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Lorin Sklamberg und die Klezmatics

Lorin Sklamberg und die Klezmatics

Jiddische Lieder und Klezmer haben selten so viele Wand­lungen und stilistische Erweiterungen erlebt wie bei den Klezmatics. Oft arbeitete die Combo dafür mit ­verschiedensten Künstlern zusammen. Itzhak Perlman, Chava Alberstein, Joshua Nelson, Neil Sedaka und Allen ­Ginsberg sind davon nur einige. In bald 35 Jahren erreichte die Band die Top 10 der Billboard und der europäischen World Music Charts, bekam 2006 einen Grammy, 2012 den Premio Tenco für Songwriting und 2013 den YIVO ­Lifetime Achievement Award. Im Interview mit dem ­akkordeon ­magazin spricht Sänger, Akkordeonist und Gitarrist Lorin ­Sklamberg über seinen Weg zur Musik, das besondere Repertoire der Klezmatics, ungewöhnliche Begegnungen und darüber, was für ihn eine Bühnensituation perfekt macht.

Text: Christina M. Bauer Fotos: Ben Barnhart, Klezmatics, Adam Berry

Die Stimme ist Lorin Sklambergs Welt, gehört, gesprochen oder gesungen. Das Akkordeon ist ihm dazu oft die ideale Begleitung und Erweiterung. Als Sänger, Akkordeonist und Gitarrist hat er eine über Jahrzehnte reichende Karriere mit den Klezmatics. Vollzeitmusiker ist er aber trotzdem nicht, denn parallel arbeitet er in New York als Soundarchivar beim YIVO Institute for Jewish Research. Dort sitzt er im August für ein Videointerview vor seinem Notebook. Im Hintergrund ist ein Bücherregal zu sehen, ein Teil seiner inzwischen über zwanzig Jahre angesammelten Referenzbibliothek.

  • Es ist eine solche Vielfalt an Stilen und Einflüssen in der Musik, die du mit den Klezmatics machst. Man würde denken, dass du zumindest mit einem Teil dieser Einflüsse früh im Leben zu tun hattest. Ist das so?

Der Teil meiner Familie, mit dem ich am meisten verbunden bin, das ist die Familie meiner Mutter und Großmutter. Sie sind aus der Ukraine, aus einem Ort sechzig Meilen von Kiew. Als ich aufwuchs, hörte ich Jiddisch, wie es von der Generation meiner Großmutter gesprochen wurde, nicht die ganze Zeit, aber manchmal. Meine Großmutter war eine von sechs Geschwistern, vier Mädchen und zwei Jungen. Die Einzige, die mit einem Akzent sprach, war die älteste Schwester, die als eine Art Familienmatriarchin gesehen wurde. Es war eine typische Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts über Juden, die von Osteuropa in die USA auswanderten. Sie und ihr Bruder kamen in die Vereinigten Staaten, arbeiteten, sparten Geld, und holten den Rest ihrer Familie nach. Sie kamen alle, zu versetzten Zeiten. Meine Großmutter, meine Großtanten und Großonkel sprachen alle akzentfrei, aber sie sprachen auf Jiddisch und Russisch. Jiddische Musik hörte ich in meiner Familie nicht so oft. Meine Mutter zog uns als Alleinerziehende in einem Vorort von Los Angeles auf. Der Ort, wo sie Gemeinschaft fand, war in der lokalen konservativen Synagoge. Die 1960er Jahre waren eine Übergangszeit, linguistisch und musikalisch, für jüdische Religion. Die Vorgabe war, wir sollten in modernem Hebräisch beten, so wurde es gelehrt. In der Synagoge hörte ich das, und gleichzeitig einiges in dem älteren Stil. In der High School spielte ich in einer Band namens Rimonim israelische Volkstanzmusik. Der Klarinettist dort hatte eine Menge Musik gehört, die wir heute Klezmer nennen. Er brachte uns Tanzsongs bei, aus einem Buch namens Kammen (kramt im Bücherregal).

  • Du hast das noch?

Ich kann dir eines zeigen, es ist dieses Buch (zeigt ein Buch). Das sind einfache Versionen dieser Tanzlieder. In der Band spielte ich vor allem Fender Rhodes. Ich fing von selbst an, Akkordeon zu spielen, jemand gab mir eins. Ich machte Musik für Freizeit-​Volkstanz, das war zu der Zeit sehr beliebt. Die Leute trafen sich zum Tanzen, es gab Clubs. Sie lernten Volkstänze, vor allem aus dem damaligen Jugoslawien, es waren kroatische, mazedonische, serbische, bulgarische, russische und polnische Tänze dabei. In der Musik, die sie dazu hörten, gab es viel Akkordeon. Israelische Volkstanzmusik hatte davon ebenfalls eine Menge.

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