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Editorial 02-2019: Wo Volksmusik aus dem Rahmen fällt

»Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.«

Karl Valentin (1882 – 1948)

 

Liebe Sänger & Musikanten, liebe Leserinnen & Leser!

Ein Phänomen muss nicht unbedingt aus einem fremden Land stammen, um exotisch auf uns zu wirken. Und die Exotik muss auch nicht zwangsweise immer am Anfang einer Entwicklung stehen, sie kann durchaus auch den Schlusspunkt bilden. Interessant jedenfalls ist meist der gewisse Zauber, den fremdartig wirkende Erscheinungen oder Persönlichkeiten auf uns ausstrahlen.Auch im musikalischen Bereich gibts da jede Menge Beispiele. Mir fallen da etwa die vielen Trachtler und Musikanten ein, die bei uns quasi zum Ortsbild und zum Tagesgeschehen gehören, aber z. B. alljährlich bei ihren Auftritten in Berlin auf der Grünen Woche für viele Ohs und Ahs der Besucher in den Messehallen sorgen. Gerade mal 600 km Fahrt nach Norden reichen aus, um als »Wilder im eigenen Land« zu gelten – und das meine ich keinesfalls negativ. 

Mir gehen aber auch die Notenhandschriften bäuerlicher Musikanten aus dem 18. Jahrhundert durch den Kopf, deren Melodik uns teilweise inzwischen so fremd geworden ist, dass wir beim ersten Musizieren oder Anhören gar nicht glauben können, dass sie aus unserem Heimatort stammen. Die Fremdartigkeit der Melodien entführt uns in eine spannende Welt, die sich erst nach einiger Zeit erschließt.

Wie wird das eigentlich auf die Hörer gewirkt haben, als Tobi Reiser in den 1950er-Jahren mit seiner Stubnmusi die Wirtshaussäle und Konzertpodien eroberte? Der Zusammenklang und die Spielart der Instrumente war ja neu. Klang es fremd oder vertraut? Rund 65 Jahre später können wir uns in die Situation schon nicht mehr hineinversetzen, vielen gilt die Stubnmusi-Stilistik inzwischen als ursprünglichste Art der Volksmusikausübung.


Andere Instrumente haben es da deutlich schwerer, im volksmusikalischen Genre Fuß zu fassen: Das Saxofon etwa, das 1840 vom Belgier Adolphe Sax erfunden wurde und damit nur knapp zwei Jahrzehnte nach den Harmonikas das Licht der Welt erblickte, kämpft immer noch um seine Reputation. Noch ist unseren Ohren der Klang und unseren Augen der Anblick nicht vertraut genug, als dass wir beides kommentarlos akzeptieren könnten.

Fast kommentarlos verschwunden von unseren Tanzböden sind dagegen Schottisch, Mazurka, Galopp oder Polonaise. Wenn Musikanten sich heute neue Stücke ausdenken, dann sind es meist Walzer, Polkas oder Boarische. Die anderen Tanz- und Rhythmikformen scheinen verloren zu gehen. Kommen sie zukünftig auf die Rote Liste? Sind es schon Exoten?

Ich wünsche Ihnen einen schönen Auswärts und viel Freude beim Lesen, Singen und Musizieren Ihrer »zwiefach«!

Ihr Roland Pongratz

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