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#21..Best of

Dieser Artikel stammt aus akkordeon_magazin, Heft #21 vom August/September 2011

Veronika Todorova & Band

The spirit of balkan music and more

Text: Dr. Thomas Eickhoff; Fotos: Veronika Todorova Band

Zahlreiche Auftritte live und via TV, Wettbewerbserfolge und ein stilistisch breit gefächertes Repertoire: Es steht wohl außer Frage, dass Veronika Todorova den Titel „Ausnahmekünstlerin“ verdient. Sie ist nicht nur in der Showbranche gewandt, sondern beherrscht auch rein spielerisch betrachtet ihr Instrument virtuos. Die 24-jährige Bulgarin, die seit 2003 mit ihrer Familie in Deutschland lebt, hat bisher alle bedeutenden Wettbewerbe der Akkordeonszene gewonnen. Darunter sind die renommierten Festivals von Lanciano, Premio Città di Atri, Castelfidardo sowie der Deutsche Akkordeon Musikpreis in Baden Baden zu nennen. In diesem Sommer präsentiert die „Zauberin auf dem Tastenakkordeon“, wie sie gern genannt wird, ihre zweite CD: „Balkan Train – the spirit of accordion music“.

Doch es sind nicht nur die „Wettspiele“ der Akkordeonszene, die aus einem Talent eine viel beachtete Künstlerin werden ließen. Die langjährige Zusammenarbeit mit Lehrer und Mentor Renzo Ruggieri verhalf Todorovas Stil und Repertoire zu internationalem Ansehen. Ruggieri, ein Star in der italienischen Jazzakkordeonszene, schrieb ihr ‒ geradezu auf den Leib geschnitten ‒ Stücke wie „Tarantella“, „Carnevale“ und „Tango Italiano“. Calypso und Tango meets Jazz: Das war eine ganze Zeit lang das Credo der Tastenakrobatin. Durch das Zusammenspiel mit Orchestern und dem Streicherensemble „String International“ auf den von Ruggieri organisierten Akkordeonfestivals entdeckte Veronika Todorova die vielfältigen Möglichkeiten, musikalisch zu experimentieren und sich in einer Band auszudrücken.

 

Die harte bulgarische Schule

Von der Solistin bis zur Akkordeonistin, die schließlich mit Band ihre persönlichen Klangvorstellungen realisierte, vollzog die Bulgarin eine bemerkenswerte Entwicklung. Zu ihrer musikalischen Entfaltung trug ihre Herkunft einen nicht unwesentlichen Teil bei. Denn die junge Todorova durchlief die in künstlerischer Hinsicht nicht umsonst als hart eingestufte „bulgarische Schule“. Früh hatten die Eltern das Talent ihrer Tochter entdeckt; unter der strengen Aufsicht ihrer Musiklehrer absolvierte das junge Mädchen dann ein enormes Arbeitspensum. Es folgten die ersten nationalen und später internationalen Wettbewerbe, bei denen sie sich zielstrebig nach oben arbeitete.

 

Eine Band wird geboren

Als Veronika Todorova im Jahre 2003 mit ihrer Familie nach Deutschland übersiedelte, sah es erst mal gar nicht nach einer Karriere im Musikgeschäft aus. Schule, Sprache und die Aufgaben des Alltags nahmen die Familie stark in Anspruch. Doch die junge Frau schien sich nicht beirren zu lassen. Schnell lernte sie Deutsch, spielte und siegte bei zahlreichen Wettbewerben. Ein Mal im Monat flog sie zu ihrem Lehrer Renzo Ruggieri nach Italien.

Dann traf sie im Winter 2005 die beiden Rockmusiker Axel Spreitzer (Schlagzeug) und Detlef Görke (Fretless Bass). Mit diesen beiden nicht mehr ganz jungen Haudegen stellte Todorova ein versiertes Trio auf die Beine: Die Veronika Todorova Band war geboren. Kaum sechs Wochen nach ihrem ersten Treffen spielte die frisch gegründete Formation in der hessischen Kleinstadt Limburg an der Lahn ihr hoch gelobtes Debut. Das Repertoire bestand zu diesem Zeitpunkt noch aus einer bunten Mischung aus Varietémusik, Tangos, Polkas und ersten Balkanstücken. Nun hatte die Musikerin die Möglichkeit, weitere Facetten ihrer Musik herauszuarbeiten.

Mediale Resonanz

Schon bald wurden die Medien auf sie aufmerksam. Es folgten Einladungen zu Festivals, Radiosendungen des Hessischen Rundfunks und des Südwestrundfunks sowie zwei Clubtourneen mit der Radiolegende Volker Rebell, der die Band mehrfach in seine Sendung eingeladen hatte. Der Moderator brachte das Besondere der Band mit wenigen Worten auf den Punkt: „Einmal durch den Balkan gejazzt. Unglaublich, großartige Musik.“ Mit ihrer ersten CD „Rosso“ im Gepäck machte sich das passionierte Trio auf Deutschland- und Bulgarientour ‒ und spielte sich in den energiegeladenen Performances die Finger geradezu blutig ...

 

Aktuell: Fokus auf Balkanmusik

2008 fiel die Entscheidung, das neue musikalische Material für eine CD aufzunehmen. Die Band richtete sich ein eigenes Studio ein und schaffte sich somit die Möglichkeit, in aller Ruhe ihre Musik zu entwickeln. So entstand „Balkan Train – the spirit of accordion music“. Darauf enthalten sind im besten Sinne ungewöhnliche, atemberaubende Arrangements, die den Geist der Balkanmusik einfangen.

Die Künstlerin besinnt sich hier ihrer heimatlichen Wurzeln. Bulgarische Reigentänze mit teils sperrigen, teils groovigen 7er-, 9er- und 11er-Rhythmen bestimmen das Programm. Melodiöse Themen wechseln sich ab mit tanzbaren Polkabeats. Tango und Jazzelemente tauchen als kurze Zitate in Reigentanzkombinationen auf. Todorova geht aber noch einen Schritt weiter und eröffnet ein neues Kapitel mit gekonnten Remixes ihres Publikumsrenners „Train Song“. Diese ursprünglich rumänische Volksweise erhält durch die treibenden Beats der Rhythmusgruppe einen ungeheuren Drive, auf dem Todorovas fliegende Finger ein melodiöses Feuerwerk entfachen. Spannend für den Zuhörer, die Originalversion mit den mal elektronischen, mal akustisch anmutenden Remixes zu vergleichen.

Entstanden ist das Stück auf ihrer Bulgarientournee, als die drei Bandmitglieder sich im Proberaum für die Tour vorbereiteten und so ganz nebenbei ein neues Stück entwickelten. Erstmals aufgeführt wurde die neue Komposition unter anderem in den bulgarischen Städten Trojan, Pleven und Plovdiv. Hunderte von begeisterten Zuhörern besuchten die Konzerte, die im bulgarischen Fernsehen gesendet wurden.

 

Die Rhythmusspezialisten

Zurück in Deutschland zog sich die Band lange Zeit in ihr Studio zurück, um die zahlreichen neuen Ideen umzusetzen, die sie auf dem Balkan eingefangen hatten. Dazu bedurfte es neben der temperamentvollen und vielseitigen Akkordeonistin als Leiterin auch zweier Rhythmusexperten, die in der Lage sind, unter dem Geflecht balkanischer Melodiebögen eine groovige Basis zu schaffen. Axel Spreitzer am Schlagzeug und Detlef Görke am Fretless Bass sind aufgrund ihrer jahrzehntelangen Erfahrung in zahlreichen Rock-, Funk- und Fusionbands die für Todorovas Ambitionen bestmögliche Besetzung.

 

Joint Ventures

In Joint Ventures mit Kolleginnen und Kollegen hat das Trio schon mehrfach bewiesen, dass eine instrumentale Erweiterung jederzeit möglich ist und Gelegenheit gibt, sich auf reizvolle Improvisationen mit Cello, Geige, Klavier und Gitarre einzulassen. Dies ist auch auf der aktuellen CD zu hören. Eine elektrische Gitarre, gespielt von Radoslav Lakovski, sowie ein Duett mit dem serbischen Akkordeonisten Slaven Maric geben dem Silberling eine zusätzliche Farbe.

 

Auf die Bühne

Eine Band wie diese, mit einem Spitzenrepetoire und einer erstklassigen Besetzung, sollte auf allen europäischen Bühnen zu Hause sein. Man munkelt, dass Künstleragenturen und Konzertveranstaltern empfohlen sei, sich rechtzeitig um die Akkordeon-Ausnahmekünstlerin Todorova zu bemühen ... Denn so viel scheint sicher: Veronika Todorova und ihre Band setzen zu musikalischen Höhenflügen an – und sind auf ihrem ganz eigenen Weg nach oben.

 

Hier ist ein YouTube-Video mit Veronika Todorova und Band

Hier findest du die Digitalausgabe des Heftes