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Claudia Buder

Zwischen Hochschule und Konzertsaal: Claudia Buder

Sie ist Orchestersolistin auf Konzertbühnen, Professorin an der Hochschule und Initiatorin eines Studiengangs in Münster. Claudia Buder hat die klassische und zeitgenössische Akkordeonkultur in vielerlei Hinsicht belebt und mit aufgebaut. Auf der Bühne stand sie mit den Wiener Philharmonikern, dem BBC Symphony Orchestra, der Sinfonietta Leipzig, der Staatskapelle Weimar, dem Ensemble Modern und vielen anderen. Seit letztem Herbst leitet sie das Institut für Neue Musik und Jazz an der Hochschule für Musik in Weimar. Im Interview spricht sie über neue und neu entdeckte Werke, das Gestalten von Lernumwelten an Hochschulen und mögliche Entscheidungshilfen für Lehr- und Studieninteressierte.

Interview und Text: Christina M. Bauer; Fotos: Guido Werner, Ina Schwanse, Claudia Buder

Im Juni berichtet Claudia Buder im Videointerview von Münster aus über ihre facettenreiche Tätigkeit und ihre Sicht auf die Welt der Akkordeonmusik.

-     Sie sind Professorin für Akkordeon an der Musikhochschule FRANZ LISZT in Weimar, und dort nun außerdem Direktorin des Instituts für Neue Musik und Jazz.

Genau, ganz frisch seit dem Wintersemester 2019/20.

-     Eine spannende Tätigkeit, da haben Sie einiges aufzubauen.

Ja, das ist wirklich gerade sehr spannend, weil unser Institut ein besonderes ist. Dazu gehören die Fachrichtung Jazz, aber auch die für Komposition und Neue Musik, und jetzt sogar eine ganz neue Professur für elektroakustische Komposition und Klangkunst in Verbindung mit der Bauhaus Universität.

-     Das sind eine Menge Aspekte, und das Akkordeon ist ein Teil davon. Sicher gibt es Vernetzung und Interaktion der Bereiche.

Das ist geplant, wir sind quasi mittendrin. Die Fachrichtung Akkordeon gehörte früher zum Institut für Tasteninstrumente. Es gibt mit jedem Musikinstrument Verbindungen. Jetzt mit der Neuen Musik und dem Jazz denke ich, dass wir eine gute Basis haben, um Dinge aufzubauen.

-     Sie sind häufig im Bereich Neue Musik unterwegs. Hatten Sie mit Jazz bisher oft zu tun?

Eigentlich nicht, aber das Antrittskonzert im April 2019 habe ich zusammen mit dem Jazzpianisten Achim Kaufmann gestaltet. Das war sozusagen die Ouvertüre.

-     Sie haben zahlreiche Uraufführungen gespielt, im Bereich moderne Oper mit Akkordeon, oder in der Konzertmusik. Tut sich in diesem Bereich derzeit besonders viel für Akkordeon?

Ich denke schon. Es gab in der Neuen Musik immer Aktivitäten, die mit unserem Musikinstrument zu tun haben. In den letzten zehn, zwanzig Jahren haben mehr Komponisten das Instrument für sich entdeckt. Eine Menge Komponisten aus dem vor allem klassischen Bereich stellten fest, dass das Akkordeon eine interessante Klangfarbe hat, dass man altes Repertoire neu instrumentieren kann und damit völlig andere Facetten hörbar macht. Die Oper Eugen Onegin von Tschaikowskiwurde in Weimar neu instrumentiert. Viele waren begeistert und sagten: "Das ist unglaublich, was da alles möglich ist!“ Das ist ein Satz, den die klassischen Akkordeonisten häufig zu hören bekommen.

-     Die Musik ist also bekannt, wird allerdings anders rübergebracht.

So ist es, das Neuentdecken alter Musik hat sich in den letzten Jahren immer weiter entwickelt. Bis in die 1970er und 1980er kam verstärkt, oder sogar ausschließlich, der neue Aspekt zur Geltung.

-     Bei der Uraufführung völlig neuer Werke, die es bisher nie gegeben hat, tut sich heute offenbar ebenfalls einiges.

Genau. Spannend ist außerdem, dass immer wieder neue Opern in die Spielpläne gelangen. Das finde ich positiv und wichtig. Inzwischen hat man gar keinen Überblick mehr. Als ich Studentin war, konnte man eindeutig die Zentren Neuer Musik und die Zentren einer bestimmten Akkordeonkultur ausmachen. Inzwischen gibt es eine solche Menge engagierte Künstlerinnen und Künstler, dass ein großartiges und unübersichtliches Feld entstanden ist.

-     Sie haben an der Musikhochschule in Münster den Studienbereich Akkordeon aufgebaut. Wie ist Ihre Erfahrung damit, und wie geht es damit weiter?

Man sagt, wenn eine Institution oder ein Bereich völlig neu installiert wird, dass vor allem Geduld notwendig ist. Da kann man nicht nach einem Jahr sagen, jetzt haben wir angefangen, und nun läuft der Laden. Man braucht Geduld, um Strukturen aufzubauen, eine Stilistik zu entwickeln und klare Wege aufzuzeigen. Was ich gut finde, ist, dass jede Hochschule ihr eigenes Gesicht und ihre eigenen Strukturen hat. Dadurch installiert jede Hochschule individuelle, personalisierte Musikszenen, das finde ich überaus spannend. In Münster gibt es Dinge, die es in Weimar so nicht gibt, und umgekehrt.

 

"Was ich gut finde, ist, dass jede Hochschule ihr eigenes Gesicht und ihre eigenen Strukturen hat."

 

-     Was ist das zum Beispiel?

In Münster gibt es ein Festival für Neue Musik, das in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule gestaltet wird. Dort spielen Studierende und Professoren in wechselnden Konstellationen. So wird ein Engagement von allen Seiten erwartet. Weiterhin gibt es einen Meisterkurs für Studieninteressierte. Das ist ein verlängertes Wochenende, zu dem alle eingeladen sind, die sich für ein Studium interessieren. Sie erhalten Unterricht und können Dinge ausprobieren.

-     Also eine konkrete Vorschau auf ein mögliches Studium.

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