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Der Clan der ­Harmonikas [2]: Die diatonischen Harmonikas

Der Clan der ­Harmonikas [2]: Die diatonischen Harmonikas

„Was kann mein Instrument –  und was kann deines?“

Im ersten Teil der Reihe „Clan der Harmonikas“ wurde im Heft 2 |2020 des akkordeon magazins eine Übersicht von mir veröffentlicht: Welche Instrumente gehören zum Clan der Harmonikas? Ab dieser Ausgabe möchte ich euch nun einzelne Vertreter dieser Familie näher vorstellen. Das Thema diesmal: die „diatonischen Harmonikas“. Mit meinem chromatischen Tastenakkordeon traf ich Jan Budweis und sein diatonisches Knopfakkordeon, um zu erfahren: „Was kann mein Instrument – und was kann deines?“.

Begriffsklärung: Diatonischist seit der altgriechischen Musiklehre die Bezeichnung für eine durchgängige, siebenstufige Tonleiter (etwa im Gegensatz zur pentatonischen Fünftonleiter). Diatonische Instrumente sind im Prinzip an eine Ausgangstonleiter gebunden (etwa D-​Dur). Diatonische Harmonikas sind außerdem fast immer wechseltönig, d. h. bei Zug und Druck sind die Knöpfe verschieden belegt.

Interview und Text: Peter M. Haas Fotos und Grafiken: Peter M. Haas, Jan Budweis

Mein Gesprächspartner ist Jan Budweis, Leiter des Budweis-​Quartetts, einer der Organisatoren des jährlichen Tanz-​und Folkfestivals Berlin (TFFB) und Dozent in zahlreichen Workshops zu Folkmusik und Tanz.

Peter Haas: Lieber Jan Budweis, dein und mein Instrument – sie kommen mir vor wie zwei Schwestern oder Kusinen, die kaum etwas voneinander wissen. Auch die Fangemeinden sind ja recht unterschiedlich. Kein Wunder, dass selbst der Verlag des akkordeon magazins zwei verschiedene Fachmagazine führt: Das akkordeon magazin, das vor allem die (chromatische) Akkordeonkultur zum Thema hat, und die Zwiefach, in der es um Volksmusik und dabei manchmal um Harmonika geht.

Edelweiß und Gebirgsjodler?

Obwohl ich ja einiges aus der neuen Folk-​Szene kenne, denke ich bei den „diatonischen“ als erstes an Edelweiß und Gebirgsjodler. Ich denke aber auch an „Griffschrift“ – ein Instrument für Leute, die keine Noten können. Ob es in deiner Szene ähnliche Vorurteile gegenüber den „Klugscheißern“ auf den Tasten gibt?
Jan Budweis: Ich denke, das allgemeine Vorurteil anderer Musiker hat immer die Akkordeons gemeinsam betroffen – als Instrumente, auf denen man nur primitive Musik machen kann. Aber da hat sich ja zum Glück in den letzten Jahrzehnten unglaublich viel bewegt, weg vom Image des Schifferklaviers.

Hast du denn jemals bewusst vor der Entscheidung gestanden: Akkordeon oder diatonische Harmonika?

„Um ehrlich zu sein, das Pianoakkordeon hat mich nie interessiert.“

Jan Budweis: Meine Instrumentenwahl verlief ganz anders. Um ehrlich zu sein, das Pianoakkordeon hat mich nie interessiert. Auch wenn ich dich um die Logik, die dein Instrument gerade im Bass hat sehr beneide. Mich interessierte so sehr, wie Klänge entstehen, ich habe ganz verschiedene Instrumente begonnen, teilweise auch autodidaktisch: Gitarre, Viola da Gamba, Fagott, Saxofon, dann habe ich mir eine Drehleier und einen Dudelsack selbst gebaut, und unter anderem spielte ich auch eine kleine, diatonische Harmonika. Die Frage: Wie kann ich die Beschränkungen dieses kleinen Instrumentes überwinden, brachte mich zum Bandoneon.

Dieses Instrument hast du dann in Rotterdam an der Weltmusikabteilung des Konservatoriums studiert.

Jan Budweis: Ja, es war eine großartige Erfahrung. Allerdings steckte das Studium aus meiner Sicht noch in den Kinderschuhen. Die Studenten mussten die Originalpartituren alter Tangoarrangements eine nach der anderen beherrschen. Später habe ich jahrzehntelang in Berlin Tango gespielt. Mit dem Ensemble Sabor a Tango hatten wir ein Tango-​Orchester in Originalbesetzung, ein authentisches Orquesta tipica. Über Tango-​Feeling, Phrasierung, Groove und Improvisation habe ich unendlich viel in den Jahren gelernt, als ich mit dem argentinischen Gitarristen Coco Nelegatti zusammen spielte, nach dem Rotterdamer Studium.

„ … und immer mehr reizte mich das Naive, Groovige.“

Aber allmählich wuchs der Gedanke: Fünfundzwanzig Jahre Tango sind genug! Und immer mehr reizte mich das Naive, Groovige, die vielen Möglichkeiten zur Kreativität, die im Spiel mit der diatonischen Harmonika liegen.

Du hast ja längst nicht mehr dein altes, zweireihiges Instrument …

Jan Budweis: Vor drei Jahren habe ich mir von Frans van der Aa in den Niederlanden ein maßgeschneidertes Instrument bauen lassen.

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