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Digitale Gigs mit Gage

Digitale Gigs mit Gage: wie funktioniert es?

Die Coronapandemie ist – leider – noch längst nicht vorbei, und dasselbe gilt für die sich immer wieder ändernden Restriktionen für das (­Kultur-)Leben. Erst im November wurde erneut ein Komplettlockdown in Deutschland und auch in anderen Ländern wie Österreich verhängt. Musiker versuchen angesichts vieler ausgefallener Gigs, öfter ­digitale ­Konzertoptionen zu nutzen. Wir haben uns angeschaut, welche es gibt, was sie bieten – und welche Erfahrungen Künstler damit derzeit machen.

Text: Christina M. Bauer Bild: fortes medien GmbH

Das Internet ist wegen der Viruspandemie zeitweise zu einer Art Konzertsaal Nummer eins geworden. Selbst wenn es vielen nicht gefällt und es nicht dasselbe ist wie ein „richtiges“ Konzert, gibt es derzeit oft nur die Option: ein digitales Konzert oder kein Konzert. Während manche Künstler darauf bestehen, dass sie ihre Musik nur live „richtig“ rüberbringen können, sehen andere digitale Formate wie Livestreams zumindest als sinnvolle Ergänzung. Manche nutzen diese Optionen sowieso seit Jahren schon ganz gern. Andere sehen sie besonders jetzt als eine Notfalloption, bis das gesamte Kulturleben endlich wieder einen einigermaßen normalen Betrieb wird aufnehmen können. Denn immerhin bringen Livestreams die Musik ans Publikum und auf eine gewisse Art können sie teilweise – über begleitende Chats oder ähnliches – einen Kontakt herstellen. Ob es den Künstlern Geld in die Kasse bringt, kommt aber auf die Gestaltung des Formats an. Musiker und Bands machen damit sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Konzerte als Livestreams

Es gibt inzwischen vielfach erprobte Möglichkeiten für Livestreaming. Künstler brauchen einen Computer bzw. ein Notebook, eine angeschlossene oder integrierte Kamera und ein ebensolches Mikrofon. Damit Bild- und Tonqualität gut sind, werden meist entsprechend hochwertige externe Kameras und Mikrofone eingesetzt. Zusätzlich verwenden manche Musiker zur Soundgestaltung ein angeschlossenes Mischpult. In einigen Punkten funktioniert das Onlinekonzert also ähnlich wie das normale Konzert. Aber sogar mit relativ einfachen Mitteln lässt sich heutzutage schon ein ganz ordentlicher Livestream gestalten, möglich wäre das sogar „nur“ mit Notebook und Smartphone. Meist wird natürlich ein aufwendigeres technisches Setting verwendet.

Für die Livestreamingfunktionen müssen sich Musiker einen Anbieter aussuchen und sich dort einen Account anlegen, um diese Möglichkeit nutzen zu können. Etabliert haben sich vor allem Video- und Social Networking-​Anbieter, die sonst mit anderen Funktionen verbreitet sind. So werden YouTube, Facebook, Zoom und ähnliche Angebote immer öfter für Livestreams verwendet. Die Anwendung ist bei allen ähnlich, mit Variationen bei einzelnen Funktionen.
Oft suchen Musiker außerdem die Kooperation mit Studios. Das vereinfacht und optimiert die technische Seite aus ihrer Sicht, da technisches Equipment, Tontechniker und Kameraleute vor Ort sind. Damit lässt sich dann natürlich noch mal ein schöneres Bild und ein besserer Sound erreichen. Außerdem wird in einer solchen Situation der Livestream im Internet als solcher beaufsichtigt und betreut, der Stream läuft dabei normalerweise über einen entsprechenden Account des Studios, Clubs oder Kulturvereins. Allerdings muss natürlich auch das aus irgendeiner Quelle finanziert werden, sei es durch staatliche Fördergelder, von Sponsoren, über digitale Tickets oder Ticketspenden. Alle Varianten gibt es und sie alle werden in verschiedensten Settings genutzt.

Finanzierung

Staatliche Fördergelder: Wie bei vielen Konzerten und Festivals sind Fördergelder eine Möglichkeit der Finanzierung. Ein Beispiel ist der Verein In Situ Art Society in Bonn. Im Mai spielte hier die zeitgenössische Akkordeonistin Eva Zöllner ein Konzert mit dem Titel In sechs Richtungen im Dialograum Kreuzung an St. Helena in Bonn. Der Verein In Situ Art Society erhält für seine Konzerte Fördergelder unter anderem der Initiative Musik gGmbH, des Landes NRW, anderer staatlicher Förderer, von Stiftungen und Sponsoren. Zusätzlich werden von Videozuschauern Spenden eingeworben. Das Budget setzt sich also aus vielen unterschiedlichen Quellen zusammen. Diese Finanzierung hat es den Zuständigen des Vereins ermöglicht, den Musikerinnen und Musikern trotz Covid eine feste Gage zu bezahlen. Staatliche Förderer, Stiftungen und Sponsoren sind im gesamten Kulturbereich oft ein wesentlicher Budgetgeber. Das ist für die Akkordeonszene ebenfalls ein wesentlicher Faktor, gerade in Zeiten von Covid.

Sponsoren: Ein aktuelles Beispiel für Sponsoring durch Firmen aus der Szene ist der diesjährige Trophée Mondial die Confédération Mondiale de l’Accordéon (CMA). Wegen Covid wurde dieser internationale Wettbewerb erstmals online organisiert. Die CMA erhielt für die Finanzierung unter anderem Sponsorengelder der Akkordeonhersteller Bugari, Hohner, Pigini und Petosa. So wie es in der gesamten Musikszene ist, gibt es bei Akkordeonistinnen und Akkordeonisten einige, die unmittelbar von Unternehmen gesponsert werden, weil sie etwa ein bestimmtes Akkordeonmodell spielen. Eine solche Vereinbarung wird dann meist als Endorsement bezeichnet.
Ticketspende: Die Ticketspende wird wie bereits beschrieben oft mit anderen Quellen verknüpft. Es gibt außerdem die Variante, dass vor allem auf Ticketspenden der Zuhörerinnern und Zuhörer gesetzt wird. Die Beteiligung kann hier natürlich sehr unterschiedlich sein. Bei einem solchen Format können Interessierte das Konzert im Internet zur Sendezeit zunächst frei zugänglich anschauen und werden in einem entsprechenden Infotext um Ticketspenden gebeten. Oft sind außerdem die aufgezeichneten Videos noch einige Zeit nach dem Konzert oder dauerhaft online verfügbar, mit einer Information zum Bankkonto für Spenden.
Ein Beispiel auf YouTube ist das Duo-​Konzert, das Bandoneonistin Judith Brandenburg und Volker Jaekel am Klavier Anfang Juni in Berlin gespielt haben. Sie konnten das aufgrund einer bereits länger bestehenden Kooperation im Wesentlichen kostenfrei im Greve Studio von Volker Greve tun. Die Aufzeichnung des Livestreams ist bei YouTube zu finden. Greve bietet allen Musikerinnen und Musikern gern Kooperationen für Livestreams an, die dafür aber Geld aufwenden müssen. Das können für Technik, Kamera und Ton, und die dafür Zuständigen um die 450 Euro sein. Um das wieder einzuspielen, müssten sich also zunächst 45 Zuschauerinnen und Zuschauer mit jeweils 10 Euro als Ticketspende beteiligen. Erst wenn mehr oder höhere Spenden hinzukämen, bliebe den Musizierenden nach ihrem Konzert tatsächlich ein Plus.

Digitale Tickets

Es gibt Optionen für Online-​Konzerte mit Bezahlschranke, die aber bisher seltener verwendet werden als die zuvor beschriebenen Varianten. Hier werden Tickets zu einem festgelegten Preis eingekauft, genauso wie für ein normales Konzert. Erst dann erhalten die Interessierten einen Link, über den sie das Konzert sehen können.

Eine spezialisierte Variante für Musikerinnen und Musiker stammt aus den USA und ist vor allem dort seit einigen Jahren gut etabliert: stageit. Dieses Angebot ist speziell dafür da, dass sich Musizierende anmelden und ihre Konzerte als Livestreams senden können. Es gibt einige, auf musikalische Bedarfe abgestimmte Funktionen, wie etwa eine Art virtuellen Soundcheck. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, digitale Tickets für den Zugang zum Livestream zu verkaufen. Dieses Format nutzen sowohl wenig bekannte Künstlerinnen und Künstler als auch weltweit etablierte. Laut Angaben des Unternehmens sind derzeit mehr als 53.000 Musikerinnen und Musiker angemeldet. Es gibt über 700.000 Nutzer aus 135 Ländern. Im Zeitraum ab März 2020 sollen mehr als 5 Millionen Dollar an Künstler für Konzerte ausgezahlt worden sein. Das Format stageit gibt es seit etwa zehn Jahren.

Erst dieses Jahr in München entstanden ist auf Initative des Klaviersalon ein ganz neues Format namens Streemy. Hier stand konkret die angespannte Covid-​Situation am Anfang. Im Oktober lief das erste Konzert per Livestream vom Studio des Klaviersalon aus, es spielte die klassische Musikerin Varvara Manukyan am Klavier. Bald soll der nächste Schritt stattfinden: Nun können Musiker von zu Hause aus streamen. Das Angebot richtet sich dabei keineswegs nur an die Klavierszene, sondern an alle Musiker und andere Künstler. Sie sollten natürlich in ihrer Umgebung zu Hause über die geeigneten technischen Möglichkeiten verfügen, damit Bild und Ton in guter Qualität möglich sind. Über Streemy wird alles Weitere organisiert und der Livestream technisch betreut. Im Vorfeld des Konzerts werden digitale Tickets zu den vorher vereinbarten Preisen verkauft. Für Zuschauer gibt es während des Livestreams zusätzlich die Option, einige Minuten „probezuhören“, um zu sehen, ob sie ein Ticket kaufen möchten. Die Künstler können begleitend zu ihrem Auftritt außerdem CDs und Fanartikel anbieten. Ein kleiner Betrag der Einnahmen geht an den mit der Zahlungsabwicklung beauftragten Finanzdienstleister PayPal. Der Rest geht zu 80 Prozent an die Künstler und zu 20 Prozent an den Klaviersalon. In Österreich wurde ein ähnliches Format namens Konzertsaal.at organisiert. Ab dem Frühjahr wurden bereits einige Jazz- und Klassikkonzerte im Livestream gesendet. Mit dabei war ein Livestreamkonzert des Akkordeonisten Alois Eberl im Duo Sinfonia da Carnaval.

Crowdfunding

Ebenfalls interessant für Bands bleibt das Crowdfunding. Dabei werden über eine Onlineseite Gelder für eine Studioaufzeichnung, ein Konzert oder ein Festival eingeworben. Auch hier muss zuerst ein Anbieter gewählt und ein Account erstellt werden, dann können sich Künstler ihre Kampagne selbst gestalten. Bekannt sind Kickstarter und Indiegogo, es gibt aber einige mehr. Als Gegenleistung an die Teilnehmer ihrer Kampagne bieten Bands meist Exemplare der neuen Alben nach Veröffentlichung oder Fanartikel an. Manche offerieren für größere Zahlungen außerdem Workshops, Privatkonzerte oder Widmungen im Booklet.

Das Ensemble Halva hat sich beispielsweise über eine solche Kampagne das neue Album Dinner in Sofia finanzieren lassen, das nun im Dezember erscheint. Gleichzeitig wird ein Notenband mit allen bisherigen Stücken zum Nachspielen veröffentlicht. Die Indiegogo-​Kampagne dazu brachte in der anvisierten Zeit sogar etwas mehr ein als den angestrebten Betrag. Die Musiker haben als Gegenleistung für die zugesagten Beiträge ein breites Spektrum der zuvor beschriebenen Optionen angeboten, von Album über Notenheft bis zu Workshop und Widmung. Die Angebote wurden von etwa 200 Interessierten angenommen. Einige von ihnen zeigten sich besonders großzügig und investierten hohe Einzelbeträge.

www.youtube.com/watch?v=2ENkgcIYZQg
www.youtube.com/watch?v=9FGqLtpBzHo
www.initiative-​musik.de
www.stageit.com
www.streemy.de
www.konzertsaal.at
www.indiegogo.com