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#13/2...Best of 72

Liebe AM-Freunde und Fans ... wir (er)zählen nun rückwärts, nein vorwärts ... aus 72 unglaublich tollen Ausgaben. Täglich... also 72 Tage lang. Wenn wir bei 72 angekommen sind, dann ist auch 73 erschienen und 74 und unser aller Leben findet wieder gemeinsam statt!

 

Dieser Artikel stammt aus akkordeon_magazin, Heft #13 vom April/Mai 2010

Siegfried Haglmo

Vollkontaktjodler und promovierter Physiker

Text: Klaus Härtel, Fotos: Dieter Schnöpf, Blankomusik, Haglmo-Harmonikas

„Nix für Alpenveilchen!“ warnt das Münchner Plattenlaben Blankomusik vor der Band „Edelschwarz“. Der Vollkontaktjodler und Ziach-Nerd Siegfried Haglmo bringt die Härte der Stadt, aber auch die der Berge zum tönen und lärmen. Gemeinsam mit Halftime-Drumset (Benjamin Pflug), Maschine und Sequenzer (Ortholf von Crailsheim) und Industrial-Gitarren (Andreas "n-dee" Piepke) gehen die Edelschwarzen auf die Suche nach der „dunklen Seele der Volksmusik“. Und wo kann man die aktuelle Scheibe „Briten, Bauern und Baron“ der edelschwarzen besser vorstellen, als im Boxring? Vollkontakt eben. Klaus Härtel sprach mit dem Frontmann Siegfried Haglmo, der aber nicht nur Edelschwarz vorsteht, sondern zudem auf anderen musikalischen Pfaden unterwegs ist (zum Beispiel mit Emerenz Meier - Out of Heimat). Außerdem baut er seine Harmonikas selber und ist promovierter Physiker.

Klaus Härtel: In der Pressemitteilung zur neuen CD heißt es, „Edelschwarz“ sei auf der Suche nach der dunklen Seite der Volksmusik. Haben Sie die mittlerweile gefunden?

Siegfried Haglmo: Die kann man tatsächlich finden. Es gibt ja einige Texte, die traditionell sind – also die nicht von uns kreiert sind. Und in einem Stück („Sonntagsruah“, d. Red.) auf der CD geht es am Ende um eine Wirtshausschlägerei, wo dann der Arm entzwei ist, das Auge heraushängt, weil da Maßkrugscherben drinstecken. Das muss man sich mal vorstellen. Der reinste Irrsinn. In der Volksmusik ist das von der Komödie her der Höhepunkt. Edelschwarz hat das in das Kostüm gepackt, wo es hingehört. Das ist dramatisch. Das ist die schwarze Seele der Volksmusik. Die steckt da eigentlich drin, aber die ist weggezüchtet worden aus der Volksmusik. Alles was mit Melancholie, mit Selbstmord , mit Depression zu tu hat, wurde früher auch ausgedrückt. Denn die Menschen hat es ja damals auch gegeben. Aber das wurde weggepflegt. Dieses Material ist nie in die Archive gekommen. Wir betreiben also eine Wiederentdeckung des Materials.

Ist Ihre Musik dann sozusagen eine Liebeserklärung an die ursprüngliche Volksmusik?

Es ist in der Hinsicht eine Liebeserklärung, als dass wir mit der Volksmusik das tun, was sie prinzipiell tun müsste, nämlich sich weiterentwickeln. Sich demjenigen zu erschließen, der mit dem Begriff Volksmusik nichts zu tun hat bzw. zu tun haben will. Es ist ja eine gewisse Ablehnung da. Diesen Menschen die Volksmusik zu öffnen, ist ein Teil von Edelschwarz. Wenn die Volksmusik einfach nur noch stillsteht, wird sie eines Tages schlichtweg nicht mehr existieren, weil sich keiner mehr dafür interessiert. Es gibt dann nur noch einen kleinen erlauchten Kreis, der sich toll findet und weiß: So macht man es richtig und für immer. Entweder also man tritt dem Club bei, oder man ist nicht existent.

Ist das auf der anderen Seite auch die Ablehnung der volkstümlichen Musik?

Das sowieso. Die wird ja nicht einmal mehr ignoriert. Nein, die ist wirklich völlig aus dem Rennen, weil sie einfach meinen Qualitätsansprüchen nicht genügt. Da sind wir von der neuen und die von der alten Volksmusik ausnahmsweise einig. Leider ist das volkstümlich Bild das erste, das nach draußen geht. Der normale Musikverbraucher hört das Wort „Volksmusik“ und verbindet das mit der „Volkstümlichen Musik“.

Versuchen Sie denn, diese Klientel, die ja sofort merkt, dass Ihre Musik beim besten Willen keine volkstümliche Musik ist, zu erreichen?

Ich würde nicht sagen, dass die volkstümliche Klientel unser Ziel ist, weil wir wissen, dass wir da wenig Chancen haben. Der Musikverbraucher der volkstümlichen Musik – ich muss vorsichtig sein, dass ich da keine Niveaudiskussionen hervorrufe – will ja leicht unterhalten werden. Und ist wohl eher nicht derjenige, der den Zugang zu Edelschwarz finden wird. Edelschwarz ist tiefergehende, keine leichte Unterhaltung.

Die andere Sache ist, dass es tatsächlich so ist, dass das Akkordeon erst einmal abschreckend wirkt und dass man über eine Hürde drüber muss. Und da wollen wir drüber. Wir haben einmal auf einem Festival gespielt und waren die Band direkt nach dem Headliner – eine amerikanische Band. Bassgitarren, die in der Kniekehlen hingen, tätowierte Oberkörper. Und dann kommen wir. Ich hab dann die Ziehharmonika erst einmal vorne mittig hingestellt. Und – wuschschsch, alles leer. Und das interessante war, dass wir alle wiedergeholt haben. Die Leute sind mit einer riesigen Begeisterung vor der Bühne gestanden. Das ist dann dieser Knackpunkt, erst einmal eine schwierige Hürde. Wenn man die überschritten hat, dann hat man die Leute auch. Dann stehen die da wie eine Ein.

Ist das Reiz der Extreme? Rockmusik auf der einen Seite und das Akkordeon auf der anderen?

Das ist der Reiz des Understatement, wenn man da mit dem Akkordeon ankommt. Denn man tut Dinge, die man in der Popmusik nicht kennt und die auch nicht respektiert werden. Und wenn man denen dann beibringt, was für Dinge möglich sind, ist das schon reizvoll.

Haben Sie eine Entwicklung festgestellt, dass man mit dem Akkordeon auch wieder das größere Publikum erreichen kann? Oder täuscht der Eindruck, dass das Instrument wieder populärer wird?

Es gibt verschiedene Trends. Das eine betrifft die diatonische Harmonika im Speziellen. Die war vor allem in meiner Region – Bayern, Niederbayern – in den 70er Jahren völlig ausgestorben. Die war nicht mehr vorhanden. Das Instrument wurde dann reanimiert und hat sich nach und nach wieder in den Vordergrund gespielt. In dem Zusammenhang kam auch die chromatische wieder auf.

Der andere Trend ist der Musiktrend hin zum Akustischen, weg vom Elektronischen. Gerade in den 90er Jahren war doch alles elektronisch. Von Techno bis „Prodigy“ – der elektronische Sound wurde einem regelrecht um die Ohren gehauen. Der Trend geht zur Akustik. Raus aus den Tunnels, rauf auf die Wiese. Und da gehört das Akkordeon natürlich dazu. Man kann sich einfach hinstellen und spielen.

Und schließlich ist das Akkordeon ist ja eines der jüngsten akustischen Instrumente. Das ist ja das allerneueste! Und das ist auch der Grund, dass es noch ein bisschen sucht, wo es eigentlich hingehört. Wenn man das historisch mit anderen Instrumenten vergleicht – die wissen ja schon lange wo sie hingehören.

Ist das aber nicht auch das Schöne? Gerade weil es nie wirklich dazugehört hat, hat es eben in mehreren Bereichen seine Heimat gefunden?

Genau!

Ich möchte noch einmal zur Volksmusik zurückkommen. Wie sieht das mit den Volksmusikliebhabern aus – wie reagieren die auf sie?

In den 90er Jahren hat es die neue Volksmusikbewegung gegeben. Mit Hubert von Goisern zum Beispiel. Das war damals wirklich ein revolutionärer Schlag. Der hat Instrumente wie Gitarre, E-Gitarre, Schlagzeug in einer Volksmusikvariante etabliert. Seitdem ist es so, dass der Zuhörer von Volksmusik viel unerschrockener ist. E-Gitarre und Schlagzeug erschreckt den nicht mehr – aber dann kommt Edelschwarz. Und dann merkt der Volksmusikkonsument, dass es doch Grenzen gibt. Ich glaube auch nicht, dass unser Publikum wirklich das Volksmusikpublikum ist. Es gibt da welche, sicher, aber wir mischen uns da eher aus dem Rock und sogar dem Metal-Sektor. Wobei die Metaller genau so ein Scheuklappendenken an den Tag legen wie die Volksmusiker. Wir sitzen also sozusagen zwischen den Stühlen. Wir definieren uns aber auch weder über eine noch über die andere Richtung. Natürlich weist das Dialektjodeln, die Ziehharmonika erst einmal in Richtung Volksmusik, doch wir bezeichnen uns erst einmal als „Alternative“. Wir machen eigentlich Rockmusik, Punkmusik mit elektronischen Elementen, die mehr oder weniger zufällig diesen Volksmusiksektor als eigene Farbe mit dabei hat.

Aber ihr spielt ja schon auch bewusst mit dem Klischee der Volksmusik. Wie sind denn die Reaktionen der Traditionalisten? Gibt’s die Ausrufe: Wie könnt ihr nur?

Die Sache mit den Traditionalisten wurde in den 90er Jahren tatsächlich ausgefochten. Man hat wirklich den Verdacht gehabt, jetzt wird’s gleich handgreiflich. Damals, als sich diese Szene etabliert hat, haben wir uns alle Pseudonyme zugelegt, damit wir nicht im Telefonbuch findbar waren. Weil uns die Traditionalisten anriefen und im Wohnzimmer beschimpften. Aber heute gibt es da keine Kriegssituation mehr, aber klare Definitionen, klare Bereiche. „Ich bin Traditionalist und ich möchte da bleiben. Ich habe für den andern einfach keinen Funken Verständnis.“ Ich finde das eigentlich schade. Es gibt auch Leute, die sich in mehreren Bereichen wohlfühlen.

Wie kam es überhaupt zu der Idee Edelschwarz. Einerseits die Volksmusikelemente zu übernehmen und andererseits die harte Rockmusik zu spielen?

Das kommt aus zwei Quellen. Das eine ist meine Tätigkeit mit der Gruppe „Hundsbuam miserablige“, bei der wir uns schon mit der Thematik beschäftigt haben, Volksmusik mit neuen Elementen glaubwürdig zu kreuzen. Und das andere ist meine Historie. Ich bin einer, der von zu Hause aus mit Volksmusik groß geworden ist, vom Vater gelernt hat, und gleichzeitig den ganz normalen medialen Einfluss gehabt hat wie jeder andere auch. Der einen ganz normalen Zugang zur Rock- und Popmusik gehabt hat – und beide Seiten als selbstverständlich gesehen hat. Und dann kommt es eben zu der Situation, dass man in den 90er Jahren in irgendwelchen Technoschuppen ist und da mitten auf der Tanzfläche einen Jodler singt. Den kann man irrsinnig laut singen und es hört immer noch keiner. Das hat auf der Tanzfläche Spaß gemacht – und das hat gepasst. Mit „Hundsbuam miserablige“ hat das dann noch nicht so hingehauen, ich brauchte eine neue Band – und das ist dann Edelschwarz geworden.

Edelschwarz ist aber keine Ablehnung von Volksmusik, sondern eher eine Weiterentwicklung, oder?

Richtig. Ich will damit nicht die traditionelle Volksmusik verurteilen. Ganz im Gegenteil. Ich bin ja genau mit der Musik aufgewachsen. Ich find das klasse. Wenn die gut gespielt ist, dann ist das eine wahnsinnig klasse Musik. Da gibt’s überhaupt nichts.

Haben Sie denn von Ihrem Vater so ganz klassisch Akkordeonunterricht bekommen?

Er hat mir das Instrument beigebracht und mit dem Instrument auch die Musik. Und vor allem den Umgang mit der Musik.

Haben Sie als Kind, als Jugendlicher auch schon mit der Musik experimentiert?

Das war damals eigentlich nur Volksmusik. Es hat zwei Phasen gegeben. Anfangs waren mein Vater und ich auch als Harmonikaduo unterwegs. Irgendwann kam dann mit 16/17 dieser andere Einfluss, dieses Zeitalter, wo man weggegangen, in Diskotheken gegangen ist. Erst als ich diese Rückwärtsorientierung – also nicht im negativen Sinne, sondern chronologisch – gemacht hab und gedacht hab: „Ich hab doch ein Instrument gelernt.“, habe ich die Harmonika nach vorn geholt. Erst da hat sich das quasi übereinander gelegt. Daraus ist dann „Hundsbuam miserablige“ geworden.

Haben Sie da vielleicht einmal den Gedanken daran verschwendet, Musiker zu werden?

Nein, das war damals noch überhaupt nicht der Fall.

Sie haben dann Physik studiert.

Ja, ich bin promovierter Physiker. Ich bin lange zweigleisig gefahren. Ich bin allerdings nur ein empirisch ausgebildeter Musiker, also kein theoretisch durchexerzierter Musiker mit dem ganzen Fundament. Ich mache Musik nur mit den Ohren.

Jetzt ist nun Physik ja etwas völlig anderes als Musik – mal abgesehen davon, dass die Akustik ein Gebiet der Physik ist. Wie kam es dazu?

Ich komme aus einer Bauernfamilie. Man ist bodenständig und in einer solchen Familie gilt erst einmal die Sicherheit. Die Sicherheit des Lebens, das heißt: tägliche Arbeit, Einkommen. Das ist wichtig. So eine künstlerische Ausbildung war nicht wirklich vorgesehen in dieser Entwicklung. Ich war so programmiert, erst einmal eine Ausbildung zu machen. Ich hab Fernsehtechniker gelernt und dann über den zweiten Bildungsweg mein Abitur gemacht. Während des Abiturs habe ich mir dann überlegt, Physik zu studieren. Und ich bin eben einer, der, wenn er was anpackt, auch fertig macht. Ich habe dann während des Studiums gleichzeitig meine Musik betrieben und dann kam irgendwann die Situation, dass ich mit dem Studium fertig war und dieses Angebot kam, zu promovieren. Und ich konnte das mit der Promotion zeitlich so koordinieren, dass ich einerseits ein Einkommen hatte, das mich finanziell unabhängig macht und andererseits meinen Lebensweg in der Physik auch noch weitergestalten konnte. Denn da hatte ich natürlich auch Interesse dran – man macht das ja nicht völlig interesselos. Das andere wäre gewesen, in die Industrie zu gehen, sich eine entsprechende Anstellung zu suchen. Dann wäre das ein 50/60-Stunden-Job gewesen und damit wäre es vorbei gewesen mit der Musik.

Was war denn so faszinierend an Physik?

Physik ist faszinierend, wenn man es versteht.

Achso, jetzt erklärt sich einiges in meiner schulischen Laufbahn...

Das Interesse an Physik generiert sich aus sich heraus. In dem Moment, in dem man es versteht, hat man richtig Spaß an der Physik. Richtig Spaß hatte ich dann auch erst während der Promotion. Da kann man dann die ganzen theoretischen Felder, die man im Studium abgeklappert hat, plötzlich verbinden und hat eine intuitive Idee von der Physik. Mir ging es dann wie einem Handwerker, der Gespür für die Materie entwickelt.

Hat denn die Faszination Physik wenigstens etwas mit Akustik zu tun gehabt?

Nein, tatsächlich nicht. Das hat sich ganz anders ergeben. Warum ich dann die Thematik gewählt hat, hing tatsächlich am Lehrstuhl. Mein Doktorvater Professor Wagner hat wahnsinnig viel Verständnis gehabt für meine musikalischen Tätigkeiten und hat fast schon unterstützt.

Gab es denn nie die Überlegung, den Bauernhof zu übernehmen?

Nein, da war Gott-sei-Dank mein Vater so schlau und hat gesagt, dass Landwirtschaft nicht wirklich zukunftsträchtig ist. Er war da sehr locker orientiert und hat uns alle mehr oder weniger ins Feld hinaus geschickt: Lernt was anderes, weil der landwirtschaftliche Betrieb eingestellt wird.

Es war also Ihr Glück, dass der Vater Sie vom Hof gescheucht hat, damit Sie der werden konnten, der Sie heute sind, oder?

Ja, ganz klar. Andernfalls wäre ich heute dort.

Sie bauen Ihre Akkordeons selbst.

Korrekt!

Haben Sie das gelernt?

Nein, das mach ich einfach. Das ist auch in Kombination meiner technischen mit meiner musikalischen Orientierung entstanden. Ich habe die Instrumente nicht nur gespielt sondern auch zerlegt. Bzw. ich habe Instrumente, die irgendwelche Fehler hatten, auseinandergenommen und repariert. Ich kann mich noch an mein erstes Instrument erinnern, das ich von meinem Vater bekommen habe. Da ist nach drei Monaten eine Taste hängen geblieben. Dann hab ich das Ding am Stubentisch komplett zerlegt. In dem Augenblick kommt mein Vater rein und lässt ein Donnerwetter los, was ich denn mit dem neuen Instrument mache! Ich konnte ihn dann beruhigen und habe das Instrument repariert.

Das hat mich technisch auch wirklich interessiert. Ich habe auch bisher fast jedes neue Instrument zerlegt und anders zusammengebaut, weil mir immer irgendetwas nicht gepasst hat. Irgendwann habe ich dann ein paar Ideen gehabt, was man verbessern kann von der Ergonomie her. Angefangen hab ich mit der Diatonischen mit den vier Reihen, die ja vier verschiedene Hebelwirkungen verursachen. Da habe ich dann ein anderes System entwickelt und auch beim Bass habe ich mir einiges einfallen lassen, was für diatonische und chromatische Harmonikas brauchbar wäre. Da laufen jetzt gerade die Patentverfahren. Zunächst hatte ich vor, die Patente in Lizenz herauszugeben, aber da haben die Hersteller berechtigterweise gesagt: „Bring doch erst mal eins, das funktioniert.“ Die wissen ja auch, dass jede Neuentwicklung erst einmal Kinderkrankheiten hat. Mit meinem Bruder betreibe ich jetzt eben diese Firma. Denn wir haben uns gesagt, wenn wir so weit sind, dass wir die Instrumente bauen und vorführen können, dann machen wir das gleich selbst. Das ist jetzt noch alles recht neu und wir planen etwa fünf Instrumente pro Monat – und dann müssen wir mal schauen, was passiert.

Wer sind denn die Abnehmer. Geht das querbeet durch alle Musikstile?

Das kann man gar nicht so genau sagen. Die optische Auslegung des Instruments ist eher schlicht und edel, was wahrscheinlich mehr den Volksmusiker anspricht. Die Ergonomie ist eher für Solisten ausgelegt, weil es eben extrem kurze Hebel hat. Und der Klang entwickelt sich zunächst sehr in einen konzertanten Charakter. Wir wollen auch irgendwann einmal ein Wirtshausinstrument bauen, bei dem es dann mehr darum geht, dass es höchst stabil ist, der Klang nicht so im Vordergrund steht, sondern mehr die Lautstärke, die Durchsetzungsfähigkeit.

Das Akkordeon ist ja, wie schon erwähnt, ein recht junges Instrument, dass sich noch weiterentwickeln kann und muss. Wo sehen Sie das Potenzial? Wo kann’s noch hingehen?

Ja, wenn ich das alles wüsste! Ich glaube, dass speziell am Klangbild noch einiges passieren wird. Da ist noch wenig ausgeschöpft. Gerade vom Frequenzgang der Stimmzungen an sich, das ja ein bestimmtes Klangbild ist, eine ganz ungewöhnliche Tonerzeugung. Das betrachte ich natürlich wieder aus der Physik heraus. Was ist der Obertonbereich von der Seitenschwingung, von der schwingenden Luftsäule oder von einem schwingenden Metall her – der Obertonbereich setzt sich aus drei Bereichen zusammen. Und aufgrund des Obertons ergeben sich erst die Klangmöglichkeiten mit anderen Instrumenten. Und ich glaube, da kann man noch einiges tun.

 

Hier ist ein YouTube-Video mit Siegfried Haglmo

Hier findest du die Digitalausgabe des Heftes