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„Das war immer meine Materie“

Filmkomponistin Martina Eisenreich

Mondmann, Nimmermeer, Tatort, Spreewaldkrimi, Wildling – es sind einige der unzähligen Filme, in denen Musik von Martina Eisenreich zu hören ist. Inzwischen gastiert sie neben deutschen Studios zusätzlich in Hollywood, arbeitet mit namhaften Orchestern und dirigiert sie immer öfter gleich selbst. Ihr eigenes Hauptinstrument ist zwar Violine, aber Akkordeon fand sie immer schon besonders toll. So sind in ihren Kompositionen für Film, Fernsehen, Bühne oder Ensemble oft Andreas Hinterseher, Vlad Cojocaru und Johann Zeller zu hören. Bei sich zu Hause hat die Bayerin mit dem roten Lockenschopf nicht nur immer mehr Musik- und Kulturpreise, sondern auch mehrere Akkordeons. Ab und zu spielt sie eines davon – mindestens an Weihnachten.

Text: Christina M. Bauer Fotos: Christoph Bombart, ­Roswitha Mannseicher, ­Yakup ­Zeyrek, Thomas Hecker, K. Borchert & A. Pfluger, Peter Bauersachs, Lupi Spuma

Sie hatte immer nur Musik im Kopf. Bis heute ist das so geblieben, und mit ihrem Talent, Engagement und der richtigen Förderung zur rechten Zeit darf sich Martina Eisenreich bereits jetzt zu einer der erfolgreichsten Komponistinnen zählen. Dass sie sich dabei sehr für Akkordeon begeistert, hat zu hörenswerten Kooperationen besonders mit Andreas Hinterseher, Vlad Cojocaru und Johann Zeller geführt. Alle drei sind bekannt für ihr Akkordeonspiel in verschiedensten Jazz- und Weltmusikensembles, treten teilweise in Bands mit Eisenreich als Violinistin auf. Inmitten ihres vielseitigen kreativen Schaffens ist in der von ihr komponierten Film- und Konzertmusik oft Akkordeon zu hören. Immerhin war es in den frühen 1980er Jahren ihr erstes, eigenes Musikinstrument. Als Dreijährige bekam sie es von ihrem Vater geschenkt, startete damit ihre ersten musikalischen Erprobungen. Heute lebt sie mit ihrer Familie im beschaulichen Erding nahe München, in der Gegend, in der sie selbst damals aufgewachsen ist, und wieder gibt es Akkordeons im Haus. Mit ihrem roten Lockenschopf wäre die Komponistin aber wohl mühelos auch in einer größeren Menschenmenge schnell zu finden. Besonders durch ihre Arbeiten für Film, Theater und Fernsehen ist sie inzwischen bekannt, und gerade in den letzten Jahren hat sich wieder einiges getan. Als erste Frau durfte sie 2018 den Deutschen Filmmusikpreis entgegennehmen, für ihre außergewöhnliche Musik zum Tatort Waldlust. Nun im Jahr 2020 gibt es gleich zwei Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Musik. Die Filme sind Endlich Witwer und Spreewaldkrimi: Zeit der Wölfe. Bis Ende November bleibt es spannend, dann soll die Jury entscheiden.

Ob sie das alles so erwartet hat? „Das habe ich gar nicht erwartet“, zeigt sich die Künstlerin bescheiden. Es ist Ende Oktober, für ein Interview hat sich Martina Eisenreich im Münchner Kulturzentrum Gasteig eingefunden. Am selben Abend gibt es eine interessante Uraufführung eines ihrer neuesten Werke. Es entsteht immer Neues für die verschiedensten Besetzungen und Formate. Dieses Mal ist es ein Stück für Klavier-​Flöten-​Duo mit dem klangvollen Titel Du tratst aus meinem Traume. Es spielen Eva Schieferstein und Elisabeth Weinzierl im Kleinen Konzertsaal. In deren Repertoire ist Eisenreichs Werk in illustrer Gesellschaft, etwa von Fanny Hensel, Cécile Chaminade und Sofia Gubaidulina. Nachher wird sich zeigen, das Publikum weiß es zu schätzen, und die Plätze, die trotz Covid genutzt werden dürfen, werden alle besetzt sein. Zwei Stunden vorher ist es im Kulturzentrum ruhig. Die Komponistin hat neben dem Stehtisch ihre sehr aufgeräumte Handtasche platziert, es leuchten weiße Kopfhörer und ein kleines, buntes Make-​Up-​Sortiment heraus.

Waldlust, erinnert sie sich, das war eine der bisher ungewöhnlichsten Produktionen. Auch deswegen hatte sie kaum erwartet, dass es dafür den Filmmusikpreis geben könnte. Die Zusammenarbeit mit Regisseur Axel Ranisch hat sich dabei ein weiteres Mal als besonders ergiebig in Sachen Musik erwiesen. Nicht umsonst ist Ranisch selbst sehr musiknah, übernimmt Regie für Opern, und arbeitet derzeit mit Eisenreich an einer gemeinsamen Oper. Für den Tatort bedeutete das eine sonst sehr seltene Vorgehensweise, bei der die Musik komplett vorgehen durfte. Zuerst die Musik, dann der Film dazu, fast immer ist das anders herum. So konnte die Musikerin nun eine aufwendige Orchesterkomposition kreieren, die alle Schauspieler nachher auf Kopfhörer am Set anhörten. Die Szenen und der gesamte Ablauf wurden so gespielt und zusammengestellt, dass sie zur Musik passten. Dass ein solcher Ansatz der Musikschreibenden nur gefallen konnte, versteht sich von selbst.
Gern ist Eisenreich auch sonst früh im filmischen Entstehungsprozess dabei, damit es zwischen der Entstehung der Musik und der des Films noch möglichst viel Interaktion geben kann. In ihrer Kooperation mit Regisseurin Pia Strietmann ist das oft so. Dann gibt es eine frühe Kommunikation von Ideen, schließen sitzen beide irgendwann im Schneideraum und stimmen Feinheiten von Musik und Filmszenen aufeinander ab. Allerdings: Wenn bei einer Produktion vorher alles fertig ist und eine passende Musik zum Film ergänzt werden soll, macht die Erdinger Künstlerin das genauso. Alles exakt auf den Punkt zu bringen, sieht sie als willkommene, etwas andere Herausforderung. Es mag weniger künstlerisch anmuten, einfach ist es deswegen nicht.
Und so ist ihre Musik in Fernsehkomödien genauso zu hören wie in Krimis, Dramen oder Familienfilmen, und inzwischen gar in US-​Kinofilmen. Fernab der hiesigen Filmstudios war sie dazu in Hollywood des Öfteren zu Gast und hat dort für große Produktionen Musik geschrieben. Derzeit gibt es wegen Covid kaum Reisen, dafür mehr Onlinekommunikation. Bei all dem kann man feststellen, dass sie früh in ihrer Karriere ist und eine Menge vor sich hat. Manche der namhaften, internationalen Komponistinnen hat ihren 80. Geburtstag schon gefeiert, Eisenreich ist gerade mal halb so alt. Die neuesten Auszeichnungen sind ausgewählte Highlights inmitten von inzwischen zahlreichen Musikpreisen. Ihr Austausch mit dem Metier Film verändert sich fortwährend, immer öfter kommen nun orchestrale Formate ins Spiel. Die Arbeit mit Orchestern kennt die Künstlerin, bisher waren das Deutschen Filmorchester Babelsberg, das Münchner Rundfunkorchester, Mitglieder der Münchner Philharmoniker, die Staatsphilharmonie Rheinland- Pfalz und andere dabei. Immer öfter hat sie selbst den Taktstock in Händen, lernt Dirigieren unter anderem mit David Newman.

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