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Ganz eintauchen …

Ganz eintauchen …

Text und Fotos: Elmar Walter

Um Musik richtig begreifen zu können, um ihr Wesen und ihre Besonderheit kennenzulernen und zu ergründen, muss man sich auf das Abenteuer einlassen, ganz in sie einzutauchen. Mit der Seele, mit allen Gefühlen – und dabei sein Innerstes preisgeben.

Das ist zum einen genau das, was die Musik zu etwas ganz Besonderem macht, birgt aber zum anderen aber auch die Gefahr, verletzt zu werden – sei es durch die Reaktion des Publikums oder anders geäußerte Kritik. Taucht man aber ganz ein, eröffnen sich ganz andere, neue Welten: Emotionen werden freigesetzt, man erlebt wunderschöne, aber auch unendlich traurige Momente und wird sich manchmal der Gefahr durchaus bewusst, der man sich damit aussetzt. Vielleicht ist das mit ein Grund dafür, dass man Musikerinnen und Musikern gern eine gewisse Sensibilität attestiert.

Und vielleicht ist oder war es gerade diese Parallele, die mich auch an einer Sportart so ungemein fasziniert: dem Tauchen. Eintauchen in eine ganz andere Welt, in der sich wunderschöne und traurige Momente finden, in der man der Natur, aber auch sich selbst unglaublich nah ist. Eine Welt, in der man einige Minuten mit sich selbst und seinen Gedanken klarkommen muss, in der nur das Geräusch des Atemreglers und der Luftblasen existiert.

Vor einigen Jahren erfüllte ich mir einen Kindheitstraum und machte einen Tauchkurs – und zwar einen »richtigen«, bei dem man mit Atemluftflasche und Neoprenanzug eintaucht in die Tiefen des Ozeans. Auch wenn sich die Tiefen des Ozeans zunächst auf maximal 18 Meter beschränkten und die auf den Werbeanzeichen der Tauchverbände abgebildeten Taucherinnen und Taucher – allesamt sonnengebräunte, muskulöse Modeltypen mit perfekter Figur – weit und breit nicht zu sehen waren, so war es doch ein spannendes Abenteuer, auf das ich mich da einließ. Interessanterweise kam ich mir gar nicht so blöd vor mit meiner durchaus erkennbaren Vorliebe für bayerische Hausmannskost und entsprechende Getränke, denn ich war damit offenbar nicht allein und meine Ausrede war stets, ich würde die Dehnfähigkeit des Neoprenmaterials testen.

Natürlich gaben sich die Tauchlehrer mit dem bezeichnenden Namen Kniewasser auch alle Mühe, mich zunächst ins, dann unter und schließlich wieder heil aus dem Wasser zu bekommen. Das Ende vom Lied war, dass ich mich diesem Sport mit ähnlicher Hingabe und Energie widmete wie der Musik.

Da Tauchen ein Gemeinschaftssport ist, braucht man dazu einen Tauchpartner, einen Buddy, dem man vertrauen kann. Und das selbst dann, wenn man sich noch nicht lange und schon gar nicht gut kennt. Hier ist sie – die nächste Parallele zur Musik: Auch sie macht in der Gemeinschaft sehr viel mehr Freude. Das funktioniert umso besser, je mehr man sich »zusammenspielt«. Es kommt darauf an, zu merken, was der andere macht, es ist unabdingbar, aufeinander zu achten.

Vertrauen braucht es, sowohl beim gemeinsamen Tauchen wie auch beim gemeinsamen Musizieren. Da verschwimmen soziale Unterschiede und hier wie dort ist man schnell per »Du«. Zugegeben, das mag manchmal etwas oberflächlich sein, aber es schafft Nähe und Vertrauen. Als Einzelgänger oder »Grantler« kommt man da nicht weit – weder in der Musik noch beim Tauchen.

Das Wunderbare und Schöne an der Musik sind die Klänge, die dabei entstehen. Akkorde klingen konsonant oder dissonant oder lösen sich entsprechend auf. Alles ist im Fluss und Gegensätze bereichern sie – laut und leise, schnell und langsam, hart und weich. Und doch bewegt es sich stetig fort, entwickelt sich und immerfort entsteht etwas Neues. Keine Aufführung ist wie die andere, jeder Ton ist anders.

Beim Tauchen ist das ähnlich. Auch hier ist alles im Fluss und voller Gegensätze. Das Wasser verändert stetig alles, es verändert sich der Grund, die Meeresbewohner tun ihr Übriges dazu. Jeder Tauchgang ist anders – ist auf seine Weise neu.

Und doch gibt es einen markanten Unterschied: Die unglaubliche Ruhe. Beim Tauchen ist alles verlangsamt: Bewegungen sind langsamer und schwerfälliger, die Atmung ist gleichmäßig und ruhig und die einzigen Geräusche sind das stetige Atemgeräusch und das Blubbern der Luftblasen. Doch selbst das blendet das Gehirn nach einigen Minuten aus und man hat das Gefühl, in eine völlig andere Welt einzutauchen und kann sich dabei völlig entspannen – so ein Tauchgang kann durchaus meditative Züge annehmen.

Man kann weder das Eine noch das Andere mit Worten erklären. Musik muss man hören und das Tauchen muss man erleben, um zu verstehen, worum es geht. Man kann nicht erklären, wie sich »nass« anfühlt. Und auch nicht, wie laut »laut« ist. Man kann es zeigen, man kann Wasser auf der Haut spüren und man kann laut schreien, um zu demonstrieren, wie das gemeint ist. Aber es lässt sich nicht mit Worten beschreiben, wie es sich anfühlt.

Für mich persönlich ist das Tauchen faszinierend, wunderbar und Respekt einflößend zugleich. Die Natur und ihre Gewalten zu spüren, ihnen ausgeliefert zu sein ist ähnlich beeindruckend, wie ganz einzutauchen – in die Musik, in das Meer, oder ganz einfach in das Leben.