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„Dur ist sehr schwer“

„Dur ist sehr schwer“

Fünf Komponistenpreise verlieh ihm allein die Confédération Internationale des Accordéonistes.

Seit einigen Jahren zählen die Werke von Gorka Hermosa weltweit mit zur meist gespielten Akkordeonmusik. Stücke wie Anantango, Gernika, Brehme, das Neotango Concerto oder die 4 Dances from Iberia erreichten Konzertsäle in Frankreich, Finnland, Litauen, Estland, Österreich, Ungarn, der Türkei, Brasilien, den USA, Korea und anderen Ländern. Das war nicht immer so. Im Interview spricht der Baske über das Komponieren für Akkordeon, Idole wie Astor Piazzolla und Richard Galliano, die Integration von spanischer Folklore, Klassik und Jazz, warum er selbst fast nur in moll komponiert und was er jungen Akkordeonisten für ihre künstlerische Entwicklung rät.

Text: Christina M. Bauer; Fotos: Oscar Sánchez, Jo Illera, JME, Porta Ferrada Festival, Unai Alonso, Abel Núñez, Martynas Levickis, Maxi Del Campo, Enrique Gutiérrez Aragón

  • Die Confédération Internationale des Accordéonistes hat dir den diesjährigen Preis als bestem Komponisten verliehen, insgesamt schon zum fünften Mal. Was ist besonders am Komponieren für Akkordeon?

Ich denke, es ist relativ schwer für jemanden, der nicht Akkordeon spielt, für dieses Musikinstrument zu komponieren. Ähnlich wie etwa bei der Gitarre ist es ein sehr idiomatisches Musikinstrument. Etwas, das beispielsweise am Klavier relativ leicht ist, kann am Akkordeon fast unmöglich zu spielen sein. Etwas, das am Akkordeon relativ leicht ist, kann am Klavier sehr schwer sein. Ab und. zu, wenn ich mit Komponisten arbeite, versuche ich anfangs zu erklären, dass es ähnlich ist wie das Komponieren für eine Orgel. Natürlich ist es nicht dasselbe, es ist sehr speziell. Man muss ein Musikinstrument wirklich gut kennen, um es sinnvoll einzusetzen. Deswegen denke ich, wie Mogens Ellegaard und andere Akkordeonisten, wenn man mit Komponisten arbeitet, die nicht Akkordeon spielen, ist es wichtig, es ihnen zu zeigen. So bekommt man ein gutes Repertoire. Es ist dabei ebenso wichtig, Werke von Akkordeonisten zu entwickeln, die komponieren, wie Zolotaryov, Semionov, Makkonen, Angelis, Galliano, oder von mir. Wir kennen das Musikinstrument besser. Ich denke, es ist interessant, beide Aspekte in unserem Repertoire zu haben!

  • Oft komponierst du für Soloakkordeon, Ensemble oder Orchester und spielst selbst mit. Oft interpretieren auch andere deine Musik. Wie ist das, kannst du da entspannt zuhören, oder gibts ein Gefühl wie „Das muss aber so gespielt werden“ ?

Für mich ist das eine wundervolle Erfahrung, eine der schönsten in der Musik! Jeder Mensch ist anders. Es ist unmöglich, einen Menschen dazu zu bringen, genau das zu spielen, was ich möchte. Ich denke, das Wichtigste ist, dass es eine persönliche Interpretation gibt. Wenn ich mir eine Interpretation eines Stücks anhöre, das ich nicht so spielen würde, aber es ist eine persönliche Interpretation, so respektiere ich das. Mir gefällt das, denn es zeigt eine weitere Seite der Komposition. Ich ermutige Leute dazu, frei in ihrer Interpretation zu sein, wenn sie meine Musik interpretieren.

  • Du hast seit den 1990ern viel komponiert und du teilst davon eine Menge mit der Akkordeonszene, etwa durch freie Downloads auf deiner Website. Ist das für dich ein wichtiges Anliegen?

Da sind einige Aspekte. Ich las einen Satz von Rob Howard: „Jeder Akkordeonist ist mein Freund, selbst wenn er es nicht weiß.“ Als ich sehr jung war, gab es kein Internet, und ich hatte Schwierigkeiten, Repertoire zu finden, das ich spielen konnte. Es gab Anfragen von Streichern und Streichquartetten, und ich hatte kein Originalrepertoire, das ich dafür bekommen konnte. Es war schwer, an solche Partituren heranzukommen. Manchmal wollte ich mit Fagott arbeiten, mit Harfe, oder sonst einer ungewöhnlichen Kombination von Musikinstrumenten. Dann inspirierte mich die Musik von Astor Piazzolla. Er komponierte und arrangierte für zahlreiche Besetzungen, allerdings immer mit Bandoneon. Ich versuchte, mit meinen Kompositionen etwas ähnliches zu erreichen, mit Akkordeon. Also erstellte ich, wenn ich zum Beispiel einen Auftritt mit einem Fagottisten hatte, selbst ein geeignetes Arrangement, das ich mit ihm spielen konnte. Schließlich startete das Internet. Zu der Zeit wandte ich mich an Verlagshäuser, um meine Musik zu verbreiten. Nur war das sehr teuer und kompliziert, die Noten zu drucken, zu verkaufen und per Post zu versenden. Also beschloss ich, es wäre einfacher, meine Noten online zu stellen, damit Leute sie downloaden können. Nach mehreren Jahren merkte ich, dass das sehr neu war, Noten online zu teilen. Eventuell hat das dabei mitgeholfen, meine Stücke in der ganzen Welt zu verbreiten.

  • Heute gibt es zahlreiche Musiker, Orchester und Konservatorien, die deine Stücke spielen. Sicher ist das eine positive Erfahrung. Komponisten schreiben Musik, damit diese gespielt wird.

Ich war erstaunt. Bescheiden habe ich mich gefragt, warum diese Musik sich so verbreitet hat. Ich denke, sie ist zugänglich. Viel, was wir heute haben, ist zeitgenössische Musik, die sehr interessant ist für den Komponisten und für den Musiker, allerdings nicht immer für das Publikum. Ich habe an Wettbewerben teilgenommen und Konzerte gespielt, bevor ich komponiert habe. Der Künstler auf der Bühne sucht die Kommunikation mit dem Publikum, er möchte den Beifall der Zuhörer. Mit zeitgenössischem Repertoire empfand ich oft eine große Distanz zwischen Künstler und Publikum. Es gab da eine Leerstelle im Repertoire für Akkordeon. Wir hatten Komponisten, die Zeitgenössisches schrieben. Wir hatten dagegen keine tonale Musik, wie bei Mozart, Brahms oder Chopin in unserem Repertoire. Wir hatten Makonnen oder Angelis, und ich versuchte, mich an ihrem Beispiel zu orientieren. Wir sind nur einige wenige, die solche Stücke für Akkordeon schreiben.

  • Durch die melodischen, tonalen Aspekte ist sie vielen Menschen zugänglich.

Es ist leicht, der Musik zuzuhören, dabei schwer, sie zu spielen. So können die Künstler ihre technischen Fertigkeiten und ihre Energie zeigen, und das Publikum kann trotzdem gut zuhören.

  • Du selbst hast deine Musik in Solo Recitals, mit Ensembles und Orchestern gespielt. Ist das gleich wichtig oder hast du ein bevorzugtes musikalisches Zuhause?

Ich spiele wirklich nicht gern Solo.

  • Tatsächlich?

Als ich jung war, machte ich die meiste Zeit Soloauftritte. Für mich ist allein spielen nett, aber es ist besser, mit Freunden zu spielen. Ich hab das Glück, mit Freunden zu spielen, und mit sehr talentierten Leuten. Als ich zwischen 20 und 30 Jahre alt war, war ich von der Akkordeonwelt relativ weit entfernt. Ich trat auf mit Künstlern aus der klassischen Musik, Jazz, Flamenco, Gypsy, allen Stilen. Ich lernte eine Menge von all diesen Leuten. Als ich wieder in die Akkordeonwelt kam, merkte ich, dass ich anders war als diejenigen, die immer Werke von Baskakov oder Semionov interpretiert hatten, oder solches zeitgenössisches Repertoire. Je mehr ich musizierte, umso mehr wurde mir klar, was mir wirklich gefällt ist, mit Leuten zu spielen. Ich gebe nicht allzu gern Ratschläge. Wenn ich junge Akkordeonisten aus aller Welt unterrichte in Master Classes, sage ich ihnen: „Spielt nicht nur mit Akkordeonisten, spielt mit anderen Musikern.“

  • Du selbst hast oft komponiert für Akkordeon und Streicher. Das scheint eine gute Kombination zu sein, um dafür Musik zu schreiben.

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