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Elegisch bis energisch

Elegisch bis energisch

Akkordeon und Saiten

Groovendes Cello, flirrende Violinensaiten, schwelgerische Streichersätze bis hin zum Sinfonieorchester, zarte Harfenmelodien oder voluminöser Basssound: Saiten und Akkordeon vertragen sich ausgezeichnet. Sie sind überall zusammen zu hören, angefangen bei der Folklore über den Jazzclub bis in die klassischen Konzertsäle – und auf die Rockbühnen. Wir haben mit verschiedenen Machern der hiesigen und weltweiten Szene gesprochen und uns ihre Musik angehört. Hier ein Überblick zu einigen der spannendsten musikalischen Kombinationen fürs Akkordeon.

Text: Christina M. Bauer Fotos: Hanspeter Giuliani, Ina ­Schwanse, Abel Núñez, Alexander Tulinov, Michael ­Reidinger, ­Kelly Davidson, Shendl Copitman, Sebastian Madej, Knut ­Utler, Sepp ­Pixner, The Klezmatics, Jobst Meese

Eine Solistin oder ein Solist am Akkordeon, eingerahmt vom Streichersound eines Orchesters. Oft ist es ein Kammerorchester, und manchmal sogar ein Sinfonieorchester. Okay, Klaviersolisten sind öfter zu hören, aber: Die beschriebene Konzertszene ist so selten trotzdem nicht. Es ist eines der wohl elegantesten Beispiele für die variationsreiche Kombination des Akkordeons mit Saiteninstrumenten. Das betrifft Konzerte, die adaptiert werden für diese Besetzung, obwohl sie vor einigen Jahrhunderten verfasst worden sind, auf dass jemand am Cembalo – später dann an den frühen Varianten des modernen Klaviers – den Solopart spielt.

Die Schweizer Akkordeonistin Viviane Chassot hat in den vergangenen Jahren ausgewählte Klavierkonzerte von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart eingespielt, die ersteren mit dem Kammerorchester Basel, die zweiteren mit der Camerata Bern. Der aus Serbien stammende Künstler Nikola Djoric, der seit Langem in Wien lebt, hat eben erst zwei Cembalokonzerte von Johann Sebastian Bach am Akkordeon für eine Aufzeichnung neu interpretiert. Das Kurpfälzische Kammerorchester übernahm hier die Streicherparts, und natürlich nicht nur diese. Es sind hörenswerte Beispiele für ein Spektrum an Möglichkeiten, dass akkordeonistisch sicher noch eine Menge Möglichkeiten bereithält.
Gar nicht alt, und trotzdem für ein anderes Soloinstrument geschrieben, sind Astor Piazzollas Konzertwerke. Da er diesen März 100 Jahre alt geworden wäre, werden diese derzeit wieder öfter eingespielt. Das Konzert Aconcagua haben eben erst Nikola Djoric mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester und der seinerseits aus Serbien stammende Jovica Ivanović mit dem Ukrainischen Kammerorchester aufgezeichnet. Beide interpretieren das 1979 für Bandoneon, Orchester und Percussion entstandene Werk als Solokünstler am Akkordeon.

Originale für Akkordeon und Streichorchester

Gleichzeitig entstanden und entstehen neue Werke, in denen das Akkordeon von vornherein als Soloinstrument vorgesehen ist. In dieser Hinsicht ist das 20. Jahrhundert und inzwischen das 21. Jahrhundert natürlich mit Abstand das ergiebigste. Das Akkordeon zählt immer noch zu den relativ „jungen“, jedenfalls nicht gar so alten, Musikinstrumenten. Im Spektrum zwischen Jazz, klassischer Musik, Tango und traditioneller Musik hat hier der französische Künstler Richard Galliano das Repertoire erweitert. Er hat abgesehen von weithin bekannten Stücken wie Tango pour Claude, Valse à Margaux oder New York Tango auch Konzertwerke geschrieben. Eines der bekanntesten ist das Opale Concerto von 1998 für Akkordeon und Orchester.

Heute etablierte Solisten und Lehrende wie Stefan Hussong (Professor an der Musikhochschule Würzburg), Claudia Buder (Professorin und Institutsleitende an den Musikhochschulen in Weimar und Münster) und Mie Miki (Professorin an der Musikhochschule in Essen) sind mit ihren eigenen Initiativen daran beteiligt, dass neue Werke entstehen. Sie kooperieren dafür mit Komponierenden weltweit und spielen entsprechend häufig Uraufführungen. Nicht selten werden Kompositionen auf sie als Solisten zugeschnitten. Das führt bei Weitem nicht nur, aber auch, zu Kompositionen für Akkordeon und Streichorchester oder Streichensemble. Da steht Claudia Buder schon mal mit den Wiener Philharmonikern im Konzert als Solistin auf der Bühne, oder Stefan Hussong mit den Berliner Philharmonikern.
Der renommierte Künstler Claudio Jacomucci konzertierte mit dem Sinfonieorchester der Mailänder Scala, dem Haydnorchester Bolzano und einer Menge mehr. Komponierende wie Luciano Berio, Franco Donatoni, György Kurtag zählen zu seinen Kooperationspartnern, und er schreibt zusätzlich selbst Musik. Es ist keine Frage, dass sie dabei alle teilweise an die Arbeit älterer Meister des klassischen Akkordeons und entsprechender Komponisten für solche Besetzungen anknüpfen, gleichzeitig aber selbst unzählige neue Wege erschließen.
Komponierende, die Musik für Akkordeon schreiben – und dann noch für große Besetzungen mit Streichern – gibt es heutzutage weltweit. Für sie ist es Anregung, Inspiration und manchmal der Anfang einer engen Kooperation, wenn Musizierende mit Ideen auf sie zukommen. Gerade im klassischen und zeitgenössischen Bereich sind die Komponierenden oftmals andere als die, die Werke spielen. Wolfgang Jacobi hat bereits in den 1950ern neben anderen Besetzungen für Akkordeon und Orchester geschrieben, Kurt Schwaen in den 1980ern. Die russische Komponistin Sofia Gubaidulina verfasste ihr Konzert Sieben Worte für Cello, Akkordeon und Streicher im Jahr 1982. Bei der Uraufführung spielte Friedrich Lips, inzwischen ist das Konzert ein oft gespieltes in der Konzertszene.

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