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“Die Musik hat mir das Leben gerettet” - Esther Bejarano

Es ist uns eine Ehre, hier ihre Geschichte erzählen zu dürfen.

 

Text und Interview: Eva Geiger-Haslbeck

Fotos: privat (entnommen aus dem Buch „Erinnerungen“, erschienen im Hamburger Laika-Verlag), Gesche M. Cordes/Jüdische Allgemeine, Microphone Mafia

 

Ein Montagmittag im September, kurz nach zwölf. Esther Bejarano nimmt schon nach zweimal Klingeln das Telefon ab. Ein bisschen müde klingt sie zu Anfang, aber das gibt sich schnell – ihre Stimme ist fest und klar. Mitte Dezember feiert Bejarano ihren 95. Geburtstag. Und sie ist nach wie vor aktiv: als Sängerin – mit der Rap-Band Microphone Mafia geht sie auf Tournee – und Autorin. Sie hat Bücher geschrieben, über ihre Kindheit und Jugend in Nazideutschland, ihr Leben in Israel nach 1945, ihre Rückkehr nach Deutschland. Sie war in Talkshows und auf Podiumsdiskussionen.  Ist Gründerin des Auschwitz-Kommittees, das Bildungsreisen in Konzentrationslager, Zeitzeugengespräche in Schulen und Veranstaltungen gegen das Vergessen organisiert. „Künstlerin für den Frieden“ nennt Bejarano sich im Titel ihrer 2007 veröffentlichten Autobiografie. Der Frieden, für viele von uns selbstverständlich, fühlt sich heutzutage fragil an für Esther Bejarano.

 

Kindheit und Jugend

1924 wird sie als Esther Loewy in Saarlouis als jüngstes von vier Kindern geboren, ein Jahr später zieht die Familie nach Saarbrücken. Esthers Vater ist Kantor in der Jüdischen Gemeinde, das Elternhaus ein offenes, musikalisches Haus. Die Kinder bekommen Begeisterung für Musik und Kultur vorgelebt. Esther lernt Klavierspielen – ein Umstand, der ihr später das Leben retten sollte.

Das Saarland wird 1935 an das Deutsche Reiche angegliedert; schon ein Jahr zuvor gibt es die ersten antisemitischen Vorfälle. Esther, damals neun, knapp zehn Jahre alt, erinnert sich: „Zuerst mussten wir aus den christlichen Schulen raus. Die jüdische Gemeinde hat eine jüdische Schule eröffnet, die meine Schwester Ruth und ich besuchten. Meine ältere Schwester Tosca und auch mein Bruder mussten vom Gymnasium abgehen und irgendeinen Beruf ergreifen. Das war nicht ganz einfach, weil Juden nichts mehr lernen durften.“ Viele, sagt Bejarano, seien damals schon ausgewandert, aber ihr Vater, der ein „deutscher Patriot“ war, war davon überzeugt, dass seiner Familie nichts geschehen könne: „Er hat im ersten Weltkrieg für sein sogenanntes Vaterland gekämpft und war sich sicher, dass die Deutschen niemals zulassen würden, dass ihm oder uns etwas passiert. Da hat er sich natürlich sehr getäuscht. Dazu kam, dass wir gar nicht die Mittel hatten, alle zusammen ins Ausland zu Reisen oder auszuwandern. Mein großer Bruder wurde schließlich von meinen Eltern nach Amerika geschickt, meine Schwester nach Palästina. Und mein Vater hat sich in einer jüdischen Gemeinde in der Schweiz beworben – wo sie ihn nicht angenommen haben, weil er laut Hitlers Rassengesetzen ein 'Mischling' war. Er hatte eine christliche Mutter. 'Mischling 1. Grades', so hat man das damals genannt.“ Esthers Vater ist nicht jüdisch genug für eine Stelle in der Schweiz – aber auch nicht 'arisch' genug, um in Deutschland sicher leben zu können. 

Esthers Schwester Ruth, ihre Eltern und sie selbst bleiben also. Aber nicht, ohne sich auf eine mögliche Flucht vorzubereiten: „Ruth ist in ein Vorbereitungslager gegangen (in den 1920er und -30er Jahren gab es die sogenannten 'Hachscharas', von der jüdischen Jugendbewegung getragene Vorbereitungscamps, die auf das Leben in Palästina vorbereiten sollten. Es wurde Hebräisch gelehrt, das Bestellen landwirtschaftlicher Grundstücke, die Grundideen des Zionismus und das Zusammenleben als jüdische Gemeinschaft, Anm. d. Red.). Ich bin ebenfalls in ein Vorbereitungslager gegangen, in die Nähe von Berlin. Aber das hat alles nicht mehr geklappt.“ Das Lager wurde von den Nazis geschlossen, Esther zur Zwangsarbeit eingezogen, zunächst nach Neuendorf bei Fürstenwalde. „Wir wurden meist zur Außenarbeit eingeteilt. Das war sehr schwere, körperliche Arbeit, die man kaum lange durchhalten konnte. Ich habe in einem Blumengeschäft gearbeitet. Da hatte ich großes Glück, denn mein Chef und meine Chefin, das waren keine Nazis. Die haben mich sehr gut behandelt – vielen Freundinnen und Freunden von mir ging es da ganz anders. Die mussten Außenarbeit in irgendwelchen landwirtschaftlichen Betrieben leisten und wurden dort oft sehr schlecht behandelt.“ Gewohnt hat Bejarano damals im Arbeitslager, es wurde täglich hin- und hergefahren, unter strenger Bewachung der Nazis.

1943 wurde das Lager geschlossen. „Alle mussten sich in Berlin einfinden, in einem Sammellager in der Großen Hamburger Straße. Von dort sind wir dann, über 1000 Leute, in Viehwaggons nach Auschwitz gekommen.“ Das war am 20. April 1943.

 

Auschwitz

Die harte Arbeit, die sie im Lager leisten muss, treibt Esther an die Grenze ihrer Belastbarkeit....

Weiter geht`s in #71

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