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Ein Leben mit der Musik

Brigitte Dejnega-​Stannek

Ein Leben mit der Musik

Mit Hohner Morino VM Akkordeon und Xylophon trat Brigitte Dejnega über Jahrzehnte auf. Sie spielte dabei als Solistin, in Orchestern und in der Musikalschau „Die 4 Hocevars“. Im Jahr 2020 feiert sie 66-jähriges Bühnenjubiläum.

TEXT: Piet van Bergen FOTOS: Joyce Karanfilyan (Fotografin ­Herne), Stasiewicz (Fotoprodukion ­Hamburg), Melchers (Fotostudio Herne ), Stadt ­Herne (Archiv)

In der Nachkriegszeit war die Stadt Herne als die „Goldene Stadt“ im Westen des Ruhrgebiets über die Grenzen hinaus bekannt. Herne war eine Hochburg für ein gesellschaftliches Leben mit Tanz, vielen Kinos, Nachtbars, Kneipen und eine Menge kultureller Veranstaltungen. Namhafte Herner Künstler aus den 1940er- und 1950er-Jahre trugen zu diesem Mythos bei. Der legendäre Jazzmusiker Kurt Edelhagen, ein „Junge“ aus dem Herner Stadtteil Sodingen, hat mit seinem Orchester Weltruhm erlangt. Ohne ihn wäre die Jazzwelt ein wenig ärmer. Die Eltern von Brigitte waren keine Ausnahmen in der damaligen Zeit. Sie begeisterten sich sehr für musikalische Darbietungen. Als Brigitte 8 Jahre alt war, konnte ihre Mutti sie für das Akkordeon begeistern. Damals ahnte Brigitte nicht, dass für sie damit die Basis für ein Leben als Profimusikerin geschaffen worden war.

Der in Herne ansässige Akkordeon-, Xylophon- und Vibraphon-​Virtuose Michael „Fred“ Hocevar wurde 1937 anlässlich der Pariser Weltausstellung Grand-​Prix-​Gewinner. Er erhielt eine Goldmedaille als Akkordeon-​Weltmeister. Ab 1957 wurde er Brigittes Musiklehrer, Mentor und Förderer. Nach Beendigung ihrer Akkordeon-​Ausbildung wurde 1959 mit Zustimmung ihrer Mutti- ein Vertrag bei ihm für eine Ausbildung zur Musikalartistin abgeschlossen. Er unterrichtete sie weiter auf dem Akkordeon und bildete sie zusätzlich auf einem chromatischen Xylophon für seine Musikalschau „Die 4 Hocevars“ aus.
Bereits während ihrer Ausbildung nahm Brigitte an verschiedenen Akkordeon-​Stadtmeisterschaften teil. Zu ihrem Leidwesen erlebte sie früh Neid und Ablehnung von manchen musikalischen „Spielgefährten“. Nicht selten flossen darüber Tränen der Enttäuschung. Schon mit 14 Jahren konnte Brigitte virtuos die „Ball-​Szene“ von Josef Hellmesberger in der Bearbeitung von Rudolf Würthner spielen. Mit diesem Stück nahm sie an einigen Stadtmeisterschaften teil. Neid und Ablehnung mancher aufgebrachter Eltern, die meinten, dass ihre Kinder die besten bei den Wertungsspielen seien, erlebte Brigitte bei ihrer ersten Stadtmeisterschaft 1959 in Herne.
Einige Eltern, die nicht akzeptieren wollten, dass Brigitte nach Bewertung der Jury die Höchstpunktzahl und damit den Titel Stadtmeisterin erspielt hatte, mischten sich wütend ein und wurden sogar handgreiflich. Die aufgebrachte Menge war der Auffassung, dass Brigitte Bühnenerfahrung hatte und somit als „professionelle“ Spielerin zu bewerten sei. Die Juroren wurden aufgefordert, dass Brigitte aus der Wertung genommen werden müsse. Schließlich knickten sie ein und reichten den Titel an die zweitplatzierte Spielerin weiter. Eine Prügelei zwischen dem Ausbilder der Zweitplatzierten und Brigittes Ausbilder Michael „Fred“ Hocevar konnte gerade noch verhindert werden! Rückblickend ist es fast amüsant, dass sich einige Musikverrückte wegen der subjektiven Beurteilung musikalischer Interpretationen sogar schlagen wollten.

Die Bretter, die die Welt bedeuten

Brigitte wurde ab 1957 ein festes Mitglied der damals einzigartigen Musikalschau „Die 4 Hocevars“, die dem Publikum eine atemberaubende, auf extreme Schnelligkeit getrimmte Bühnenartistik mit Akkordeon, Xylophonen und Vibraphon darboten. Musikalische Werke wie „Carneval von Venedig“, „Variationen Wilhelm Tell-​Ouvertüre“, „Säbeltanz“ („Sabre Dance“) von Aram Chatschaturjan oder „Erinnerungen an Zirkus Renz“ („Souvenir de Cirque Renz“) von Gustav Peters wurden mit frenetischem Applaus honoriert.

Bis heute ist die Begeisterung für Brigittes Spiel als Solistin auf dem Xylophon bei ihrem Paradestück „Souvenir de Cirque Renz“ ungebrochen und für das Publikum oft das Highlight eines Konzertes.
In den 1960ern erlebten die Musikal­artisten „Die 4 Hocevars“ vor allem in den damals hier stationierten amerikanischen Clubs Soldaten, die von der Musik total begeistert waren. Auf umgedrehten Stühlen sitzend hüpften sie im Takt zu der bekannten Melodie aus der „Wilhelm Tell Ouvertüre“ ausgelassen durch den Saal. Diese Eindrücke bleiben bei Brigitte bis heute unvergessen.
Ihr Weg führte Brigitte deutschlandweit in die größten Konzert- und Veranstaltungshäuser. Noch in der heutigen Zeit werden diese Hallen von internationalen Musikgrößen frequentiert. Hier einige Konzerthallen in NRW, die in den 1950ern und 1960ern ihre Blütezeit hatten und ... in denen „Die 4 Hocevars“ ihre Erfolge feierten: Westfalenhalle und Goldsaal Dortmund, Münsterlandhalle Münster, Grugahalle und Saalbau Essen, Siegerlandhalle Siegen, Phillipshalle Düsseldorf, Ruhrlandhalle Bochum, Mercatorhalle Duisburg, Gürzenich Köln, Hans-​Sachs-​Haus Gelsenkirchen, Vestlandhalle Recklinghausen, Rheinterasssen Düsseldorf, sowie große Säle in Nürnberg, München, Würzburg, Mainz, Aschaffenburg, Offenburg, Heidelberg, Überlingen, Hannover, Bremen, Hamburg und anderswo.
Unter den zahlreichen Veranstaltungen in den 1960er-Jahren waren große Jubiläumsfeiern. Die Veranstalter erstellten Bühnenprogramme mit erstklassigen Künstlern wie Gesangsolisten, Jongleuren und Artisten. So entstand für tausende Besucher ein Spitzenunterhaltungsprogramm mit ausgewählten Künstlern, die aus Funk und Fernsehen bekannt waren. Dabei galt die Musikalschau „Die 4 Hocevars“ als Topakt jeder Veranstaltung.

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