D’ Schlimpf im Dialektstreit

Womit wird eine Bierflasche geöffnet? Mit einem Korkenschlumpfa oder einem Schlumpfzoiga: Darüber streiten sich de Schlimpf in da Roudschlumpf und s’ Schlumpfkappal nicht wie normalerweise auf Hochdeutsch, sondern auf Bairisch. Übersetzt hat die Schlumpf-​Geschichte ein Waidler: Alexander List ist 19 Jahre alt und wohnt in Unternagelbach in der Gemeinde Kirchberg im Wald. Aktuell ist er im dritten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker. Rund vier Monate dauerte die Übersetzung der Original-​Geschichte aus dem Hochdeutschen ins Bairische. Die zweite Geschichte im Buch hat Sabrina Stangl aus Fürstenzell (Lkr. Passau) übersetzt.

Text: Andrea Neumeier Foto: Roland Pongratz

Im August 2021 hat Alexander List das Manuskript für das Schlumpf-​Buch beim Verlag abgegeben, seit November ist das Buch nun auf dem Markt. Auf ihn aufmerksam geworden ist Sascha Ehlert, der die Schlümpfe bereits ins Hessische übersetzt hat. Ehlert suchte nach einem Bayer für die Übersetzung ins Bairische. »Sie haben bewusst in Niederbayern gesucht und nicht etwa in München«, erzählt Alexander List. Schließlich sei das Bairische in Niederbayern noch sehr viel ausgeprägter als etwa in Oberbayern. Ganz so einfach war die Übersetzung für Sabrina und Alexander am Anfang nicht. Schließlich können sich Waidler und »de aus da Passauer Gegend« auch leidenschaftlich über Begrifflichkeit streiten. Während Sabrina zum Beispiel zu jetzt etz sagt, spricht es Alexander als aitz aus. »Ein Bodenmaiser hätte die Geschichte wahrscheinlich wieder anders übersetzt«, meint Alexander List. Doch das mache das Bairische schließlich so einzigartig.

Sabrina und er haben sich bei ihrer Übersetzung immer wieder abgesprochen und sich auf bestimmte Begriffe und Schreibweisen geeinigt, damit das Bairische im Buch auch eine gewisse Einheitlichkeit hat. Auch privat ist Alexander List schon seit seiner Kindheit ein Schlümpfe-​Fan. »Ich hab sie früher immer mit meinem Opa geschaut«, erinnert sich der 19-​Jährige. Sein Lieblingsschlumpf ist Hefti – der sportliche Schlumpf. Immerhin hat Alexander List auch viele Jahre Fußball gespielt und macht heute noch gerne Sport.

Memes!?

Wenn Alexander List nicht gerade arbeitet oder sich mit Freunden trifft, schreibt und gestaltet er Memes auf Bairisch und veröffentlicht sie auf der Insta­gram-​Seite Woidmeme. Über diese Seite ist auch Sascha Ehlert auf den Kirchberger aufmerksam geworden. Memes sind lustige Fotos oder Videos mit einem Text, die in sozialen Medien kursieren. Häufig wird sich damit über eine Person oder eine Situation lustig gemacht. Oft werden auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen kritisiert. In den Memes von Alexander List geht es meist um Themen, die die Jungen beschäftigten: Ums Feiern mit Freunden, um unübersichtliche Corona-​Beschränkungen, dass man sich an Silvester mit Raclette jedes Jahr völlig überfrisst, über typische Erlebnisse eines Lehrbubs und über das Dorfleben. Eine gute Übung war das für die Übersetzung der Schlümpfe. »Mir macht das großen Spaß«, sagt Alexander List. Trotzdem würde er das Übersetzen eher nicht hauptberuflich machen wollen. »Es soll eigentlich schon ein Hobby bleiben«, sagt er. Mittlerweile gibt es auch schon eine zweite Insta­gram-​Seite namens Woid oida. Dort postet Alexander List selbst gestaltete Motive für Pullis und T-​Shirts, die dann bei ihm bestellt werden können. Dass er dem Bayerischen Wald mal den Rücken kehren könnte – für ihn aktuell nicht vorstellbar. Auch weil er den heimischen Dialekt behalten will.

»Hindafotziger Gargamel«

Während Dialekte in Deutschland lange einen schlechten Ruf hatten, erleben gerade die bayerischen Dialekte, bayerische Trachten, Traditionen und Bräuche ein Revival. Während man heute skeptische Blicke erntet, wenn man ohne Tracht auf ein Volksfest geht, war das bis in die 2000er noch genau anders herum. »Für uns wäre das eine Strafe gewesen, wenn wir in Tracht wohin gehen hätten müssen«, bestätigt auch Alexander Lists Mutter.

Doch auch als Bayerwäldler muss man sich beim Lesen der Schlümpfe auf Bairisch erst mal eingewöhnen. Die Geschichte beginnt mit dem Schlumpf Bab – schließlich wird in Bayern erst der Nachname und dann der Vorname genannt. Er wartet auf den hindafotzigen Zauberer Gargamel. Derweil will sich im Dorf ein Schlumpf von Handy einen Flaschenöffner ausleihen. Doch nennt man den nun Korkenschlumpfa oder Schlumpfzoiga? Die Schlümpfe stellen schnell fest, dass das Norddorf anders spricht als die Schlümpfe im Süden. Ob damit vielleicht die Altlandkreise Viechtach und Regen gemeint sind? Sogar die bevorstehende Theateraufführung leidet unter dem Streit der Schlümpfe. Heißt das Rotkäppchen im Schlümpfe-​Dorf nun Roudschlumpf oder Schlumpfkappal. Der Schlumpf Bab beruhigt schließlich die Situation: »Sogds moi, schamts ia eich ganed, eng wega a bo Wörter so d’ Schädl zum eihaun? Des is ghupft wia gsprunga!«.

Doch nach einem Fußballspiel eskaliert die Situation erneut und die Schlümpfe ziehen eine schwarze Linie durch das Dorf, um die Nordschlümpfe von den Südschlümpfen zu trennen. Erst als da hindafotzige Gargamel die Schlümpfe bedroht, finden der Süden und der Norden wieder zusammen. Und der Schlumpf Bab stellt die neue Regel auf, keine zusammengesetzten Wörter mehr zu verwenden. Statt Korkenschlumpfa oder Schlumpfzoiga einigen sich die Schlümpfe auf des Ding womit ma sei Zeigs entschlumpft. Oder soll das Teil doch eher Spezialabbarad zum Entschlumpfa heißen?

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