturszene, die sich in den Kaffeehäusern versammelte, war auf dem Höhepunkt angekommen. Kein Wunder, dass die Wiener Kaffeehäuser als Treffpunkt der Literaten berühmt geworden sind.

Die Musik, weder aufdringlich, noch laut

Die Musik, welche in den Kaffeehäusern dargeboten wurde, durfte nicht aufdringlich und nicht zu laut sein. Es war eine Hintergrundmusik, die jedoch auf jedem Platz hörbar war. Kaffeehausmusik sollte Wohlbehagen suggerieren. Die Besetzung musste klein sein, da das Platzangebot für die Musizierenden sehr begrenzt war und man dadurch auch nicht zu laut musizierte. Ein weiterer Grund für die kleinen Ensembles war, dass der Café-Betreiber selbstverständlich keine hohe Gage für große Kapellen zahlen konnte oder wollte. Dieser Punkt hat sich zumindest bis heute in Cafés und Wirtshäusern nicht geändert. Typische Kaffeehausbesetzungen waren ein Solo-Klavier oder ein kleineres Ensemble mit Streichinstrumenten. Gitarre und Holzblasinstrumente kamen hinzu. Später gab es auch Ensembles mit Akkordeon und in jüngster Zeit auch teilweise mit Schlagzeug, was aber dann eher dem Zweck der Tanztee-Unterhaltung diente. Von der Solo-Darbietung bis zum kleinen Salonorchester sind und waren den räumlichen und thematischen Umständen entsprechend verschiedenste Besetzungsgrößen zu finden.

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