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Musik unserer Zeit

Stefan Hussong

Musik unserer Zeit

Jeder kennt ihn – jedenfalls in der Akkordeonszene, und oft auch darüber hinaus. In bisher drei Jahrzehnten Professorentätigkeit an der Musikhochschule Würzburg und unzähligen Master Classes hat Stefan Hussong eine Menge junger Musikerinnen und Musiker aus aller Welt unterrichtet. Er selbst konzertierte als Solist, mit Ensembles wie dem Ensemble Modern und Sinfonieorchestern wie den Wiener und den Berliner Philharmonikern. Mit Komponierenden arbeitet er eng zusammen, oft kommt die Initiative für neue Werke von ihm. So hat er inzwischen 150 Kompositionen uraufgeführt, und es werden sicher weitere hinzukommen. Beim renommierten Internationalen Akkordeonwettbewerb in Klingenthal ist er Juryvorsitzender. Im Interview spricht der Musiker über die stete Veränderung des Akkordeonrepertoires, die Eroberung der Konzertsäle, sich abzeichnende Trends und den besonderen Zauber von Sinfonieorchestern.

Text: Christina M. Bauer; Fotos: Total Museum Seoul, Thomas Listl, the Ijsbreker, Keiko Harada, Salzburger Festspiele, Hiroshi Hato, Andreas Jung, Privat

Das neue Jahr hat soeben begonnen, es ist Winter, überall geht die Covid-​Plage um. In Würzburg findet sich Stefan Hussong, einer von Deutschlands – und weltweit – renommiertesten Akkordeonisten vor seinem Notebook für unser Interview ein. Er ist zu Hause, die Musikhochschule ist wegen des derzeitigen Lockdowns geschlossen.

  • Sie haben eine über einige Jahrzehnte vielseitige Tätigkeit in der Akkordeonszene, als Professor und als Künstler. Ihre aktuelle Veröffentlichung „Imaginary Landscape“ versammelt ganz junge Werke, zum Beispiel von Hope Lee, Heera Kim und David Eagle. Wie haben Sie diese ausgewählt?

Ich mache etwa alle zehn Jahre so etwas, dass ich versuche, neuere Werke, die ich als wichtig erachte, auf eine CD zu bringen. Manchmal mache ich das unter einem Überbegriff, oder einfach, um zu zeigen, das gibt es und das ist ganz neu.

  • Es gibt von Ihnen zahlreiche Einspielungen mit sehr neuer, zeitgenössischer Musik, die oft für Sie geschrieben wurde. Andererseits gibt es Repertoires mit Barockmusik, die mehrere Hundert Jahre alt ist. Müssen Stücke sehr alt sein oder sehr neu, oder gibt es etwas dazwischen?

Nicht unbedingt sehr alt oder sehr neu, aber es muss etwas sein, das sich eignet für Akkordeon. Ich kann hingehen und sagen, jetzt probiere ich Schumann oder Schubert einzuspielen. Nur wird man da schnell an eine Grenze kommen, wo das ästhetisch nicht passt und wo man sagt, das ist wirklich Klaviermusik und lässt sich an einem anderen Musikins­trument nicht darstellen.

  • Was macht aus, ob sich eine Musik für die Interpretation am Akkordeon eignet?

Zuerst einmal ist ein Punkt, dass man am Akkordeon kein Pedal einsetzen kann. Daher endet die Anwendbarkeit in dem Moment, wenn Musik originär beispielsweise für Klavier geschrieben ist. Ab einer gewissen Zeit gab es in der Musikgeschichte immer mehr diese Spezifizierung, dass Komponisten wollten, dass Stücke auf diesem und wirklich nur auf diesem Musikinstrument gespielt werden soll.

  • Mit zeitgenössischen Werken haben Sie den Vorteil, dass diese neu und teilweise schon gezielt für Akkordeon komponiert werden. Oft werden sie speziell für Sie als Musiker geschrieben. Wirken Sie dann bei ihrer Entstehung mit den Komponisten zusammen?

Das ist sehr unterschiedlich. Die Zusammenarbeit mit Komponisten ist besonders für ein relativ junges Musikins­trument wie das Akkordeon essenziell, das wird jede Akkordeonistin und jeder Akkordeonist sagen. Ohne Repertoire ist ein Musikinstrument nicht existenzfähig. Deshalb ist das eine unserer wichtigsten und vornehmsten Aufgaben, Repertoire zu schaffen. Meist trifft man sich, probiert aus, zeigt das Musikins­trument. Dann lässt sich relativ bald feststellen, in welche Richtung das gehen könnte. Die Komponisten sagen: ,Das funktioniert nicht, kann ich von diesem mehr im Stück haben, wie kann ich jenes noch einsetzen.‘ Es gibt andererseits Komponierende, die einfach schreiben. Dann passt es entweder, oder man trifft sich nachher und fängt an, einige Dinge besser an das Akkordeon anzupassen.

  • Da können Sie nachjustieren, was sich eventuell noch besser umsetzen lässt.

Es sind häufig Dinge, die mit Balance zu tun haben. Es ist schwer, wenn man nicht selbst Akkordeon spielt oder immer eines zur Verfügung hat, die Balance einzuschätzen. Die beiden Seiten Diskant und Bass hängen am selben Akkordeonbalg, und damit ist man als Musiker dynamisch immer ausgeliefert. Wenn ich rechts forte spiele, ist es links eben auch forte, oder ich gehe in Lagen hinein, die das ausgleichen, und arbeite mit Artikulation. Das sind Feinheiten, die man zusammen besprechen und ausprobieren muss.

  • Sie arbeiten mit einigen interessanten Komponistinnen und Komponisten, etwa mit Sofia Gubaidulina. Wie entstand diese Zusammenarbeit?

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