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Ein Instrument für die Kleinsten und ihre Lehrer

Kleines Akkordeon – große Wirkung

Hohner XS. Ein Instrument für die Kleinsten und ihre Lehrer

Text und Interviews: Eva Geiger-Haslbeck

Jeder, der Kinder mit musikalischen Ambitionen hat, kennt das Problem: Das Interesse am Instrument ist anfangs groß, die Möglichkeiten zur Umsetzung sind – gerade bei noch sehr kleinen Kindern – gering. Wie kann man die Begeisterung aufrechterhalten? Ganz klar: mit kindgerechter Spielliteratur, aber auch, und das vor allem, mit einem kindgerechten, einfach zu bedienenden Instrument, das schön klingt und schnelle Erfolge verspricht. Dass das Akkordeon bisher in der Regel nicht die erste Wahl war, erklärt sich fast von selbst. Viele Knöpfe und Tasten sehen zwar auf den ersten Blick spannend aus, sind aber für kleine Hände schwer zu bedienen. Die meisten Akkordeons, auch die „kleinen“, sind überdies nicht unbedingt Leichtgewichte. Da sind Gitarre, Flöte oder Glockenspiel schneller geschultert und geschleppt. Nicht zuletzt muss man bedenken, dass das Akkordeon momentan auch in der musikalischen Früherziehung eher selten eingesetzt wird. Hohner möchte das ändern – mit einem neu entwickelten Kinderakkordeon, dem „Hohner XS“. Wir haben uns das Instrument ganz genau angeschaut und mit einigen an dessen Entwicklung beteiligten Personen gesprochen.

Es ist ein lustiger Anblick. In geselliger Runde Anfang Januar sitzt ein ausgewachsener und musikalisch höchst bewanderter Akkordeonist auf einer Wirtshausbank und spielt; um seine Schultern hängt allerdings nicht das typische Konzertinstrument, sondern eine klitzekleine, rundliche, taubenblau-orange lackierte Variation davon, mit deutlich weniger Knöpfen und Tasten. Aber, und das fällt sofort auf: mit einem erstaunlich vollen Klang, schönen Bässen, ohne Quietschen und Klirren. Jemand hatte das neue Kinderakkordeon, die Hohner XS, dabei. Und nachdem es ausführlich von vielen neugierigen Augen betrachtet worden war, musste es natürlich auch probegespielt werden. Der Akkordeonist? Voll zufrieden. Und der Rest der Runde? Erstaunt über die klangliche Wucht und bestens unterhalten von der spielerischen Einlage.

Ein Instrument für Kinder, das ganz anders aussieht, ganz anders gebaut wird und trotzdem klingt wie ein „großes“ Akkordeon. Hohner hat in den letzten zweieinhalb Jahren viel Entwicklungsarbeit in die XS gesteckt. Mit Erfolg, wie es scheint. Und mit einem sehr konkreten Ansatz.

„Es gibt kleine Akkordeons, aber bisher keines, das nur für Kinder gemacht ist“, sagt Christian Dehn, Marketingleiter bei Hohner. „Die bisherigen kleinen Akkordeons sind nur die Miniaturversionen der großen. Das hat in der Umsetzung nichts mit Kindern, die ja eine ganz andere Physiognomie haben, zu tun.“ Klar: Kinder haben kürzere Arme, kleinere Hände, weniger Kraft. Schulranzen sind mittlerweile ergonomisch an Kinderrücken angepasst. Warum also nicht auch Akkordeons? Gemeinsam mit der Hochschule für Künste in Bremen hat das Entwicklerteam von Hohner untersucht, wie der Kinderkörper proportional ausgebildet ist. Für die durchgeführten Studien wurden viele Kinder genau vermessen. Die Ergebnisse der Untersuchungen führten dann in Bezug auf die Instrumente zu einem ganz neuen, anderen Design. „Wichtig ist der Winkel des Instrumentes zum Körper“, so Dehn. „Das Instrument muss genau vor dem Körper sein, die Tastatur so angeordnet, dass kein zu großer Knick im Handgelenk entsteht.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt war natürlich das Gewicht des Instrumentes. „Selbst die kleinsten Instrumente wiegen noch um die fünf Kilo, das ist für ein kleines Kind viel zu schwer.“ Das große Gewicht, sagt Christian Dehn, führe bei den Kindern zu Berührungsängsten. „Wir wollen aber neue Spieler gewinnen, neue Fans des Instrumentes Akkordeon. Also muss man auch da ansetzen: Wenn man den Kindern die Angst nehmen möchte, auf einem so großen und auf den ersten Blick komplizierten Instrument zu spielen, muss man nicht nur die Größe verändern, sondern auch Gewicht herausnehmen.“

Ein Leichtgewicht

Genau halb so viel wie das bisher leichteste Instrument wiegt die XS – ganze zweieinhalb Kilo. Wichtig dafür war eine komplett neue Auseinandersetzung mit den verbauten Materialien. Knut Hoyer aus der Hohner-Entwicklungsabteilung hat den Prozess von Anfang an begleitet und weiß, wie viel Arbeit und Erfindungsreichtum in der XS steckt. „Bis auf den Balg, der ja noch das klassische Aussehen hat, ist alles komplett neu und hat mit dem, was man bisher im Akkordeonbau gemacht hat, nichts zu tun.“ Eine echte Herausforderung, die in diesem Falle aber angegangen werden musste. Schließlich sollte das Instrument diesmal ganz konkret an eine Zielgruppe angepasst werden. „Die Grundvorgaben“, so Hoyer, „waren klar: Das Instrument musste kompakt und deutlich leichter sein als ein ,normales‘ Akkordeon. Dazu kam das Thema Ergonomie, das hier richtig bewusst angegangen wurde.“ Betrachtet man zunächst die Kompaktheit, kommt man zu dem Schluss: Verkleinern funktioniert nur durch Vereinfachen. „Die Herausforderung war es, die Dinge mit weniger Platzbedarf, aber der gleichen Funktionalität zu bauen. Da kommt man schnell darauf, dass man die bisher verbauten Teile zum einen kleiner baut und sich zum anderen überlegt, wie mehrere Funktionen in weniger Teilen realisiert werden können.“ Ein spannender Ansatz – schließlich gibt es kaum ein Instrument, das aus mehr Einzelteilen besteht als das Akkordeon. Das bedeutet Komplexität im Aufbau – und, natürlich, auch mehr Gewicht! Knut Hoyer: „Betrachtet man den generellen Aufbau des Akkordeons, sieht man immer das Gleiche: ein Holzgehäuse, in das die sogenannte ,Füllung‘ mit der Mechanik separat eingebaut wird. Alles Einzelteile. Beim neuen Kinderakkordeon heißt diese ,Füllung‘ Basisträger. Das sagt eigentlich schon alles: Es handelt sich um ein einzelnes Spritzgussteil, in das die Stimmstöcke bereits integriert sind, die Lager für die Tasten, die Befestigung für die Gehäuseschale. Ein Bauteil übernimmt hier die Funktion von bisher vier Bauteilen.“ Wichtig sei bei der Entwicklung der richtige Ansatz gewesen: Die Funktion der einzelnen Teile stand an erster Stelle der Überlegungen, das Instrument wurde dadurch komplett neu aufgebaut. „Der erste Gedanke war nicht: Wie kann ich die Klappe oder den Hebel kleiner machen? Vielmehr haben wir uns bei nahezu jedem Bauteil gefragt: Welche Funktion erfüllt dieser Knopf oder dieser Hebel in der Gesamtmechanik? Wie kann man das generell anders lösen? Wo gibt es – vielleicht in meiner Küche, in meinem Auto, in sonstigen Bereichen des Alltags – etwas, das man vielleicht auf diese Funktion übertragen kann, das aber ganz anders gelöst wurde?“ Bis hin zur Weltraumfahrt wurden die Ideen gesponnen, erinnert sich Hoyer. „Klar wurden da auch viele Ansätze wieder verworfen. Aber einiges konnte man dann doch – zumindest in Teilen – übernehmen oder als Denkanstoß nutzen. Das ist natürlich ein sehr aufwendiger, aber auch ein sehr kreativer Prozess. Man sammelt einen riesigen Ideenpool und filtert am Schluss das heraus, was umsetzbar ist. So entstehen komplett andere Lösungen als die, die man bisher hatte. Und genau das war unser Wunschansatz.“ Beispiele für diese Art der Innovation findet man einige am fertigen Instrument. Für den guten Sitz des Akkordeons am Körper des Kindes wurden zum Beispiel verschiedene Tragesysteme getestet, die man aus dem Familien- und Freizeitbereich kennt: Babytragen, Kinderklettergurte, professionelle Tragesysteme für Holzarbeiten. Letztlich kam dabei eine Zusammenarbeit mit der Firma VAUDE heraus, die auf Rucksäcke und Tragen spezialisiert ist und zusätzlich zum Tragesystem des Instrumentes auch den ergonomisch geformten, praktischen Gigbag zum Transport des Akkordeons liefert. Ebenfalls raffiniert umgesetzt ist der Balgverschluss: Inspiriert von Outdoorkleidung, Rucksäcken und Schuhverschlüssen entwarfen die Hohner-Entwickler ein Schließsystem, das aus einer Gummikordel mit Zipper besteht und auch für Kinderhände extrem leicht zu bedienen ist.

Eine weitere wichtige Vorgabe für die Entwicklungsabteilung war der Preis des Instrumentes. Denn: Um einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zum Akkordeon zu schaffen, darf das Instrument für den Endverbraucher nicht zu teuer sein. Für knapp 500 Euro ist die XS nun zu haben.

Durchaus eine Herausforderung, wenn man bedenkt, wie viele Aspekte bei der Neuentstehung des Kinderinstrumentes bedacht werden mussten. „Das waren schon hohe Ansprüche. Erschwerend kam noch die Ergonomietechnik hinzu: Die Pianotastatur ist bei der XS im Instrument selbst integriert und liegt nicht auf dem Griffbrett auf. Das wiederum hat gefordert, dass der Platz für Taste, Hebel und Ventil knapp wurde und man sich eine ganz neue Lösung überlegen musste.“ Wie genau man dieser Problematik begegnet sei, dürfe hier nicht verraten werden ...

Man kann aber festhalten: Es ist geglückt. Die Tastatur liegt im Griffstock, trägt nicht auf, ist sehr leichtgängig und direkt im Anschlag. „Letztlich haben wir auch diese Thematik durch die Integration vieler Funktionen in wenige Spritzgussteile gelöst. Es ging gar nicht anders, als dass wir eigentlich alles neu erfunden haben bei diesem Instrument.“ Wenn man es so bedenkt, sind zweieinhalb Jahre Entwicklungszeit ja eigentlich recht kurz!

Jetzt ist die Hohner XS in der Pilotphase und wird in Kindergärten und Kitas getestet. Christian Dehn vom Marketing sieht gerade auch in Erzieherinnen und Erziehern eine wichtige Zielgruppe. „Unser Anspruch ist es nicht, dass die Kinder ein fertiges Musikstück im Kindergartenalter spielen können, sondern dass sie einen spielerischen Zugang zum Instrument bekommen. Und dass sie dann vielleicht im nächsten Schritt zu einem Lehrer gehen, um das Akkordeon ,richtig‘ spielen zu lernen. Wir wollten davon wegkommen, dass die Leute sagen: Akkordeon, das ist doch dieser schwere schwarze Kasten, kompliziert zu spielen. Die XS soll den Einstieg erleichtern – dabei aber, und das ist uns ganz besonders wichtig, klingen wie ein ,richtiges‘ Instrument.“ Das ist ja, wie eingangs anhand der Hörprobe im Wirtshaus geschildert, gut gelungen. Wie sieht es aber mit der Optik aus?

Ganzheitliche Herangehensweise

Nun, ein „schwerer schwarzer Kasten“ ist das Kinderakkordeon Hohner XS auf keinen Fall. Die runden Formen, die sich aus der Neukonzeption des Innenlebens und der ergonomisch orientieren Bauweise ergeben haben, wirken innovativ, aber auch einfach schick. Die Spritzgusslackierung sieht toll aus, und dabei komplett anders als alles, was man bisher auf dem Sektor gesehen hat. Zudem sehr hochwertig. Man kann sich die kleinen, kompakten Instrumente in Bonbonfarben direkt aufgereiht im Regal des Musikalienhändlers vorstellen. Ein wichtiger Aspekt, denn auch die Optik eines Instrumentes muss den Kindern gefallen. Ein ganzheitlicher Ansatz, sozusagen.

Ganzheitlich auch deswegen, weil es nicht nur bei der Entwicklung eines Instrumentes für die Kleinsten blieb, sondern auch pädagogisch zugearbeitet wurde. Theresia Höllerich, Produktmanagerin bei Hohner, und Kristin Weimann, die für den Bereich „Education“ zuständig ist, haben ein Konzept erarbeitet, wie das Akkordeon wieder in den Fokus von Kindern, Eltern, Musiklehrern und Erziehern rücken kann. „Es geht uns dabei auch, aber nicht nur, um das Erschließen neuer Zielgruppen. Die ganze Spielerschaft, die Community, sollte sich öffnen für neue Spieltechniken und Stilrichtungen, für eine lebendige Weiterentwicklung. Dafür braucht es neue Impulse von außen. Deswegen soll das Akkordeon nicht mehr so für sich stehen, sondern Teil der musikalischen Früherziehung werden“, erklärt Theresia Höllerich. Gerade die musikalische Komplexität in der Akkordeonszenerie habe den Zugang zum Instrument in den letzten Jahren oft erschwert. „Vor allem auf dem europäischen Markt hat sich das Akkordeon in seiner Komplexität in den letzten Jahrzehnten sehr nach oben geschaukelt. Die Leichtigkeit, die Freude am Spielen ist dadurch etwas aus dem Fokus geraten, zumindest für die ganz junge Zielgruppe. Das wollen wir ändern. Das Akkordeon ist ein tolles Einsteigerinstrument, es kommt sofort ein ,richtiger Ton‘ raus, das macht Spaß.“

Wichtig für diesen spielerischen Einstieg ist natürlich auch die entsprechende Literatur. Also wurde – in Zusammenarbeit mit dem Verlag Don Bosco – ein eigenes Arbeitsheft für die musikalische Früherziehung konzipiert, das dann von erfahrenen Autoren gestaltet und umgesetzt wurde. Kristin Weimann erzählt: „Wir haben mit verschiedenen Verlagen mit Schwerpunkt auf dem frühpädagogischen Bereich gesprochen und uns letztlich für eine Zusammenarbeit mit dem Don Bosco Verlag entschieden. Einer der Verlagsautoren, Marco Wasem, hat selbst am Hohner-Konservatorium studiert und konnte unsere Ansichten komplett teilen. Er hat einfach angefangen zu schreiben, ganz nach seinen Vorstellungen – und dabei genau unseren Ansatz getroffen.“ Herausgekommen ist ein zweiteiliges Werk mit je einem Heft für Kinder und Erzieher, das sich dem Thema Akkordeon auf spielerische Weise nähert, aber auch geschickt und ansprechend Themenbereiche der musikalischen Früherziehung abdeckt. Da wird rhythmisch geklatscht, mit Orff-Instrumenten gearbeitet, gesungen, gereimt und gemalt – und zwischendurch eben immer wieder das kleine, kompakte Akkordeon, in den Illustrationen klar als Hohner XS erkennbar, zur Hand genommen. „Wichtig war“, so Kristin Weimann, „dass auch die Erzieherinnen Lust bekommen, sich mit dem Instrument auseinanderzusetzen. Der Alltag in Kindergarten oder Kita kann ja ganz schön stressig sein – da soll der Bereich Musik einfach Spaß machen.“

Theresia Höllerich ergänzt: „Wir sind mit der XS nicht einfach in die Kindergärten marschiert und haben losgelegt, sondern haben uns genau überlegt: Ab welchem Alter macht es Sinn? Oft fangen die Kinder ja mit dem Akkordeon erst im Grundschulalter an, wo schon wieder andere Dinge interessant sind, und geben schnell wieder auf. Auch Erzieherinnen tun sich vielleicht manchmal schwer, Musik zu vermitteln, weil sie selbst keine Instrumente mehr spielen. Es war uns also auch wichtig, dass die Pädagoginnen und Pädagogen sich nicht abgeschreckt fühlen, sondern mit noch kleinen Kindern musikalisch experimentieren. Da setzt auch das Akkordeonbuch an.“

In verschiedenen Pilotprojekten wird die XS derzeit getestet – mit dabei sind Kindergärten, Kitas, inklusive Projekte und eine Grundschule. Geplant sind auch Ausbildungsstätten für musikalische Früherziehung und Workshops für pädagogische Fachkräfte. Denn, so sagt Theresia Höllerich: „Ein bisschen Training erfordert es einfach“, das Spiel auf dem kleinen Leichtgewicht. Dafür macht es sehr schnell sehr viel Spaß.

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