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#18..Best of 72

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Dieser Artikel stammt aus akkordeon_magazin, Heft #18 vom Februar/März 2011

 

Jazz goes Hollywood – oder: Happy Birthday, Frank!

Jazz- und Studio-Akkordeonist Frank Marocco zum 80. Geburtstag

Text: Dr. Thomas Eickhoff

Bescheidenheit und Integrität als menschliche Attribute im Verbund mit virtuoser Akkordeonkunst von großer Lässigkeit und Souveränität, die dem „Swingin' Jazz“ und anderen vielfältigen Ausdrucksformen der Musik ihren einzigartigen Klang verleiht – das ist Frank Marocco. Dass dieser große US-amerikanische Akkordeonist der Jazz- und Filmmusik am 2. Januar 2011 seinen 80. Geburtstag feiern konnte erscheint unglaublich, so lässig-juvenil, menschlich eher leise und musikalisch singulär nimmt er auch im 9. Lebensjahrzehnt weltweit sein großes Publikum für sich ein.

Im Laufe der Erfolgsstory von Frank Marocco scheint das häufig verkannte Akkordeon weit mehr ungeahnte Fertigkeiten vollführt und Ausdrucksbereiche erobert zu haben, als es mancher Zeitgenosse jemals für möglich gehalten hat. Vertieft man sich in die Biographie von Frank Marocco, mag man sogleich nach jenem musikalischen Nährboden fragen, auf dem ausgerechnet ein Akkordeonist so eigensinnig heranreifen konnte, dass sein künstlerisches Schaffen so außergewöhnliche Blüten treiben konnte.

Die Lehrer: George Stefani und Andy Rizzo

Die Bedingungen dafür schienen von Anfang an unter einem günstigen Stern zu stehen. Als Marocco am 2. Januar 1931 im US-Bundesstaat Illinois geboren wurde und in einem Vorort von Chicago namens Waukegan aufwuchs, bewegte er sich als kleiner Junge in einem musikalischen Umfeld, das für heranwachsende Akkordeonisten ausgesprochen gedeihlich war. Chicago, eine der größten und bedeutendsten Städte der USA, galt innerhalb der amerikanischen Musikszene als eine der bemerkenswertesten Enklaven für das Akkordeon. Hier befand sich über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, der Ausgangspunkt für genau jene Spitzenspieler, deren Aufstieg in die internationale Liga professioneller Akkordeonisten ihresgleichen suchte.

Wie so oft war auch hier der erste musikalische Gehversuch auf einem bestimmten Instrument von wegweisender Bedeutung und gab den zentralen Impuls für die weitere musikalische Entwicklung. Entscheidenden Anteil hatte dabei Maroccos erster Lehrer George Stefani, der für den jungen Akkordeonisten zu einer, wie es heißt, „Quelle der Inspiration“ werden sollte. Ohne jedwede Begrenzung eröffnete Stefani ihm einen musikalisch weitgespannten Horizont. Allein die Tatsache, dass Marocco von diesem Lehrer neun Jahre lang unterrichtet wurde, zeugt von der Intensität und Reichhaltigkeit der musikalischen Unterweisung. Trotz seiner schon zu dieser Zeit facettenreichen Aktivitäten sollte für Frank Marocco das Akkordeon der instrumentale Fixstern bleiben, der noch weitreichender zu strahlen begann, als der universal agierende Youngster auf einen Mann traf, der in der amerikanischen Akkordeonlandschaft zu den Ikonen des Instruments zählte: Andy Rizzo.

Als Pionier in künstlerischer wie pädagogischer Hinsicht gehörte Andy Rizzo zu den legendären Erscheinungen im Musikleben der USA. Chicago erlangte durch Rizzo den Stellenwert einer „Akkordeonschmiede“ und damit eine herausragende Bedeutung für die Akkordeonmusikszene. Aus seiner Schule gingen zahlreiche Akkordeonisten hervor, die zu Weltklasse gelangten und maßgeblich zur internationalen Anerkennung des Instrumentes beitrugen. Zu den Schülern Rizzos gehören wichtige Vertreter einer ganzen Generation von Akkordeonkünstlern der USA wie beispielsweise Art Van Damme (1920-2010) oder Tommy Gumina (*1931).

Als Profi unterwegs

Für Frank Marocco öffnete sich nach der Unterrichtsphase bei Andy Rizzo eine musikalische Welt, die um 1948, also für den damaligen Jung-Akkordeonisten, eine entscheidende Bedeutung haben sollte. Von nun an schien für Marocco der Entschluß festzustehen, in eine musikalisch professionelle Vollzeit-Karriere durchzustarten und sich in erster Linie der Unterhaltungsmusik sowie insbesondere dem Jazz zu widmen. Gänzlich neu war das Akkordeon im Jazz freilich nicht. Trio-Formationen, in denen das Akkordeon von Jazz-Virtuosen der älteren Generation wie Leon Sash (1922 – 1979), der im Raum Chicago äußerst populär war, gespielt wurden, existierten bereits.

Frank Marocco wagte also mit seinem Instrument den Sprung ins nicht mehr ganz so kalte, sondern vielmehr schon leicht vorgewärmte Wasser und gründete ein Trio, mit dem er alsbald auf Tournee ging. Den bereits früher gehegten Gedanken, sich in Kalifornien niederzulassen, realisierte Frank Marocco nach Heirat und Familiengründung schließlich in den frühen 50er Jahren.

Auf dem Weg zur Traumfabrik

Mit dem Umzug nach Los Angeles erhöhte sich für Frank das Beschäftigungspotential immens. Die vorhandene Infrastruktur in Form der blühenden amerikanischen „Kulturindustrie“, deren Name Hollywood als Synonym für Erfolg und Wohlstand galt, eröffnete zahlreiche neue Betätigungsfelder. An die glamouröse Filmwelt dachte Marocco damals überhaupt noch nicht. Zwar lebte er im Dunstkreis von Hollywood, jedoch war er nicht ernsthaft oder konkret in Filmprojekte involviert. Er gründete zunächst ein neues eigenes Ensemble und trat mit diesem in exklusiven Hotels und Clubs auf. Kurze Zeit nachdem Frank in Los Angeles angekommen war, nahm er im Rahmen eines ersten sechsmonatigen Vertrages im Hotel Ambassador eine Tätigkeit auf, die für einen Akkordeonisten musikalisches Entertainment auf ausgesprochen gehobenem Niveau bedeutete. Wie Marocco berichtet, hat er zeitweilig sechs Tage in der Woche in solchen Häusern gearbeitet. Für Musiker im Amerika der 1950er und 60er Jahre bedeutete dies schlichtweg die Existenzgrundlage. „Diese Art von Job“, so Marocco, „sicherte meinen Lebensunterhalt.“

Ausgedehnte Tourneen unternahm Marocco zu dieser Zeit nicht mehr. Vor Ort ging er eigenständig auf Arbeitssuche, um an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen und bei jeweils ganz unterschiedlichen Projekten mitzuwirken: „Das Akkordeon war zu der Zeit sehr beliebt. Ich habe angefangen, in der Woche zu unterrichten und am Wochenende auf Hochzeiten, Geburtstagen und dergleichen zu spielen. Es lief sehr gut. Durch die Mund-zu-Mund-Propaganda wurde ich bekannt und machte mir einen Namen auf diesem Gebiet“, so Marocco.

Plattendebüt mit und bei „Verve“

Wie dies wohl für jeden Musiker gilt, dürfte auch im Schaffen von Frank Marocco die Aufnahme seiner ersten Langspielplatte zu den Höhepunkten in seiner Laufbahn zählen. Gerade für einen Akkordeonisten stellte unter damaligen Verhältnissen eine Studio-Produktion ein besonderes Ereignis dar. Bei Frank war die erste Einspielung jedoch fast einem Ritterschlag von ungeahnter Noblesse vergleichbar: Kein geringeres als das 1956 vom Musikproduzenten Norman Granz gegründete US-Plattenlabel Verve – eines der bis heute bedeutendsten Jazz-Labels – bot zum ersten Mal einem Akkordeonisten die Gelegenheit, seine Debüt-Platte zu produzieren. Sie erschien am 23. Feburar 1960 unter dem Titel „Like Frank“. Frank Marocco befand sich hier als „recording artist“ vom Renommee her in bester Gesellschaft, da Verve Records untrennbar mit dem Aufstieg der legendären Jazz-Sängerin Ella Fitzgerald (1917 – 1996) verbunden war. Als weltweit gefeierte Jazz-Diva hatte sie bereits mehrfach bei Verve eingespielt und stellte für das Label den erfolgsträchtigen Grundstein dar. Vor diesem Hintergrund konnte der Akkordeonist Marocco nun seinen eigenen musikalischen Ruf weiter ausbauen.

Stars, Shows, Filme und TV

In Maroccos Aktionsbereich nahm die Tätigkeit als Studiomusiker fortwährend einen Löwenanteil ein. Dennoch wäre es verfehlt zu glauben, der Akkordeonist habe nur im Studio mit weltberühmten Künstlern zusammengearbeitet (unter ihnen Größen wie Frank Sinatra, Burt Bacha-

rach, Liza Minnelli). Auch auf der Bühne des Konzertbetriebs begleitete Marocco zahlreiche Persönlichkeiten des internationalen Musik- und Showgeschäfts, Sänger wie Schauspieler gleichermaßen – und dies ohne jedwede Beschränkung auf ein bestimmtes Genre, das klassische Metier des Operngesangs eingeschlossen. So trat Marocco beispielsweise am 11. Februar 2000 mit dem berühmten italienischen Star-Tenor Luciano Pavarotti (1935 – 2007) bei einem Konzert im Great Western Forum von Los Angeles auf. Ob Klassik, Jazz, Pop, Rock, Folk oder Zydeco – Marocco hat sich stets ausgesprochen vielseitig präsentiert und avancierte zu einem in vielen Bereichen heimischen Allround-Musiker auf dem Akkordeon, der es in geschickter Weise verstand, sich wie ein Chamäleon den unterschiedlichen Gegebenheiten seiner musikalischen Umgebung anzupassen. Wandlungsfähigkeit war die Grundvoraussetzung für jenen, so Marocco, „guten Ruf in diesem Job“. Dieser bescherte ihm nach ersten absolvierten Projekten ein dauerhaftes Engagement in den Studios, die Musik für Kino, Fernsehen und Radio produzierten.

Als Akkordeonist in Hollywood

Richtet man den Blick abschließend auf die vordergründig glamouröse Filmwelt Hollywoods, so hat Frank Marocco als Akkordeonist und Studiomusiker in ihr – und damit im „tonangebenden“ Hintergrund der Welt der Soundtracks – mit einer stattlichen Anzahl von über 330 Filmmusik-

Einspielungen eine mehr als respektable Bilanz zu verzeichnen. So kann man als lapidar anmutendes Fazit eigentlich mit nur einem Satz feststellen: Wenn in einem Hollywood-Film der letzten 30 Jahre ein Akkordeon zu hören ist, kann man davon ausgehen, dass es von Frank Marocco gespielt wurde. Wo andere sich ein Leben lang abmühten, um ihr langersehntes Karriereziel zu erreichen, ließ sich für Frank Marocco und auch für das Akkordeon der Weg nach Hollywood scheinbar ohne ernsthafte Hindernisse beschreiten. Danach befragt, wie es zu dem Kontakt

mit Hollywood gekommen ist oder was er dafür getan hat, antwortet Frank Marocco in einer Mischung aus argloser Bescheidenheit, lakonischem Schalk und scheinbarer Belanglosigkeit: „Ich habe eigentlich nichts Besonderes unternommen, um dort zu sein. Es ist einfach so geschehen.“

Und das ist nicht das Ende. The Marocco-Story goes on - auch mit 80 ...!

 

Hier ist ein YouTube-Video mit Frank Marocco

Hier findest du die Digitalausgabe des Heftes