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#04 ...Best of 72

Liebe AM-Freunde und Fans ... wir (er)zählen nun rückwärts, nein vorwärts ... aus 72 unglaublich tollen Ausgaben. Täglich... also 72 Tage lang. Wenn wir bei 72 angekommen sind, dann ist auch 73 erschienen und 74 und unser aller Leben findet wieder gemeinsam statt!

Dieser Artikel stammt aus akkordeon_magazin, Heft #04 vom August/September 2008.

Fürchtet Euch nicht!

Europa ist groß und Europa ist schön. Hubert von Goisern predigt nicht nur die Völkerverständigung, er lebt sie. Mit dem Schiff befuhr er zunächst die Donau. Derzeit ist er in Richtung Nordwesten auf Rhein und Co. unterwegs.

Autor: Klaus Härtel; Fotos: Petra Hinterberger, Peter Pfund, Helmut Berg

„Rotz und Wasser“ heißt ein Titel der aktuellen Hubert-von-Goisern-CD „S'Nix“ und anlässlich der Fußballeuropameisterschaft hatte der Musiker den Song als kostenlosen Download zur Verfügung gestellt. Ob Hubert von Goisern anlässlich des Abschneidens der Österreicher bei eben diesem Turnier „Rotz und Wasser“ geheult hat, ist nicht überliefert. Einerseits undenkbar, da der 55-Jährige genau das ist, was man einen Weltbürger nennen kann – aber andererseits auch denkbar, da er seine alpenländischen Wurzeln nie verleugnet.

Es begann 2007 mit Schrecken: Sturm, Wassereinbruch, die Computer kaputt, das eiserne Schiff unter Strom. Von da an entwickelte sich Hubert von Goiserns „Linz Europa Tour“ auf der Donau bis zum Schwarzen Meer zum kulturellen Abenteuer: spontane Sessions mit fremden Künstlern, die Freunde wurden; Auftritte vom Konzertschiff aus; überwältigende Natur; viel Leerlauf, während das schwimmende Dorf in Fußgängergeschwindigkeit dahinglitt. Der innere Friede wirkt nach, auch auf von Goiserns neuem Album „S'Nix“, das breit, lang und mächtig strömt wie die Donau. Doch das ist nur die Ruhe vor dem Sturm: „Es wird laut“, kündigt der Alpenrocker Teil 2 der Flusstour auf Donau, Main, Rhein-Main-Donaukanal, Rhein und Neckar an. Das „Schifferklavier“ wird wieder ausgepackt.

Es besteht Aufklärungsbedarf

Europa ist groß. Europa ist bisweilen unübersichtlich. Doch Europa ist vielfältig und es wächst zusammen. Die Musik war schon immer ein einendes Element, das keine Grenzen kennt. Im Projekt Linz Europa Tour von Hubert von Goisern werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten einer Musik erforscht und vorgeführt, die die Kultur begründet hat. 27 Staaten gehören der Europäischen Union mittlerweile an. Mit Bulgarien und Rumänien sind zwei weitere Länder Europas als vollwertige Mitglieder in die Staatengemeinschaft aufgenommen worden. Politisch und wirtschaftlich steht die vergrößerte EU auf einem soliden Fundament. Dennoch gibt es unter den mittlerweile 490 Millionen EU-Bürgern viele Zweifler. Es geht nicht nur um das Bruttoinlandsprodukt, die Arbeitslosenquote oder die Produktivitätsrate. Dass weiterhin auch Aufklärung vonnöten ist, belegt die aktuelle Debatte um das irische Abstimmungsverhalten. Als einziger Mitgliedstaat der EU hat Irland seine volljährige Bevölkerung um ein direktes Votum für oder gegen den EU-Reformvertrag gebeten. Und die Iren haben ihn abgeschmettert.

Musik ist eine Sprache, die keinen Barrieren kennt

Die Linz Europa Tour, erklärt Hubert von Goisern in seinem „Mission Statement“, „möchte einen europäischen Diskurs in Gang bringen, der uns den Kontinent erfahrbar macht. Vielfalt zeichnet die europäische Kultur aus. Sie ist ein ,Fleckerlteppich', zusammengesetzt aus regionalen Ausprägungen und Besonderheiten. Und wenn wir die Geschichte Europas zurückverfolgen, stellen wir fest, dass gerade diese Vielfalt Europa hat groß werden lassen.“ Es gelte, einander wieder zu entdecken. Mit Musik sei das doch machbar, meint Hubert von Goisern, denn Musik sei eine Sprache, die „wir alle sprechen und die keine Barrieren kennt“.

Das Herzstück: eine 77 Meter lange Barge

Der erste Abschnitt ist geschafft und abgesehen davon, dass Hubert von Goisern sich „auf die Berge und auf das Gehen“ freut, lautet seine frohe Botschaft: „Fürchtet euch nicht. Europa ist schön und steckt voller Abenteuer, voller Facetten!“. Im September vergangenen Jahres war die erste Etappe in Linz – denn das Projekt ist eine Produktion für die Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2009 – zu ende gegangen. Geschafft, aber glücklich gingen die 28-köpfige Crew von Bord. „Schee war's“ lautete Hubert von Goiserns Fazit. 27 Konzerte in neun Ländern gab der Österreicher mit seinen Musikern und den jeweiligen Lokalmatadoren. Von Regensburg bis hin zum Schwarzen Meer rührte er die Werbetrommel für Europa. Das Herzstück des großen Abenteuers: Eine 77 mal 12 Meter große Barge, das Konzertschiff. In Oltenita in Rumänien gebaut, vom Unternehmen Brandner gekauft und mit Aggregaten versehen, gestrichen und wieder auf Vordermann gebracht, war das Schiff Lebensmittelpunkt (Von Goisern: „Also wenn ich die Zeit zusammenrechne, die ich an Land war, dann waren das keine zwölf Stunden.“) und einzigartiges Konzertschiff mit hydraulischer Bühne und allen Elementen für eine hochwertige Bühnenshow. Dem Schiffsverband gehörte auch ein kleineres Wohnschiff an – auf dem die Crew in zwei mal drei Meter kleinen Kajüten lebte.

Musik ist mehr als nur ein Broterwerb

Und „das schönste waren die Konzerte“, erklärt Hubert von Goisern. „Wir haben den Auftritten entgegengefiebert, jeden Tag genutzt, wenn wir uns unseren Spielorten genähert haben, geprobt, das Programm entwickelt, uns mit den Gastmusikern ausgetauscht. Jedes Konzert war anders, aber danach waren wir jedes Mal sehr enthusiastisch.“ Hubert von Goisern – der mit bürgerlichem Namen Hubert Achleitner heißt und aus dem oberösterreichischen Bad Goisern stammt – lebt die Musik. Er sieht in ihr mehr als bloßen Broterwerb. Und als Chef verlangt er diese Denkweise auch von seinen Mitmusikern: „Vielleicht ist es naiv von mir, aber ich fordere jeden Musiker auf, der mit mir spielen will, seine Bandzugehörigkeit nicht nur als Job zu betrachten. Wer mit mir spielt, der soll bitteschön auch meine Musikerphilosophie mit mir teilen.“ Dieser Umstand bedeutete auch das Ende der „Alpinkatzen“ 1994. 

So nah und doch so fern und fremd

In Regensburg gab sich Haindling die Ehre, in Passau Claudia Koreck. In Kroatien holte Hubert von Goisern Tamara Obrovac an Bord und in der Ukraine fuhr die Band Haydamaky eine Etappe mit. Besh o drom aus Ungarn, Zdob si Zdub aus  Moldawien, Rambo Amadeus aus Serbien oder Karandila aus Bulgarien – Völkerverständigung war stets Tagesordnungspunkt 1. „Das wichtigste, was ich vom Balkan mitgenommen habe ist, dass diese Länder so nah sind und doch so fern und fremd. Und dass es da so viel zu entdecken gibt.“ Ein klein wenig bekannter dürften da die Gegenden, in die Hubert von Goisern nun reist, schon sein. Aber die Begegnungen werden nicht minder spannnend. Ein Rheinländer etwa tickt anders als ein Goiserer. Xavier Naidoo hat seine Teilnahme ebenso zugesagt wie Konstantin Wecker, Klaus Doldinger und die kölschen Legenden um Wolfgang Niedecken – BAP. Auch einige osteuropäische Bands werden wieder dabei sein.

Zielhafen wird im Jahr 2009 Linz sein. Am 1. Juli kann sich die Kulturhauptstadt Europas dann von den Erlebnissen berichten lassen. Und Geschichten wird es sicher wieder geben. Geschichten und Geschichte gibt das Schifffahrts-Musik-Projekt her. Wie schrieb schon Heinrich Heine: „Der Unterschied zwischen Wasser und Fluss ist der, dass letzterer eine Erinnerung hat, eine Vergangenheit, Geschichte.“

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