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Jisr

Jisr

Maqam, Gnawa, Jazz

Das ist Repertoire mit Entfaltungsmöglichkeiten: arabische Maqam, ­marokkanische Gnawa-​Musik, Elemente aus dem Orient, Osteuropa und Lateinamerika, Jazz und Klassisches. Akkordeonist Vlad Cojocaru kann im Ensemble Jisr um Sänger, Gembri- und Daf-​Spieler Mohcine Ramdan immer wieder melodisch, harmonisch und rhythmisch Neues und Ungewöhnliches fürs Akkordeon erschließen. Für den Moldawier, der auch sonst in Ensembles von Klezmer über Tango bis Jazz unterschiedlichste Musikstile spielt, ist das genau das Richtige. Die Zuhörer gehen in den Konzerten mit der 2015 formierten Combo auf musikalische Weltreise, bei der auch sie Spannendes entdecken. Dazu tragen die variierenden Besetzungen und die gern gesuchte Kooperation mit Gastmusikern bei. Der deutsche Liedermacher Konstantin Wecker, der chinesische Sheng- und Erhu-​Spieler Xizhi Nie und der argentinische Gitarrist Luis Borda sind einige von ihnen. Nach zahlreichen Konzerten erscheint im Oktober das Debütalbum der Combo: Too far away.

Text: Christina M. Bauer Fotos: Ali Malak/Jisr, Christina M. Bauer

Weltmusik mit Musikern buchstäblich aus aller Welt: so ließe sich das Konzept von Jisr in einem Satz formulieren. Genaueres darüber berichten Mohcine Ramdan und Vladislav „Vlad“ Cojocaru an einem Sommermorgen im August in einem Münchner Biergarten. Seit fünf Jahren kennen sich die beiden Musiker aus Marokko und Moldawien. Begegnet sind sie sich in München bei einem Auftritt des Quintetts der bayerischen Filmkomponistin und Violinistin Martina Eisenreich. Ramdan war als Gastmusiker mit Gesang und Gembri eingeladen, brachte seinen Musikstil mit ein. „Ich fand das super, es war eine schöne Abwechslung und Farbe“, erinnert sich Akkordeonist Cojocaru. „Zuerst dachte ich, wie soll das mit dieser Musik am Akkordeon funktionieren, aber wir haben versucht, uns gegenseitig ein wenig anzupassen. So ist das entstanden.“

Schnell fanden sie einen Draht zueinander, und zu jungen Leuten von überall her. Akkordeon und marokkanische Gnawa-​Musik? Auch diese Facette im musikalischen Spektrum des Ensembles klingt homogen, es fügt sich alles harmonisch ineinander. „Beim Solo von Vlad bei den Gnawa-​Stücken klatschen die Leute, aber nicht, wenn ich singe“, scherzt Sänger und Gembri-​Spieler Ramdan, und beide Musiker lachen.

Wege aus aller Welt

Mohcine Ramdan lebt inzwischen seit zehn Jahren in der bayerischen Metropole, Vlad Cojocaru seit 17 Jahren. Die Band initiierte vor allem Ramdan. Hauptsächlich ist er an der Ludwigs-​Maximilians-​Universität als Sprachwissenschaftler tätig. Schon sein ganzes Leben begleitet ihn gleichzeitig die Musik und ließ ihn nie ganz los.

So wie einige der anderen in seinen Bands hat er einige Lebensstationen in verschiedenen Ländern hinter sich. Die ersten Lebensjahre verbrachte er in Libyen, danach zog die Familie nach Marokko. Er entwickelte eine Begeisterung für die deutsche Sprache und studierte schließlich in Rabat Germanistik. Seine Anfangszeit in Deutschland erlebte er im relativ überschaubaren Bamberg, wo er weitere Studienphasen in Germanistik und Orientalistik absolvierte. Im Nachhinein ist er ganz froh, dass er zuerst in eine kleine, deutsche Stadt ging. Außerdem war er vorbereitet, schon wegen seines Studienfachs. „Ich habe mich davor mit der Kultur sehr intensiv auseinandergesetzt“, stellt er fest. Der Kulturschock war da, hielt sich allerdings in Grenzen.
Er blieb eineinhalb Jahre in Bamberg, bevor er für zwei Jahre die Hochschule im jordanischen Amman besuchte. Schließlich also München, wo er sich vor allem mit kontrastiver Semantik beschäftigt und in diesem Bereich promoviert hat. In Kursen beschäftigt er sich jetzt als Dozent damit, wie angehende Lehrer möglichst geeignete Lernmöglichkeiten für die deutsche Sprache anbieten können. Inzwischen hat er zusätzlich an der Universität in Würzburg einen Lehrauftrag im Bereich Musikethnologie.
Vlad Cojocaru kam wegen der Musik nach Deutschland. Für ihn war früh klar, dass er Akkordeonist werden würde. Er knüpfte damit an eine in Moldawien und anderen osteuropäischen Ländern etablierte Musiktradition an, ging allerdings bald eigene stilistische Wege. Zuerst studierte er an der Akademie für Musik und Theater in der moldawischen Hauptstadt Chisinau, dann zog es ihn nach München. Am Richard-​Strauss-​Konservatorium (heute Hochschule für Musik und Theater) studierte er klassisches Akkordeon bei Bernd Maltry und Hugo Noth. Er machte Abschlüsse als Musiker und Musiklehrer, fing bald an, zu unterrichten. Er hat heute eine Menge Schüler als Lehrer an den Musikschulen in Freising und Ismaning. Parallel knüpfte er Kontakte in der Musikszene, wirkt inzwischen in einer Menge sehr unterschiedlicher Ensembles mit.
Da ist seine junge Band Moy Avaz, die jiddische Combo Gefilte Fish, das Martina Eisenreich Quintett, ein Duo mit der finnischen Sängerin Tuija Komi, Kooperationen mit Musikern der bayerischen Musikerfamilie Well, und einige andere. Und dann ist da natürlich Jisr, wo sich syrische, algerische, marokkanische und weitere arabische und afrikanische Musikstile nahtlos verflechten, ebenso wie Elemente aus Jazz, Rock und anderen Musikkulturen. Sie sind gut eingespielt in der Combo. Das ist für Mohcine Ramdan ein wichtiger Aspekt, den er an langjährigen Ensembles zu schätzen weiß. „Je mehr man mit den Leuten spielt, desto homogener wird der Sound“, stellt er dazu fest. Er selbst spielt, wenn er nicht die Gembri-​Saiten zupft, oft die Rahmentrommel Daf.

Münchens Weltmusikszene: ­entdeckt und erweitert

Dass er in München bleiben würde, war für Ramdan anfangs gar nicht so klar. Zuerst dachte er, die Stadt wäre eine Durchgangsstation. Dass es anders kam, hat mit der Wiederentdeckung der Musik zu tun. „Ich hatte, seit ich Marokko verlassen hatte, keine Musik mehr gemacht“, erinnert er sich. Dabei hatte er die Musiktradition seiner langjährigen Heimat Marokko früh kennengelernt, auf dieselbe Art wie sie weltweit bis heute oft gelernt wird: von einer Generation zur nächsten mündlich weitergegeben.

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