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Von der Helmholtzresonanz bis zur Gegenschlagzunge

Von der Helmholtzresonanz bis zur Gegenschlagzunge

 

Mundstücke bei Holz- und Blechblasinstrumenten

Text: Elmar Walter

In unserer heutigen vernetzten und digitalen Welt spielen Interfaces verschiedenster Art eine wichtige Rolle. Diese Schnittstellen dienen dem Austausch von Informationen und können analog – z. B. ein Mikrofon – oder digital – z. B. an einem PC – sein und unterscheiden sich von allgemeinen mechanischen Verbindungselementen der Konstruktionslehre. Eine der bekanntesten digitalen Schnittstellen ist der USB-​Anschluss am PC.

Verbindung zwischen ­Musiker und Instrument

Jedes Blasinstrument – egal, ob Holz- oder Blechblasinstrument – bedarf ebenso einer Schnittstelle, die das Instrument mit dem Musiker bzw. der Musikerin verbindet. Diese Schnittstelle ist das Mundstück – und der Begriff »Interface« bekommt dadurch eine ganz neue Bedeutung.

In dieser Funktion als Bindeglied zwischen Musiker und Instrument erhält das Mundstück eine enorme Bedeutung für das musikalische Gesamtergebnis. Ein Mundstück muss sich für den Bläser gut anfühlen – es muss passend sein – und letztlich dabei helfen, die persönlichen Wünsche und Vorstellungen bezüglich Ansatz, Tonfarbe, Tonqualität, Sicherheit und Ausdauer umzusetzen.

Das Mundstück bei Blechblasinstrumenten

Bei Blechblasinstrumenten wird der Ton mittels Vibrationen der Lippen des Bläsers gebildet. Eine Änderung der Lippenspannung sorgt dabei auch für die Änderung der jeweiligen Tonhöhe. Das Mundstück besteht aus dem Kessel und dem so genannten Schaft, der den Kessel mit dem Mundrohr des Instruments verbindet. Der Musiker berührt mit seinen Lippen den Rand des Kessels und generiert mittels Vibrationen der Lippen ein entsprechendes Schallsignal, das durch den Kessel und Schaft in die Röhre des Instruments geleitet wird und dort wiederum für entsprechende Resonanzen sorgt.

Die Form des Kessels fällt sehr unterschiedlich aus. Sie kann halbkugel-, apfel-, birnen- oder trichterförmig sein – es gibt eine Vielzahl unterschiedlichster Kesselformen. Auch die Tiefe des Kessels spielt eine erhebliche Rolle. Alle diese Parameter bestimmen die Klangfarbe, die Ansprache und die Stabilität des Tones. (siehe Abb. 1)
Der Schaft hat meist einen konischen Verlauf, der sowohl linear als auch parabelförmig verlaufen kann – dies wird meist als Hinter- oder Rückbohrung bezeichnet. Sie hat auch maßgeblichen Einfluss auf Parameter wie Klangfarbe, Ansprache und Tonstabilität.
Die Bohrung ist der engste Teil des Mundstücks und befindet sich zwischen dem Kessel auf der einen und der Rückbohrung auf der anderen Seite. Die Bohrung hat erheblichen Einfluss auf die durchfließende Luftmenge und somit auf die Tonqualität. (siehe Abb. 2)
Hauptsächlich subjektiven Einfluss auf das Spielgefühl hat die Ausformung des Randes. Diese Parameter sind aber sehr individuell und hängen von der Anatomie, der Konstitution und dem bläserischen Vermögen des jeweiligen Musikers ab.

Die Helmholtzresonanz

Laut Klaus Wogram besitzen Mundstücke von Blechblasinstrumenten eine eigene Resonanz, die sog. Helmholtzresonanz:

»Mundstücke von Blechblasinstrumenten besitzen […] eine spezifische Helmholtzresonanz, die in erster Linie von der Größe des Kessels und den Abmessungen der Bohrung (mit Hinterbohrung) abhängt. Diese Resonanzfrequenz liegt bei Trompetenmundstücken im Bereich von ca. 800 – 1000 Hz, bei Posaunen von ca. 450 – 600 Hz. Man kann die Resonanzfrequenz eines Mundstücks sehr gut hören, wenn man das Mundstück mit seinem Rand auf die Handfläche schlägt. Die Tonhöhe entspricht der Resonanzfrequenz. Sie bestimmt maßgeblich die Intonation (Stimmung) eines Blechblasinstruments und spielt bei der Qualitätsbestimmung des Instruments eine sehr wichtige Rolle!«

www.wokustik.de/Das_Mundstueck_von_Blechblasinstrumenten_aus_musikakustischer_Sicht.pdf [13.11.20].

Zusammengefasst ergeben sich für die Mundstücke von Blechblasinstrumenten nach Klaus Wogram folgende Parameter:

  1. Helmholtzresonanz: Sie wird bestimmt durch die Kessel- und Bohrungsgröße und beeinflusst unmittelbar die Intonation und Klangfarbe
  2. Rand: Die Form des Randes hat keinen Einfluss auf die objektiv wahrnehmbaren Parameter, wohl aber auf das subjektive Spielgefühl des Musizierenden
  3. Kessel
  4. Kesselvolumen: Je größer der Kessel, desto größer die Tongestaltungsmöglichkeiten für den Musiker.
  5. Kesselform: Die Form des Kessels ist ausschlaggebend für die Ansprache und Klangfarbe.
  6. Bohrung: Der Bohrungsdurchmesser bestimmt die Helmholtzresonanz des Mundstückes mit. Mit zunehmender Bohrungsgröße verbessert sich die Ansprache des Instruments, im Gegenzug wird aber die Klangfarbe rauer.
  7. Hinter- oder Rückbohrung: Die Form der Rückbohrung (parabelförmig oder linear) hat Einfluss auf die Tonstabilität.

Mundstücke für Blechblasinstrumente werden in der Regel aus Messing hergestellt und anschließend in einem galvanischen Verfahren versilbert oder vergoldet. Einzelne Hersteller bieten auch Mundstücke aus Edelstahl oder Titan an. Der französische Mundstückhersteller Benterfa hat bis vor einigen Jahren auch Mundstücke aus Holz mit Metallschaft angeboten. Insbesondere in den letzten Jahrzehnten bieten die Hersteller auch zunehmend Mundstücke aus Kunststoff oder mit Kunststoffteilen (z. B. Rand) an, um dem Spieler ein »wärmeres« Spielgefühl zu ermöglichen – insbesondere bei kühlen Außentemperaturen.

All diese Parameter zeigen, dass dem Mundstück bei Blechbläsern deutlich mehr Bedeutung zukommt, als viele Musiker glauben. Oftmals lässt sich die Unzufriedenheit mit einem Instrument mit dem Wechsel des Mundstücks viel schneller und – finanziell gesehen – auch günstiger beheben, als durch einen tatsächlichen Instrumentenwechsel.

Das Mundstück bei Holzblasinstrumenten

Die Luftsäule im Holzblasinstrument wird – analog zu den Blechblasinstrumenten – durch den Musiker am Mundstück in Schwingung versetzt. Allerdings gibt es bei Holzblasinstrumenten drei verschiedene Arten, wie das vonstattengehen kann:

  1. Ein flach geformter Luftstrom trifft auf eine Anblaskante. Mundstück und Kopfstück des Instruments bilden eine Einheit. (Flöte)
  2. Ein einzelnes Rohrblatt wird durch die Luft in Schwingungen versetzt. Mundstück bildet mit einem Rohrblatt eine Einheit. (Klarinette, Saxophon)
  3. Zwei Rohrblätter werden durch die Luft in Schwingungen versetzt. Das Mundstück besteht aus zwei gegeneinander schwingenden Rohrblättern. (Oboe, Fagott)

Zur ersten Gruppe sind Block- und Querflöten zu zählen. Im Mundstück der Blockflöte beispielsweise ist ein Einschnitt vorhanden, dessen Kante – die sog. Labiumkante – den Luftstrom aufspaltet: Die Luft wird an der Anblaskante des Labiums in Schwingung versetzt, ein Teil entweicht durch die Kernspalte, der andere Teil der Luft strömt durch die Flöte.

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