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Die Tuba - Teil 1

Die Tuba

Teil 1

Text: Elmar Walter, Fotos: Archiv Elmar Walter, Buffet-Crampon

Die Bass- und Kontrabasstuba

Wer kennt sie nicht, die Bilder vom »typisch bayerischen Musikanten«, wie sie zuhauf auf den Postkartenständern der Landeshauptstadt München zu finden sind – bzw. vor Corona-​Zeiten zu finden waren: Ein langbebarteter, lederbehoster, wohl behüteter bayerischer Musikant mit jenem Instrument ausgestattet, das als Inbegriff von Gemütlichkeit, Tradition und »Bayern« gilt: Die Tuba!

Wer erinnert sich nicht an die ZDF-​Serie Königlich Bayerisches Amtsgericht nach einer Idee von Georg Lohmeier, wo Gustl Bayrhammer am Schluss – übrigens nach einem markanten Tuba-​Solo – so treffend zusammenfasst: »Das Leben geht weiter. Ob Freispruch oder Zuchthaus. Und auf die Guillotine hat unser Herr Rat eh niemanden geschickt. Eine liebe Zeit, trotz der Vorkommnisse. Menschlich halt.«
All das könnte den Eindruck erwecken, die Tuba wäre quasi in Bayern auf die Welt gekommen. Dabei könnte der Schein nicht ärger trügen: Die Tuba ist wohl eines der preußischsten Instrumente überhaupt! Und ein Paradebeispiel dafür, wie sich die Wahrnehmung eines Instruments innerhalb weniger Jahrhunderte verändert hat.
Grundsätzlich ist heute zwischen der Basstuba in den Grundstimmungen F oder Es und der Kontrabasstuba in den Grundstimmungen C oder B zu unterscheiden. Im deutschsprachigen Raum sind hauptsächlich F und B-​Tuben verbreitet, während ansonsten die C-​Tuba und in den Benelux-​Staaten zudem die Es-​Tuba enorme Verbreitung gefunden hat. Zunächst sei aber ein Blick in die Geschichtsbücher geworfen:

Vorläufer und konkurrierende Erfindungen

Zu den mittelbaren ventillosen Vorläufern der heutigen Tuba gehört die tuba curva, die auf Anregung des damaligen Direktors des Conservatoire de Musique in Paris, Bernard Sarrette (1756 – 1858) für die Revolutionsfeierlichkeiten im Jahre 1791 gebaut und den auf dem Trajansbogen in Rom (113 n. Chr.) abgebildeten Instrumenten nachgebildet worden war. Dabei handelte es sich um ca. 2,30 m lange, bogenförmig gekrümmte Blechblasinstrumente ohne Klappen oder Ventile mit einem besonders starken Klang. Die musikalischen Einsatzmöglichkeiten waren jedoch äußerst begrenzt, da der Tonvorrat nicht über die untersten Naturtöne hinausreichte. Sie wurden fast ausschließlich in der revolutionären Freiluftmusik verwendet, denn nur wenige Komponisten setzten sie auch in anderen Werken ein.

Das Verhältnis der Tubainstrumente zur Ophikleide, die zumindest in Frankreich bis um 1900 etwa in Gebrauch blieb, ist durch eine bemerkenswerte terminologische Verwirrung gekennzeichnet: So wurde in Deutschland einerseits um 1820 die gewöhnliche, mit Klappen versehene Ophikleide auch als Bombardon bzw. Bombardone bezeichnet, und damit ein Terminus verwendet, der in Italien schon früher als Benennung für Grifflochhörner in tiefer Lage (z. B. dem Serpent) nachgewiesen ist. Später ging diese Bezeichnung auf Ophikleiden, die anstelle der Klappen mit Ventilen versehen waren, über. Andererseits baute Wenzel Riedl in Wien bereits 1829 Bombardons in F nach dem Vorbild der Ophikleide, zunächst mit zwei, ab 1833 dann mit zwei bis vier Ventilen. Diese »Ventilbässe« wurden häufig als Ventilophikleiden bzw. in Bayern als Ophigleide (sic!) mit Walzen bezeichnet. Auch die Bezeichnung »Chromatisches Basshorn« ist belegt. Weder in der Instrumentationslehre von Hector Berlioz, noch in einschlägigen Partituren finden sich jedoch konkrete Hinweise darauf, ob mit dem Terminus Ophikleide um 1840 Modelle mit oder ohne Ventile gemeint waren.
Wenzel Riedl baute erstmals 1829 ein Ventilinstrument nach dem Vorbild der Ophikleide, das er Bombardon nannte. Auch Leopold Uhlmann (1806 – 1878) führte seit 1835 derartige Instrumente unter dieser Bezeichnung. Zwischen 1830 und 1860 wurden eng mensurierte Ventilophikleiden vielfach als Bombardons bezeichnet. Nach der Erfindung der Basstuba erweiterte man die Mensur des Bombardons allmählich, so dass man ab ca. 1860 unter dem Begriff Bombardon weitmensurierte, cornoide (hornartige) Ventilbassinstrumente im Gegensatz zu den weitmensurierten, aber tromboiden (trompetenartigen) Tuben verstand. Besonders in Süddeutschland war noch nach 1900 der Terminus »Bombardon« als Bezeichnung für die Bass- oder Kontrabasstuba geläufig, während die Instrumente in Österreich seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts meist Tuba genannt wurden.
Der Ton dieser weitmensurierten Bombardons, die insbesondere in der Militärmusik Verwendung fanden, war besonders kräftig und tragfähig, galt jedoch im Vergleich zu jenem der Tuba als weniger nobel. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hielt man an dieser Unterscheidung fest, wobei als Instrument im Orchester die Tuba, in den Blaskapellen hingegen das Bombardon bevorzugt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg vermischten sich die Grenzen zwischen beiden Instrumentengruppen zunehmend, die Mensuren wurden weitgehend angeglichen. Seit ca. 1930 findet nur noch die Bezeichnung »Tuba« Verwendung.
1843 erhielt Adolphe Sax ein Patent auf Blechblasinstrumente mit Ventilen, die er als Familie konzipiert hatte und eine flügelhornartige Mensur aufwiesen. Sax hatte sich nicht nur zum Ziel gesetzt, allen Instrumenten dieser Familie die gleiche Bauform zu geben, sondern überdies durch eine einheitliche Mensur das Ideal einer gleich bleibenden Klangfarbe über alle Register hinweg zu realisieren. Zur Verbesserung der Intonation brachte Sax einen beweglichen Stimmzug an und stattete auch die Sopraninstrumente mit einem vierten Ventil aus. Diese als »Saxhörner« bezeichneten Instrumente wurden zunächst vom Sopran in Es bis zum Kontrabass in Es und B gebaut und später um ein »petit saxhorn aigu« in B erweitert. Der Begriff »Saxhorn« bezog sich zwar auf Adolphe Sax, stammte jedoch nicht von ihm.
Im Jahr 1845 wurde eine von Adolphe Sax »Saxotromba« benannte Instrumentenfamilie patentiert die ebenfalls eine tubaähnliche, für alle Mitglieder der Familie (Soprano in Es bis Kontrabass) einheitliche Bauform erhielt. Alle Instrumente der Saxotromba-​Familie waren mit 3 Ventilen versehen. Saxotrombas und Saxhörner wurden in Frankreich und in Belgien, insbesondere in der Militärmusik und in zivilen Blasmusikkapellen häufig eingesetzt und in größeren Stückzahlen gebaut. In anderen Ländern beschränkte man sich hingegen lediglich auf die Modelle in Tenor- und Basslage.
1849 ließ sich Adolphe Sax noch ein Blechblasinstrument, bzw. eine ganze Instrumentenfamilie patentieren, die später ebenfalls nach ihm benannt wurde: Die Saxtuba oder Saxotuba. Auch hier reichte die Spanne vom Sopranino in B bis zum Kontrabass in B, alle Instrumente waren mit jeweils drei Ventilen ausgestattet. Hatte Sax bei den zuvor genannten Instrumenten ausdrücklich auf deren Neuartigkeit hingewiesen, die u. a. in der bis dahin völlig unüblichen einheitlichen Formgebung in allen Tonlagen zum Ausdruck kam, so orientierte er sich bei der Schaffung der Saxtuba-​Familie an historischen Vorbildern, wie beispielsweise der tuba curva. Erstmals wich er dabei von seinem Ideal der Formgebung ab, denn die Saxotubas der Sopran- und Altlage waren analog zur Tuba gerade gebaut, jene in Tenor- und Basslage nach dem Vorbild der tuba curva und der buccina gewunden, und zwar so, dass der Schalltrichter über die Schulter des Bläsers nach vorn gerichtet war. Damit knüpfte Sax ganz bewusst an die Tradition der Freiluftinstrumente zur Zeit der Revolution an. Vermutlich nicht zuletzt aufgrund ihrer ungewöhnlichen Lautstärke blieb die Verwendung in der Kunstmusik auf wenige Einsätze beschränkt und bezogen sich auf ein entsprechendes Ambiente und die Darstellung der Antike. Im Unterschied zu Saxhörnern und Saxotrombas wurden Saxtubas in der Praxis nur selten verwendet, obwohl beispielsweise die Saxtuba ihrer Zeit weit voraus war und eine ähnliche Mensur wie die moderne Basstuba aufwies.

Die Basstuba

Die ersten Ventilbässe lehnten sich in vielfacher Hinsicht besonders eng an die Ophikleide an. Da sie eine enge Mensur hatten und nur über drei Ventile verfügten, war es unmöglich, die Lücke zwischen dem Grundton (F1) und dem zweiten Naturton (F) auszufüllen. Nutzbar war daher im Wesentlichen der Tonraum ab F, bestenfalls ließ sich dieser Ton um maximal sechs Halbtonstufen bis zum H1 vertiefen. Daher strebte der preußische Gardemusikdirektor Wilhelm Friedrich Wieprecht gemeinsam mit dem Berliner Hofinstrumentenbauer Johann Gottfried Moritz die Konstruktion eines Instrumentes an, das bis zum Grundton melodisch eingesetzt werden konnte. Gegen 1835, wahrscheinlich aber früher (ca. 1834) konstruierten Wieprecht und Moritz ein weitmensuriertes Ventilkornett in der Basslage, das den Namen »Basstuba« erhielt und erstmalig am 27. Februar 1835 offiziell im 2. Garde-​Infanterieregiment in Berlin eingeführt wurde. Wegen seiner Größe und seines Gewichtes konnte dieses Instrument nicht, wie Trompeten, Kornetts oder Flügelhörner, mit nach vorne gerichtetem Schalltrichter gespielt werden, sondern es musste, wie das Fagott, das Basshorn und die Ophikleide, mit dem Schallstück nach oben, also vertikal gehalten werden. Deshalb musste das Mundrohr, auf das das Mundstück aufgesteckt wurde, in der Nähe des Schallstücks um 90 Grad von der Längsachse des Instrumentes weg, also zum Spieler gebogen und angebracht werden.

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