Carboneon

Carboneon – leicht gespielt?

Carbon als stabiles Basismaterial für leichte und wohlklingende Akkordeons? Daran jedenfalls glauben Srdjan Vukašinovic´ und Christian Mnich von Carboneon. In dem jungen Schweizer Unternehmen tüftelt Akkordeonist Vukašinovic´ mit verschiedenen Kooperationspartnern seit Jahren an Idee, Funktionalität, Design und Fertigung. Nun soll es also losgehen. In vielen Punkten von Chören über Register bis zu Cassotto, Tremolo und Farbe können die Akkordeons nach Wunsch gefertigt werden. Standardmodelle gibt es aber ebenfalls. Eines der ersten ist ein vierchöriges Cassotto-​Akkordeon mit 43 Tönen, 77 Knöpfen und 118 Bässen. Gewicht: 7,8 Kilo. Im Interview mit dem akkordeon magazin gaben Vukašinovic´ und Mnich genauere Einblicke.

Interview und Text: Christina M. Bauer Fotos: Carboneon

Srdjan Vukašinovic´ und Christian Mnich finden sich im September in Winterthur für ein Videointerview vor dem Notebookbildschirm ein. Sie berichten über die Idee und bisherigen Entwicklungen des jungen Unternehmens Carboneon.

  • Sie haben Akkordeons entwickelt, die zu einem großen Anteil aus Carbon gefertigt werden. Wann und wie kam es zu dieser Idee?

Srdjan Vukašinoviic´: Die Idee entstand vor etwa 15 Jahren. Als meine Studien abgeschlossen waren, hatte ich große gesundheitliche Probleme und konnte ganze zwei Jahre quasi nicht spielen. Ich hatte chronische Sehnenentzündungen in beiden Händen und Ellenbögen, Rückenschmerzen und zwei Leistenbrüche.

  • Schwierig.

Srdjan Vukašinovic´: Genau, als ich die Probleme mit den Sehnen hatte, hat mich das wirklich gebremst, Musik zu machen. Es hat sozusagen mein Leben, das ich gerne habe, in dieser Form gefährdet. Ich dachte mir, ich muss etwas machen. Also fing ich an, darüber nachzudenken, was das Problem ist. Da verstand ich, es liegt vor allem am Akkordeongewicht. Die meisten Gurte wirken hier (zeigt auf seinen Schulterbereich), und wenn das nicht okay ist, ist es hier auch nicht okay (zeigt seine Arme entlang bis zu den Händen), irgendwo wirkt es sich immer aus. Ich begann nach Möglichkeiten zu suchen, wie ich unser Musikinstrument leicht machen kann. Es war von Vorteil, dass ich früher ein Vierteltonakkordeon entwickelt hatte. Durch diese Entwicklung hatte ich mit einer Menge Firmen in Italien Kontakt gehabt, hatte gesehen, wie das alles funktioniert, was gut ist, was fehlt. Nun entschied ich, ich wollte ein eigenes Akkordeon bauen. Da bin ich auf Carbon gekommen, weil es ein leichtes, modernes Material ist. In dieser Zeit hat, soweit ich weiß, noch niemand im Akkordeonbereich etwas aus Carbon gebaut. Es gab Violinen, Celli und andere Musikinstrumente mit diesem Material. Da dachte ich mir, okay, ich mache das in der Schweiz. Da gibt es Hightech-​Forschung und ein gutes Know-​how im Bereich Carbon. Zuerst suchte ich die schwersten Teile aus, also das Gehäuse. Es war ein langer Weg, aber jetzt haben wir ein gutes Team und gute Kooperationspartner.

  • Welche Kooperationspartner haben Sie?

Srdjan Vukašinovic´: Meine rechte Hand sitzt hier auf der linken Seite, das ist Christian (zeigt auf Christian Mnich). Mir war wichtig, einen Arzt dabei zu haben. Wir haben zwei weitere Partner in der Schweiz, die Spezialisten sind für Carbon auf dem höchsten Level. Andere Teile wie Knöpfe oder Balg bestellen wir bei ausgewählten Lieferanten.

  • Verstehe, das machen einige. Es gibt inzwischen einige Firmen, die bei einzelnen ihrer Akkordeons mit Carbon arbeiten. Gibt es hier Kooperationen oder macht jedes Unternehmen seine eigene Sache?

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