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Eine Wanderung durch »grüne« ­Schauplätze der Volksmusik

Historisch gewachsen, ­klischeebehaftet und als Ausgleich gesucht

Text: Johanna Trummer Fotos: Gerhard Eisenberger, Herbert Krienzer, Steirisches Volksliedwerk

 

Als »Universität der Volksmusik« bezeichnet Christian Hartl, Geschäftsführer des Steirischen Volksliedwerks, in der aktuellen Ausgabe der Vereinszeitschrift Der Vierzeiler[1] das Wirtshaus. Dort könne man sich in entspannter und anregender Atmosphäre ausprobieren, von anderen lernen und wieder andere unterhalten. Das Wirtshaus wird dabei zu einem wichtigen Schauplatz zwischenmenschlich-​musikalischer ­Begegnungen und Erfahrungen. Die Idee, volksmusikalisch im Freien, an der frischen Luft, im »Grünen« tätig zu werden, stellt dazu gewissermaßen einen Gegenpol dar. Ein Gegenpol, der gesellschaftlich anscheinend immer wieder in verschiedensten Epochen herbeigesehnt wird. Ein Gegenpol auch zum heute oft gängigen Konzertformat – in Konzertsälen oder Kulturzentren in meist formeller Atmosphäre.

 

Festivals brechen aus diesem Konzertrahmen oftmals aus und geben Musizierenden und Publikum die Möglichkeit, (Volks-)Musik in ungezwungener Stimmung zu präsentieren bzw. zu erleben und auf eine eigene Art und Weise miteinander in Kontakt zu treten. Während die Geschichte des Musikfestivals eng an außermusikalische – geistliche wie weltliche – Anlässe gebunden war und sich erst im 19. Jahrhundert davon löste[2], liegt der Fokus heute auf der Musik; wenn auch mittlerweile die Rahmenbedingungen, die zum individuellen Gesamtflair des jeweiligen Festivals beitragen, eine große Rolle spielen. Auffallend viele Volksmusikfestivals in Österreich finden im nördlichen Teil des Landes statt und fokussieren sich meist nicht auf Volksmusik im engeren Sinn, sondern binden diese in ein Konglomerat aus Weltmusik, Jazz, neuer Volksmusik und diversen »traditionellen« Musiken ein. Stellvertretend seien hier Wean hean (Wienerlied-​Festival, organisiert durch das Wiener Volksliedwerk), AufhOHRchen (Festival für Volksmusik und Volxmusik in Waidhofen an der Thaya), Glatt&Verkehrt (Festival für traditionelle und zeitgenössische ethnische Musik in Krems an der Donau), bodenst@ndig (Festival für neue Volksmusik in Salzburg), Schrammel.Klang.Festival (Festival für Schrammel- und Weltmusik im Waldviertel) und speziell für Blasmusik die Mid EUROPE (in Schladming) sowie das Woodstock der Blasmusik (in Ort im Innkreis) genannt.

Bei manchen davon wird tatsächlich mitten »im Grünen« musiziert; meist ist das Bild von der auf einer weitläufigen Wiese stehenden Gruppe, die spontan ihre Instrumente herausgeholt hat oder einen Jodler anstimmt aber einem (vielleicht ersehnten) Klischeebild oder effektvollem Marketing geschuldet.

Musizieren im Grünen – selbstverständlich, notwendig, ersehnt

Dabei gibt es Volksmusik im Freien wohl so lange, wie es Volksmusik überhaupt gibt. Beispiele dafür sind etwa Almrufe, Viehlockrufe, Jodler und Juchzer, die im historischen Kontext oftmals an bestimmte Funktionen im Alpenraum gebunden waren. »In der Zeit der Romantik wurde [die Alpenmusik] von der gebildeten Welt entdeckt, die gerade in den Alpen den Fortbestand ursprünglicher Lebens- und Denkweise vermutete.«[3], schreibt Gerlinde Haid im Österreichischen Musiklexikon – wodurch eine gewisse Sentimentalität und Suche nach Ursprünglichem deutlich wird.

Ein weiteres Beispiel bietet die Zeit des Biedermeier Anfang des 19. Jahrhunderts, in der sich viele Menschen ins Idyll und die private Abgeschiedenheit der Natur zurückzogen und in der sich damit einhergehend sogenannte Spazierstockinstrumente höchster Beliebtheit erfreuten, da sie »… es dem romantischen Wanderer ermöglichten, auf Natureindrücke wie das Erlebnis eines schönen Sonnenunterganges oder das nächtliche Flüstern der Bäume und den Gesang der Nachtigallen unmittelbar zu reagieren und seinen Gefühlen in musikalischer Form Ausdruck zu verleihen«[4], wie der Musikwissenschaftler Herbert Moeck schreibt.
Und als letztes Beispiel seien Blasmusikvereine genannt, die auf die bestehende Tradition der Militärmusikkapellen aufsetzten und sich durch das Erstarken des Bürgertums im 19. Jahrhundert herausbildeten[5]. Blasmusik war und ist zum einen – wie auch einige der zuvor genannten Gesangsformen – an bestimmte, oft kommunale oder religiöse, Ereignisse gebunden und kann somit als funktionale Musik gesehen werden. Gleichzeitig bestehen diese Vereine nur durch das Engagement unzähliger Einzelpersonen, deren Motivation neben Spaß am Musizieren und Kameradschaft bzw. Freundschaft oft auch im Ausgleich zu anderen Lebensbereichen besteht.

Wandern und Jodeln – die perfekte Verbindung

Auch heute suchen viele Menschen einen Ausgleich in der Natur und in der Musik. Eine perfekte Kombination dafür sind die vom Steirischen Volksliedwerk angebotenen Jodelwanderungen. Neben einigen »Jodeln im Grünen«-Terminen – sie werden, um das beste Wetter nutzen zu können, kurzfristig online bekannt gegeben –, bei denen kleine Jodel­wanderungen in und um Graz auf dem Programm stehen, finden sich im Jahresprogramm des Steirischen Volksliedwerks unter anderem zwei mehrtägige musikalische Erkundungstouren unter der Leitung von Nikola Laube, Herbert Krienzer und, bei einem der Kurse, Petra Preiß. Beim Kurs Jodelnd von Hütte zu Hütte (Anmeldung nicht mehr möglich) im Juli können Wander- und Singbegeisterte »[d]en Kopf frei bekommen, Emotionen in Klang verwandeln und hinausjodeln, Naturschönheiten bestaunen und auf der Hütte in geselliger Runde ein Rahmkoch löffeln.«[6] Der Kurs Wandern und Jodeln – Am Tor ins Gesäuse findet von 15.–18. August statt (Anmeldeschluss: 7. August) und hat zum Ziel »Almen und Berggipfel, aber auch die immateriellen Höhen und Tiefen der Jodler und Juchezer«[7] zu erklimmen.

Der Wunsch, in der freien Natur musikalisch aktiv zu werden oder der Musik anderer zu lauschen scheint die Menschen schon immer zu begleiten. Und gerade der Sommer – der ja vor der Tür steht – bietet dafür einige hervorragende Gelegenheiten.

 


 

  1. Der Vierzeiler 39/2 (2019), S. 3.
  2. Reinhard Kager, Art. »Festivals« in: Österreichisches Musiklexikon online, Zugriff: 13.05.2019, online abrufbar: http://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_F/Festival.xml.
  3. Gerlinde Haid †, Art. »Alpenmusik«, in: Österreichisches Musiklexikon online, Zugriff: 14.05.2019 , online abrufbar: http://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_A/Alpenmusik.xml.
  4. Zitiert nach: Höfel, Stefan: Musik im Handgepäck. Portable Musikinstrumente, in: Der Vierzeiler 39/1 (2019), S. 6 – 9.
  5. Vgl. Wolfgang Suppan
  6. So die Kursbeschreibung im Jahresprogramm 2019 des Steirischen Volksliedwerks sowie auf der Website: www.steirisches-​volksliedwerk.at/kurse_seminare.php.
  7. Siehe Kursbeschreibung (Jahresprogramm 2019/Website).
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