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„World Wild Accordion“ – 44. Bardentreffen in Nürnberg (26. bis 28. Juli)

„World Wild Accordion“ – das 44. Bardentreffen in Nürnberg

 

Text und Interview: Marco Röttig

Fotos: Uwe Niklas, Jyrki Kallio, Borth Hemispheres, Nürnberger Akkordeon Orchester, PR

 

Das Bardentreffen ist eins der größten Musikfestivals in Deutschland und, was sein Flair und die Auswahl der Künstler betrifft, nahezu einmalig: Jährlich zum ersten Wochenende der bayerischen Sommerferien verwandelt sich die Nürnberger Altstadt in eine einzige, große Open-Air-Bühne, und mehr als 200.000 Menschen feiern mit. Am Hauptmarkt, am Lorenzer Platz, auf der Insel Schütt und an vielen weiteren Plätzen stehen große Konzertbühnen für Künstler aus aller Welt. Für die vielen Straßenkünstler bieten wiederum Plätze und Gässchen die „Bühne“, auf der sie sich präsentieren können. Ganz Nürnberg „klingt“. Und das Beste daran: Das Festival für Weltmusik kostet keinen Eintritt.

Jedes Bardentreffen steht unter einem anderen Motto. Und so liegt in diesem Jahr der musikalische Schwerpunkt auf der „weiten wilden Welt“ des Akkordeons, welches vom 26. bis zum 28. Juli in all seinen Facetten und unterschiedlichen Instrumentenausprägungen präsentiert wird. In über 20 Schwerpunkt-Konzerten – von insgesamt rund 90 Auftritten des Gesamtprogramms – präsentieren konzertante Akkordeonvirtuosen wie der französische Shootingstar Vincent Peirani oder das preisgekrönte britische Duo Will Pound & Eddy Jay ihre Musik. Als absolutes Novum wird ein Akkordeonorchester beim Bardentreffen auftreten.
Das international erfolgreiche Nürnberger Akkordeonorchester unter der Leitung von Stefan Hippe hat sozusagen „Heimspiel“. Gemeinsam mit der Sängerin Heleen Joor präsentieren sie auf der großen Zentralbühne am Nürnberger Hauptmarkt, eine Hommage an die beiden großen Diven des 20. Jahrhunderts: Hildegard Knef und Édith Piaf.

Dass das Akkordeon besser und moderner ist als sein Ruf, das hat sich der künstlerische Leiter des Weltmusikklassikers im Projektbüro des Kulturreferats der Stadt Nürnberg in der aktuellen Bardentreffen-Ausgabe zur Aufgabe gemacht. Marco Röttig interviewte Rainer Pirzkall.

 

Lieber Herr Pirzkall, das diesjährige Motto des Bardentreffens lautet "World Wild Accordion". Wie kamen Sie darauf, unser Instrument - das Akkordeon - als Themenschwerpunkt auszuwählen?

Bei der Schwerpunktwahl eines Barden-Jahrgangs suchen wir in der Regel nach Themen, die die Besucherinnen und Besucher verblüffen, sie überraschen. Vor zwei Jahren haben wir unter dem Motto „Gegenwind“ Blasinstrumente im Global Pop in den Fokus gerückt, im vergangenen Jahr war es der Sprechgesang im World-Music-Kontext. Uns interessiert alles im Spannungsfeld zwischen Aktualität und Kuriosität. Das Akkordeon mit seinen Brüdern und Schwestern ist für uns ein Instrument, das so vielgestaltig ist, in so vielen Musikstilen charakteristisch den Sound prägt und im wahrsten Sinne des Wortes den Ton angibt. Es ist ein Instrument von Welt und passt damit hervorragend zu einem Weltmusikfestival wie dem Bardentreffen.

 

Nach welchen Kriterien haben Sie die Künstler ausgesucht?

Uns ging es in erster Linie darum, die Bandbreite hinsichtlich der Stilvielfalt dieses Instruments abzubilden. Ob Tango, Cumbia, Zydeco, Forró, Klezmer, Musette, Wienerlied, usw… Wir schürfen und graben in der weiten Welt der Musik nach Traditionen, Trends und Experimenten, immer mit dem Anspruch, das Besondere zu heben. Das Akkordeon hat in der breiten Masse aktuell durchaus auch einen zweifelhaften Ruf, das belegen nicht nur die vielen teils ironischen, teils sarkastischen Spitznamen wie z. B. Tretschrank, Schweineorgel oder Quetschkommode… Sie kennen sie vermutlich alle. Tom Waits sagte mal: „A gentleman is a man who can play the accordion, but doesn’t.“ Dieses Image zu widerlegen, zu entstauben, und das Akkordeon einer jungen Generation ganz selbstverständlich zu präsentieren war unsere Intention und hat uns bei der Planung geleitet. Man wird Konzerte erleben, in denen das Instrument klar im Vordergrund steht, aber auch welche, in denen es im Hintergrund eher unbewusst den Klangboden webt. Und um ein paar Namen in der aktuellen Akkordeonlandschaft kommt man einfach nicht herum, wie z.B. um den Finnen Kimmo Pohjonen oder den Franzosen Vincent Peirani.

 

Nürnberg ist seit vielen Jahrzehnten eine Akkordeonhochburg. Das Nürnberger Akkordeonorchester, welches 1946 gegründet wurde, gehört zu den erfolgreichsten Akkordeonorchestern in ganz Europa. War Ihnen das bei der Auswahl des Mottos bewusst?

Ehrlich gesagt muss ich beides verneinen. Natürlich ist mir das Nürnberger Akkordeonorchester seit langem ein Begriff, aber so richtig eingearbeitet in die Akkordeonwelt habe ich mich erst im vergangenen Jahr. Auch ich entdecke bei meiner Arbeit immer wieder Neues. Mir war zum Beispiel auch nicht bewusst, dass es in Deutschland über 900 Akkordeonorchester gibt!

 

Wer wird der unkonventionellste Künstler sein, der beim Festival auftreten wird?

Oh, da gibt es einige! Sicher sind die beiden finnischen Künstler Johanna Juhola und Kimmo Pohjonen sehen- und hörenswert, oder der Oberammergauer Maxi Pongratz, der die bayerische Volksmusik erneuert. Aber auch das Konzert des Nürnberger Akkordeonorchesters auf der großen Hauptmarktbühne wird für Bardentreffen-Traditionalisten sicher ungewohnt sein. Aber darum geht es uns: Immer wieder überraschen!

 

Was ist die optimale Festivalkleidung? Mit welchen Utensilien sollte ein Bardentreffenbesucher immer ausgestattet sein?

Luftige Kleidung. Ende Juli wird’s meistens heiß! Es sollte natürlich jeder unser liebevoll gestaltetes Programmheft erwerben, 130 Seiten mit vielen Hintergrundinformationen und Interviews. Außerdem wird es auch in diesem Jahr wieder einen silberfarbenen Pin-Anstecker geben, in Form eines... richtig: Akkordeons. Damit kann man sich als Fan des Festivals oder des Instruments outen und so auch zum Erhalt des „Kultur-Für-Alle“-Gedankens am Bardentreffen beitragen.

 

Was erhoffen Sie sich vom diesjährigen Festival? Gibt es konkrete Wünsche (außer natürlich zahlreichen Besuchern)?

Dass alle Künstlerinnen und Künstler rechtzeitig anreisen, viele kommen ja von weither. Dass im Team niemand erkrankt, dass sich hinter, vor und auf der Bühne alle wohlfühlen. Und wenn die Menschen nach drei Festivaltagen nach Hause fahren und sich denken: „Ich habe so viel neue, spannende Musik entdeckt!“ Dann sind wir glücklich. Dann hat das, was wir uns 12 Monate lang im stillen Kämmerlein ausgedacht haben, Früchte getragen.

 

Infos und Auftrittszeiten unter https://bardentreffen.nuernberg.de/ 

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