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...und wie ist's mit dem Rücken?

...und wie ist's mit dem Rücken?

Selbst die leichteste Harmonika wiegt um die sechs Kilo. Eine ziemliche Belastung für Rücken- und Schulterpartie des Spielers! Wir haben darüber gesprochen, wie man mit dem Gewicht am besten umgehen kann  - mit ein paar Leuten, die sich gut auskennen.

Text und Interview: Eva Geiger-Haslbeck; Fotos: Matthias Aichner

Es wuselt beim Ziachseminar im Herbst in Altötting. Rund 50 Teilnehmer sind da, vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen. Allerhand verschiedene Harmonikas haben sie im Gepäck, von klein und kompakt bis groß und aufwändig. Ein gewisses Gewicht hat eine Harmonika nunmal – und wer nicht aufs Okarinaspielen umsteigen möchte, sollte lernen, damit umzugehen, damit der Rücken nicht überlastet wird. Wir haben uns vier der Referenten des Seminars geschnappt und sie gefragt, wie sie es selbst so handhaben mit Spielhaltung und Gewichtsverteilung. Hans Schröpfer, Hubert Neumüller, Helmut Gutleder und Heinrich Albrecht sind dabei oft, aber nicht immer einer Meinung. Ein Riemen? Zwei Riemen? Darüber wird diskutiert. Einig sind sich alle: wer seinen Rücken schonen möchte, setzt sich zum Spielen besser hin. So die Einschätzung unserer vier Experten – hier in der Reihenfolge, in der sie uns in Altötting über den Weg gelaufen sind. Für die Abbildungen ist teilweise die Autorin dieses Textes Modell gesessen, unter strenger Anleitung des harmonikabewanderten Fotografen und hoffentlich mit guter Haltung.

 

Hans Schröpfer

Hans Schröpfer wurde 1970 in Wien geboren und hat als musikalische Basis in seiner Jugendzeit eine Klavierausbildung genossen. Die Kenntnisse und Fähigkeiten im Spiel der steirischen Harmonika hat er sich daraufhin autodidaktisch angeeignet, das Wissen über das Instrument und die Musik gibt er seit Jahren bei diversen Seminaren und auch im Privatunterricht weiter. Seine Liebe gilt der traditionellen Volksmusik genau so wie anderen Stilen und Musikrichtungen, wobei immer das Gefühl und der musikalische Gesamteindruck im Vordergrund stehen.

Ich spiele eigentlich immer im Sitzen, damit das Gewicht der Harmonika nicht auf den Schultern liegt - weil das auf lange Sicht sehr unangenehm ist und obendrein schlecht für den Rücken. Auch im Sitzen schaue ich, dass das Gewicht der Harmonika auf den Oberschenkeln liegt – vorzugsweise auf dem linken Bein. Dann ist es für mich ganz wichtig, dass ich mit dem Instrument eine Verbindung habe. Das bedeutet nicht nur, dass das Gewicht »weg« ist, sondern dass das Instrument mit mir jede Bewegung mitmacht.

Ich spiele mit nur einem Riemen, der wird durch die Position der Harmonika gespannt. Durch die Bewegung mit meinem Schultergürtel beim Spielen wird die Harmonika mit mir eine geschlossene Einheit, ich spüre das Instrument. Ich bin kein Freund vom Spielen mit zwei Riemen, erst recht nicht mit Rückenverbinder – das schafft für mich eine ganz trügerische Sicherheit. Man glaubt, das Instrument ist fest vor dem Bauch, dabei wackelt es unwahrscheinlich. Weil eben der Bauch üblicherweise nicht die Form der Harmonika hat.

Beim Spielen mit einem Riemen wird das Instrument über die Balgführung stabilisiert. Auf Zug ist das ohnehin kein Problem, ich kann aber auch auf Druck den Riemen komplett runternehmen und so spielen. Weil es über die Balgführung funktioniert, dass die Harmonika nicht ausweicht. Die Kraft bei Zug und Druck geht bei mir genau in den rechten Oberschenkel,damit kann die Harmonika nirgends hin. Ich habe das Instrument so stark mit mir verspannt, dass ich seine Schwingungen spüre. Das ist auch insofern eine gute Haltung, weil das Instrument relativ weit links steht – die Wurzel des Griffstocks habe ich ungefähr in der Körpermitte. Dadurch ergibt sich, dass sich der Ellbogen nicht mehr als 90 Grad abbiegen muss, und die Hand ist gerade. Je weiter das Instrument rechts ist – und das wird umso mehr, wenn ich mit zwei Riemen spiele, denn da hängt es im Prinzip in der Mitte – ergibt sich auch automatisch, dass der Ellbogen stärker knickt und das Handgelenk abgeknickt wird. Das ist letztlich nicht gut für die Sehnenscheiden. Das Handgelenk sollte immer in einer einigermaßen entspannten Haltung sein. So schlafen einem auch die Finger nicht ein, weil der Blutfluss nicht gehemmt ist.

Wenn die Situation erfordert, dass ich im Stehen spielen muss, habe ich schon zwei Riemen am Instrument. Auf meinem großen Konzertinstrument, auf ich definitiv nur im Sitzen spiele, habe ich nur einen. Aber für die Tanzbegleitung habe ich das gleiche Instrument mit gleicher Stimmung in kleiner: weniger Bässe, weniger Diskanttasten und ein ganz leichtes Holz. Im Stehen lässt es sich einfach nicht vermeiden, dass das Gewicht auf den Schultern liegt. Da merkt man dann das Eigengewicht des Instrument.

 

Hubert Neumüller

Hubert Neumüller wurde 1978 in Rosenheim geboren. Nach einer volksmusikalisch hochaktiven Kindheit entschied er sich für die Laufbahn als Instrumentenbauer. Schon vor seiner Lehre führte ihn ein Berufspraktikum in die Klavierbauwerkstatt Schadhauser in Altenmarkt. Im Rahmen seiner Facharbeit baute er bei der Firma Jamnik in der Südsteiermark selbst eine Steirische Harmonika. Letztlich fiel seine Wahl auf die Zupfinstrumente: Hubert Neumüller hat seit vielen Jahren gemeinsam mit seiner Frau Katharina, Geigenbauerin, eine Werkstatt für Zupfinstrumentenbau in Lenggries. Sein  Schwerpunkt liegt in der Herstellung von akustischen Gitarren. Sein Spezialgebiet ist der Bau und die Restauration von Kontragitarren in der überlieferten Wiener Bauform. Und auch die Steirische beschäftigt ihn nach wie vor: als Lehrer bei zahlreichen Seminaren sowie als Musiker bei verschiedenen Formationen, zum Beispiel der Sunnseitn Tanzlmusik.

Ich kann mich den Ausführungen von Hans Schröpfer schon sehr anschließen. Was ich außerdem finde ist, dass an mit einem Riemen freier spielen kann, weil man physisch nicht so »eingespannt« ist in das Instrument. Ich bin besser verbunden, aber freier in meiner Bewegung. Wenn ich das Instrument ein bisschen weg vom Körper haben möchte, dann geht das – mit zwei Schulterriemen funktioniert das nicht. Mit einem Riemen kann ich die Harmonika auch mal ein bisschen nach vorne kippen, wenn ich möchte. Schließlich hängt die optimale Lage des Instruments ja auch von der Sitzposition ab: Ich habe ja nicht immer den gleichen Stuhl, der perfekt zu mir passt. Mal sitzt man weiter vorn und kippt vielleicht das Instrument etwas mehr, mal liegt es weiter an. Es ist sinnvoll, das Instrument entsprechend der Sitzposition anpassen zu können. Wenn man stundenlang spielt, möchte und muss man ja die die Lage ab und an verändern – da macht es Sinn, wenn das Instrument mitgeht. Mit zwei Riemen hat man darauf keinen Einfluss. Man ist relativ unfrei, vom körperlichen Ausdruck und auch emotional. Für mich fühlt sich die Harmonika an zwei Riemen ein wenig an wie ein Korsett, damit kann zumindest ich nicht locker und frei spielen. Ich habe schon Schüler gehabt, die darüber geklagt haben, dass sie nach einer halben Stunde spielen Rückenschmerzen bekommen. In dem Fall habe ich immer vorgeschlagen, es mit einem Riemen zu versuchen. Ungefähr drei viertel bleiben dann auch dabei – und viele, die sich umgewöhnt haben sagen mir, dass ihnen ab da nie mehr das Kreuz weh getan hat. Für mich langt das schon als Argument. Man ist einfach im Rücken entspannter. Man braucht aber auch ein bisschen, um die für einen selbst optimale Spielhaltung zu finden. Ich 0habe das Instrument zum Beispiel meistens recht nah am Körper, andere kippen es viel stärker nach vorn. Das hängt auch mit der eigenen Ergonomie zusammen, die einfach bei jedem Menschen unterschiedlich ist. Das muss man für sich ausprobieren.

Helmut Gutleder

Helmut Gutleder wurde 1976 in Purgstall/Erlauf in Niederösterreich geboren. Ab 1998 studierte er an der Universität Mozarteum Salzburg den Lehrgang für Alpenländische Volksmusik. 2002 machte er den Abschluss im Fach Diatonische Harmonika und Hackbrett, 2006 im Magisterstudiengang IGP 2 im Fach Diatonische Harmonika. Seit 2002 ist er Musiklehrer am Landesmusikschulwerk in Oberösterreich, schon seit 1995 ist er bei vielen Volksmusikseminaren in Österreich, Deutschland und Südtirol als Lehrer tätig. Darüber hinaus hat er zahlreiche Volksmusikstücke in Griffschriftnotation festgehalten. Helmut Gutleder beschäftigt sich intensiv mit dem Innenleben der Diatonischen, den Stimmzungen und ihrer Bearbeitung.

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